Fliegende Blätter — 42.1865 (Nr. 1017-1042)

Seite: 73
DOI Heft: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fb42/0078
Lizenz: Public Domain Mark Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Io. Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst- J

a Handlungen, sowie von allen Postämtern und ***** M WD £ HM
^s^ngsexp editionen angenommen.___

Erscheinen wöchentlich ein Mal. Subscriptions- yTj,
preis für den Band von 26 Nummern 3 fl. 54 kr. ‘ ' ”
ob. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9 kr. od. 2'/s Sgr.

Ein Bricfmarken-Sammler.


(Schluß.)

. ^vch der arme, sonst so reiche und unternehmende Franz
hatte bis jetzt, trotz der unsäglichsten Mühe, hinter
^ c Adresse der Residenz Vaduz kommen können. Es mußte
afj^eite und allergrößte Merkwürdigkeit und Seltenheit —
b;e ^ Wohl gar keine Gasthöfe geben, so meinte er, denn
h^^chiedensten Reisehandbücher, die er deshalb durchstudirt,
"ft darüber weder belehren noch aufklären können. Wie
M |,ei)auertc er' ^ß Ziesche und Köder in Leipzig noch nicht
en genialen, höchst praktischen Gedanken verfallen, in

Vaduz ein Filialgeschäft zu gründen, oder nur einen ihrer
Herren Commis hinzusetzen, um sich von dort täglich einige
hundert bebriefmarkte und abgestempelte Briefe oder auch
nur Couverts senden zu lassen. — Das war nun der Wurm,
der an seinem Glücke nagte, der ihm stunden- und stellen-
weise das Leben verbitterte. Das war der Fluch, der auf
seinem Album lastete und ihn von der leeren, weißen, fünf-
unddreißigsten Seite der deutschen Bundesstaaten anstarrte.

Wer war froher als Frau Schnepfe!, da sie solches
vernommen und erfahren. Sie konnte dem Unglücklichen
helfen, ihm zu einer Lichtensteinerin, ach! sogar zu zweien
verhelfen: zu einer papicrnen und einer von Fleisch und
Bein, denn — sie war ja selbst eine geborne Vaduzerin,
oder wie man heute nach neuem Reglement sagen würde,
Lichtensteinerin. Das war ein Fingerzeig des Himmels, der
mußte befolgt werden, und wer konnte wissen, wohin er
zeigen, führen würde! Hatte sich kurze Zeit vorher Herr
Franz Kreide schlaflos aus seinem Lager herumgewälzt, seinen
Denkkasten angestrengt, um die glückliche Lösung der doppelten
Verwicklung zu suchen und auch zu finden, so war nunmehr
die Reihe an Frau Schnepfe!, ihre Schlauheit, ihre Erfin-
dungsgabe zu erproben, denn hier konnten auch zwei Fliegen
mit einem Schlage getroffen, ein Sammler durch eine papicrnc
Lichtensteinerin glücklich, und eine wirkliche, echte wieder
durch ihn glücklich gemacht werden.

Gott! welch ein Lichtstrahl zuckte da plötzlich auf in
dem arbeitenden Haupte der schönen Wittwe, als sie sich mit
solchen nächtlichen Gedanken auf ihrem einsamen Thron-
Himmelbette abplagte. Wäre es nicht gar so dunkel in der
Schlafstube gewesen, so hätte man ihr ganzes Antlitz lächeln,
ihre Aeuglein vor hoher Freude glänzen sehen können —

!


IO

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein Briefmarken-Sammler"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Sammlung
Erkennen
Witwe <Motiv>
Freude <Motiv>
Leidenschaft
Gastwirtin
Briefmarke
Karikatur
Kellner
Liebe <Motiv>
Philatelist
Briefmarkenalbum
Kniefall
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 42.1865, Nr. 1026, S. 73 Universitätsbibliothek Heidelberg
loading ...