Fliegende Blätter — 43.1865 (Nr. 1043-1068)

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Von Michaelis bis Silvester.

(Fortsetzung.)

Herr Laufner erkundigte sich nun nach den näheren
Umständen, wie und wann sie das Kind gefunden hätten,
erfuhr aber auch nicht viel mehr. Mitten im Sommer sei
es gewesen vor zehn Jahren, sie hätte aber den Tag ver-
gessen. „Wenn Ihr Euch aber, achtbarer Herr," fuhr sie
fort, „zu dem Herrn Stadtpfleger bemühen wollt, da könnt
Ihr Alles auf's genaueste erfahren. Als mein seliger Mann
die Lene in'ö HauS gebracht, hat er all' ihre Kleidlein, und
was sie an sich trug, in eine Truhe gelegt und dazu eine
Schrift geschrieben — der Eligius war nur ein Weber, aber
er hat die lateinische Schule besucht und wußte gar viel,
und schreiben könnt er wie ein gelehrter Herr — in der
Schrift aber hat er es Alles genau angemerkt, was sich mit
dem Kinde zugetragen. Die Truhe hat er auf's Rathhaus
gebracht zur Verwahrung, und wenn Ihr die Lene mitnehmen
wollt, wird man Euch auch den Schrein mit den Sachen
übergeben, denn mein seliger Mann meinte, das Kind solle
die Sachen und die Schrift einst, wenn sie erwachsen wäre,
bekommen." Alsbald machte sich Laufner auf, um stracks
zum Stadtpfleger zu gehen.

Auch dieser freute sich jenes Entschlusses, belobte den
Landshuter Kaufmann höchlichst ob seiner christlichen Mild-
thätigkeit, sprach daneben sehr unliebsam von Frau Gundels
Härte und war sogleich bereit, dem Kaufmann jene Truhe
mit den Kleidern des gefundenen Kindes zu übergeben.

Laufner, den kleinen Schrein unter dem Arm, eilte
nun mit unruhig bewegtem Herzen seiner Herberge zu. Zu-
nächst that er Magdalenen seinen Entschluß kund, sie mit-
zunehmen nach Landshut, dort wolle er sie in einer gar
freundlichen Familie unterbringen, er könne dort viel besser
alsbald erfahren, ob es ihr wohl ergehe; und als er das
Mägdlein fragte, ob sie auch gern mit ihm ziehen wolle,

antwortete Magdalene mit einem fröhlichen zutraulichen „Ja."
Darauf schickte er sie hinüber in ihr bisheriges Heimaths-
hauö, sie möge dort ein paar Stunden verweilen. Es war
ihm nicht möglich, in des Kindes Gegenwart jenen Schrein
zu öffnen, um vielleicht aus den darin enthaltenen Beweis-
stücken auf's deutlichste zu erkennen, wie jene dunkle zaghafte
Hoffnung, Magdalene möge eben sein verlorenes Leuchen sein,
eine völlig irrige sei. Als Herr Laufner allein war in

!

SO

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Von Michaelis bis Silvester"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Findelkind
Kaufmann <Motiv>
Kinderkleidung
Lesen <Motiv>
Truhe
Brief <Motiv>
Karikatur
Tochter
Vermutung
Rathaus <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 43.1865, Nr. 1062, S. 153
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