Fliegende Blätter — 42.1865 (Nr. 1017-1042)

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Warum Herr Heinrich von Stromfeld noch immer keine Frau hat.

Zur Beherzigung für Mütter, die zu

^rrn Heinrich von Stromfeld. Hochwohlgeboren Dresden.

Lieber Neffe!

Ich habe lange Geduld gehabt, aber Alles hat seine
lenzen. Heute sind es genau drei Jahre, daß ich Dich
meinem Segen ausgeschickt habe, Dir ein Weib zu suchen.
J'u warst fünfundzwanzig Jahre alt, das rechte Alter zum
z^rathen — dabei ein hübscher, stattlicher Bursche, der
verständigen Frauenzimmer gefallen mußte. Du bist
einer angesehenen Familie, Deine Vermögensverhältnisse
^ gut, Du hast, so lange ich Dich beobachten konnte,
und Herz auf dem rechten Flecke gehabt — wie zum
ufuE kommt es denn, daß Du Deiner guten Tante und
^ir die ersehnte Schwiegernichte noch immer nicht zuführst?
'r haben uns darüber gesorgt und geärgert und wieder

Schwiegermüttern avanciren wollen.

vertröstet, so lange das möglich war. Endlich ist meine
gute Frau auf den unglückseligen Einfall gekommen, die
Verwandten von unfern Sorgen und Wünschen zu unter-
richten, und seitdem ist völlig der Teufel los. Aus Berlin
schreibt Tante Bertha: „Es wäre Dir kein Mädchen

gut genug." Aus Hannover meldet Tante Walburg: „Du
hättest von mehreren Seiten Körbe bekommen und wärest
förmlich geflüchtet." In München sollst Du Dich, wie
Cousine Leopoldine schreibt, als Don Juan benommen haben;
von der Fürstin bis zur Zofe soll Keine vor Deinen Nach-
stellungen sicher gewesen sein — während aus Dresden
Cousine Mathilde von einer „beklagenswerthen Passion" zu
berichten hat, die Dich für Alles taub und blind gemacht
haben soll, so daß Du, wie sie behauptet, halbe Tage lang
wie ein Unsinniger im, Felde herumläufst. Meine Frau
weint ihre bittern Thränen, und ich könnte vor Verdruß
über all' diesen Klatsch aus der Haut fahren. Mach' dem
Allen ein Ende, Junge! hast Dich lange genug in der
Welt herumgetrieben. „Es ist nicht gut, daß der Mensch
allein sei"; die von Stromfeld haben sich von jeher daran
gehalten — haben jung gefreit und sind gut dabei gefahren.
Also „vorwärts marsch!" Nimm Dir herzhaft das erste
hübsche Kind, das Dir gefällt. Hast Du aber wirklich die
große Passion, von der die Comtesse Mathilde schreibt, so
sag' es Deinem alten Onkel . . . warum damit hinter'm
Berge halten? Ist das Mädchen nicht adelig?' Durch die
Hcirath wird sie's! — Oder hat sie kein Geld? — auf die
Mitgift Deiner Frau bist Du Gott sei Dank nicht an-
gewiesen! Darum komm nur mit Deiner Auscrwählten, daß
wir eine fröhliche Hochzeit und über'S Jahr eine noch fröh-
lichere Taufe feiern. Ich will wissen, für wen ich gespart


Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Warum Herr Heinrich von Stromfeld noch immer keine Frau hat"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
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G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Teufel <Motiv>
Tochter <Motiv>
Klavier <Motiv>
Klavierunterricht
Übung
Karikatur
Klavierspiel
Mutter <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 42.1865, Nr. 1032, S. 121 Universitätsbibliothek Heidelberg
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