Fliegende Blätter — 39.1863 (Nr. 939-964)

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Aus dem Leben eines Kurzsichtigen.

(Fortsetzung.)

Glücklich wie ein armer Handwerksbursch, der das große
Loos gewonnen, trat ich in den Saal zurück. Nicht darüber,
daß Clärchen nun so gut wie mein war, jubelte es in meiner
Seele, als ob alle Register darin aufgezogen wären, sondern
darüber, daß mir zum ersten Male etwas gelungen, glänzend
gelungen war und zwar so etwas Großes und Entscheidendes,
ohne den geringsten Verstoß dabei zu machen. Leicht um's
Herz und Nieren wie ein junger Gott mische ich mich unter
die Gesellschaft und trete zn meinem Freunde, um ihm mein
Glück zu verkündigen. Eine junge Dame, die neben ihm
stand, empfing mich — mit lautem Kichern und sagte: „Aber

das ist doch nicht halb recht, Herr Gevatter, daß Sie
mit andern Damen in der Fensternische plaudern
und für Ihre Mitgevatterin nicht einmal ein Wort
des Grußes haben."

Barmherziger, grundgütiger Gott! mir gings
wie mit glühendem Eisen die ganze Wirbelsäule
hinunter. „Himmel! was Hab' ich da wieder ge-
macht!" dachte ich und wurde fast sinnlos, „um
ein mir ganz unbekanntes Mädchen angehalten!"
stammelte in der peinlichsten Verlegenheit einige
zusammenhangslose Worte der Entschuldigung, alle
Schuld auf meine Kurzsichtigkeit schiebend, mache
mich, sobald es Anstandshalber nur ging, los von
Clärchen und meinem verwunderten, kopfschüttclnden
Freunde und stürze wie trunken vor Verzweiflung
über mein grenzenloses Mißgeschick aus dem Saale.
Es war kein Zweifel, ich hatte um eine ganz Andere
angehalten und halb und halb das Jawort empfangen
und wußte nun nicht einmal, wer es gewesen. O
du unergründliche Barmherzigkeit! in welch eine
erbarmungslose Lage war ich wieder durch meine Kurzsichtigkeit
gerathen! Meines seligen Vaters Punschbowle fuhr mir durch's
Hirn, aber diese alte Geschichte war nichts, ein Atom gegen
die Ungeheuerlichkeit meines neuesten Mißgeschicks. Draußen
auf der Straße schlug ich mich wie wahnsinnig mit bcr Faust
vor die Stirn, daß die Hirnschale hätte bersten müssen,
wenn ich nicht von Natur mit einem rechten Dickkopfe gesegnet
gewesen wäre. „O! an dir ist Hopsen und Malz verloren!"
rief ich, als ich zu Hause angekommen war. „Das erste
Mal, wo dir etwas glänzend gelungen, ist dir's wieder
schauderhaft mißlungen! Das ist nun einmal wieder eine

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Aus dem Leben eines Kurzsichtigen"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Nachbar <Motiv>
Klärung
fallen
Unbekannte Person
Blumentopf
Sturz
Missverständnis
Junger Mann <Motiv>
Heiratsantrag
Karikatur
Kurzsichtigkeit
Garten <Motiv>
Satirische Zeitschrift
Thema/Bildinhalt (normiert)
Missgeschick <Motiv>

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 39.1863, Nr. 946, S. 57
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