Ein vergilbtes Blatt.
(Fortsetzung.)
Drittes Cripitcl.
Die Familie Werner.
Vom Hause des Prinzipals wandte sich Silberg zu einer
der belebtesten Straßen, sah dort einen Augenblick dem harm-
losen Spiele einiger Jungen zu, welche Bahn rutschten, und
bog dann in eine Straße ein, welche dem Wege zum Güter-
schoppen grade entgegengesetzt lag. Nachdem er noch verschie-
! dene kleinere Straßen durchschritten, zog er an einem Hause
von einfachem Aussehen stillstehend, die Klingel.
Ein junges Mädchen öfsnete und empfing ihn mit einem
freundlichen: „Guten Morgen Herr Silberg, das ist schön
j von Ihnen, daß Sie auch einmal an uns denken."
„Guten Morgen, Fräulein Werner," entgegnete Silberg,
' „ich muß einmal hören, wie es Ihnen und Ihrer Frau
I Mutter geht."
„Treten Sic näher," sagte das junge Mädchen in herz-
! lichem Tone, indem sie eine Zimmerthür aufmachte, „Mama
ist drinnen."
Es war ein schlicht möblirteö Zimmer, in das Silberg
jetzt eintrat, aber es machte auf den Beschauer einen unendlich
wohlthuenden Eindruck. Alles glänzte in der größten Rein-
lichkeit, und die Ordnung der verschiedenen Möbel, so alles
dessen, waö das Zimmer zierte, zeigte, daß weibliche Hände
hier walteten.
Eine ältliche Frau saß, mit einer Handarbeit beschäftigt,
allein im Zimmer. Man sah sofort, daß sie die Mutter des
j jungen Mädchens war, welche Silberg die Thür geöffnet. Das
war dasselbe feine Profil, nur zeigte das Antlitz der Mutter
manchen Zug, der von der Sorge oder dem Gram früherer
Tage sprach, während das der Tochter im vollsten Glanze
der Jugend und Unschuld strahlte.
Der Volontair trat achtungsvoll näher. Das Ueber- l
müthige und Frivole, das er seinem Prinzipale gegenüber zur
Schau trug, war ganz aus seinem Gesichte verschwunden und
hatte einem Zuge von Herzlichkeit und Achtung Platz gemacht.
Er nahm dankend den dargebotcneu Stuhl und erkundigte sich
zuerst theilnehmend nach dein Befinden der Mutter.
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(Fortsetzung.)
Drittes Cripitcl.
Die Familie Werner.
Vom Hause des Prinzipals wandte sich Silberg zu einer
der belebtesten Straßen, sah dort einen Augenblick dem harm-
losen Spiele einiger Jungen zu, welche Bahn rutschten, und
bog dann in eine Straße ein, welche dem Wege zum Güter-
schoppen grade entgegengesetzt lag. Nachdem er noch verschie-
! dene kleinere Straßen durchschritten, zog er an einem Hause
von einfachem Aussehen stillstehend, die Klingel.
Ein junges Mädchen öfsnete und empfing ihn mit einem
freundlichen: „Guten Morgen Herr Silberg, das ist schön
j von Ihnen, daß Sie auch einmal an uns denken."
„Guten Morgen, Fräulein Werner," entgegnete Silberg,
' „ich muß einmal hören, wie es Ihnen und Ihrer Frau
I Mutter geht."
„Treten Sic näher," sagte das junge Mädchen in herz-
! lichem Tone, indem sie eine Zimmerthür aufmachte, „Mama
ist drinnen."
Es war ein schlicht möblirteö Zimmer, in das Silberg
jetzt eintrat, aber es machte auf den Beschauer einen unendlich
wohlthuenden Eindruck. Alles glänzte in der größten Rein-
lichkeit, und die Ordnung der verschiedenen Möbel, so alles
dessen, waö das Zimmer zierte, zeigte, daß weibliche Hände
hier walteten.
Eine ältliche Frau saß, mit einer Handarbeit beschäftigt,
allein im Zimmer. Man sah sofort, daß sie die Mutter des
j jungen Mädchens war, welche Silberg die Thür geöffnet. Das
war dasselbe feine Profil, nur zeigte das Antlitz der Mutter
manchen Zug, der von der Sorge oder dem Gram früherer
Tage sprach, während das der Tochter im vollsten Glanze
der Jugend und Unschuld strahlte.
Der Volontair trat achtungsvoll näher. Das Ueber- l
müthige und Frivole, das er seinem Prinzipale gegenüber zur
Schau trug, war ganz aus seinem Gesichte verschwunden und
hatte einem Zuge von Herzlichkeit und Achtung Platz gemacht.
Er nahm dankend den dargebotcneu Stuhl und erkundigte sich
zuerst theilnehmend nach dein Befinden der Mutter.
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Werk/Gegenstand/Objekt
Pool: UB Fliegende Blätter
Titel
Titel/Objekt
"Ein vergilbtes Blatt"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Inschrift/Wasserzeichen
Aufbewahrung/Standort
Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES
Objektbeschreibung
Maß-/Formatangaben
Auflage/Druckzustand
Werktitel/Werkverzeichnis
Herstellung/Entstehung
Entstehungsort (GND)
Auftrag
Publikation
Fund/Ausgrabung
Provenienz
Restaurierung
Sammlung Eingang
Ausstellung
Bearbeitung/Umgestaltung
Thema/Bildinhalt
Thema/Bildinhalt (GND)
Literaturangabe
Rechte am Objekt
Aufnahmen/Reproduktionen
Künstler/Urheber (GND)
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 46.1867, Nr. 1123, S. 17
Beziehungen
Erschließung
Lizenz
CC0 1.0 Public Domain Dedication
Rechteinhaber
Universitätsbibliothek Heidelberg



