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5 Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst- Erscheinen wöchentlich ein Mal. SnbscriptionS- yr y.
' Handlungen, sowie von allen Postämtern und 112». preis für den Band von 26 Nummern 3fl. 54'kr.^
Zeitungsexpeditionen angenommen. * ob. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9kr. od. 2'/, Sgr.
Ein vergilbtes Blatt.
(Schluß.)
Silberg, auf's Tiefste durch diese Worte berührt, denen
er genug Bedeutung unterlegen konnte, verließ eiligst den
Schrank, so eiligst, daß er mit dem Kopf stark an die obere
Bekleidung des Pultes stieß. Er achtete jedoch des Schmerzes
nicht und lief immer und immer die Worte des Prinzipals
erwägend, im Comptoir auf und ab.
„Was mag nur der Grund sein, daß er Werner so
haßt?" fragte er sich und wußte sich keine befriedigende Ant-
wort zu geben. „Ich bin überzeugt, daß der Haß mit
früheren Verhältnissen zusammenhängt, aber da Licht zu
haben! O, wer schafft mir Licht!"
. Er stützte sich auf das Pult und versank in Grübeleien.
Zufällig blickte er hinunter auf den Boden und sah dort ein
Blatt Papier liegen.
Da er glaubte, als er sich eben gebückt hatte, cs ver-
loren zu haben, so nahm er es auf um es in seine Rock-
tasche zu stecken.
Mechanisch blickte er zuerst hinein und schrak zusammen,
während er vor innerer Erregung blaß wie ein Todter wurde.
Er sah nochmals hinein, und wieder, immer wieder
starrte er das kleine vergilbte Blatt an.
„Gott im Himmel," rief er dann und athmete aus
tief innerster Seele, „sollte eö möglich sein? Ja, eö ist
so!" und nicht vermögend seine Freude zu unterdrücken
jauchzte er: „Ich wußte es, ich ahnte cs, daß cs Licht
werden müsse! Ja Licht, Heller Tag! jetzt, jetzt hat alle
Roth ein Ende."
Er sprang wie wahnsinnig im Zimmer herum, daS
kleine Blatt schwenkend, er tanzte, er schrie, als ob er daS
Haus zusammen rufen wolle.
Zum Glück schien ihn Keiner zu hören, und endlich be-
ruhigte er sich.
„Aber wie ist es möglich, daß ich dies Papier finden
konnte?" fragte er sich, „ohne Zauberei kann ich mir die
Sache nicht erklären."
Er untersuchte das Pult, blickte unter dasselbe und nun
fand er den Zusammenhang.
Die vordere Bekleidung des Pultes endete nämlich nicht !
mit dem Boden desselben, sondern ging noch etwa 11/2 Zoll
darüber hinaus. Sie schloß zugleich nicht fest an demselben,
vielmehr blieb eine kleine Ritze, in welcher noch einige Papiere
steckten. In derselben hatte auch daö verhängnißvolle Blatt
gesteckt; der Stoß mit dem Kopfe hatte dieselbe wahrschein-
lich etwas gelockert und so war das Blatt auf den Boden j
gefallen.
Der Volontär hörte Schritte und begab sich geräuschlos
au seine Arbeit zurück
Es war der Chef, welcher eintrat.
Er warf einen mißtrauischen Blick auf Silberg. „Wo
waren Sie eben," fragte er, „ich kam in's Comptoir und
fand keinen Menschen darin."
„So," erwiderte Silberg gleichgültig, „ich war beim !
Hausknecht draußen, ich hatte Ihnen ja nicht versprochen, im
Comptoir zu bleiben."
In diesem Augenblicke kehrte Werner eiligst zurück.
„Ich ahnte es, Herr Rührmann," rief er, „daß das
Geld nicht richtig gezählt war. Als Wollenberger & Comp,
nachzählten, fand sich, daß Sie mir zehn Thaler zu wenig
mitgegeben."
„So, so," sagte Herr Rührmauu mit eisigem Ton, „ich
weiß aber auch bestimmt, daß ich mich nicht verzählt habe,"
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5 Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst- Erscheinen wöchentlich ein Mal. SnbscriptionS- yr y.
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Ein vergilbtes Blatt.
(Schluß.)
Silberg, auf's Tiefste durch diese Worte berührt, denen
er genug Bedeutung unterlegen konnte, verließ eiligst den
Schrank, so eiligst, daß er mit dem Kopf stark an die obere
Bekleidung des Pultes stieß. Er achtete jedoch des Schmerzes
nicht und lief immer und immer die Worte des Prinzipals
erwägend, im Comptoir auf und ab.
„Was mag nur der Grund sein, daß er Werner so
haßt?" fragte er sich und wußte sich keine befriedigende Ant-
wort zu geben. „Ich bin überzeugt, daß der Haß mit
früheren Verhältnissen zusammenhängt, aber da Licht zu
haben! O, wer schafft mir Licht!"
. Er stützte sich auf das Pult und versank in Grübeleien.
Zufällig blickte er hinunter auf den Boden und sah dort ein
Blatt Papier liegen.
Da er glaubte, als er sich eben gebückt hatte, cs ver-
loren zu haben, so nahm er es auf um es in seine Rock-
tasche zu stecken.
Mechanisch blickte er zuerst hinein und schrak zusammen,
während er vor innerer Erregung blaß wie ein Todter wurde.
Er sah nochmals hinein, und wieder, immer wieder
starrte er das kleine vergilbte Blatt an.
„Gott im Himmel," rief er dann und athmete aus
tief innerster Seele, „sollte eö möglich sein? Ja, eö ist
so!" und nicht vermögend seine Freude zu unterdrücken
jauchzte er: „Ich wußte es, ich ahnte cs, daß cs Licht
werden müsse! Ja Licht, Heller Tag! jetzt, jetzt hat alle
Roth ein Ende."
Er sprang wie wahnsinnig im Zimmer herum, daS
kleine Blatt schwenkend, er tanzte, er schrie, als ob er daS
Haus zusammen rufen wolle.
Zum Glück schien ihn Keiner zu hören, und endlich be-
ruhigte er sich.
„Aber wie ist es möglich, daß ich dies Papier finden
konnte?" fragte er sich, „ohne Zauberei kann ich mir die
Sache nicht erklären."
Er untersuchte das Pult, blickte unter dasselbe und nun
fand er den Zusammenhang.
Die vordere Bekleidung des Pultes endete nämlich nicht !
mit dem Boden desselben, sondern ging noch etwa 11/2 Zoll
darüber hinaus. Sie schloß zugleich nicht fest an demselben,
vielmehr blieb eine kleine Ritze, in welcher noch einige Papiere
steckten. In derselben hatte auch daö verhängnißvolle Blatt
gesteckt; der Stoß mit dem Kopfe hatte dieselbe wahrschein-
lich etwas gelockert und so war das Blatt auf den Boden j
gefallen.
Der Volontär hörte Schritte und begab sich geräuschlos
au seine Arbeit zurück
Es war der Chef, welcher eintrat.
Er warf einen mißtrauischen Blick auf Silberg. „Wo
waren Sie eben," fragte er, „ich kam in's Comptoir und
fand keinen Menschen darin."
„So," erwiderte Silberg gleichgültig, „ich war beim !
Hausknecht draußen, ich hatte Ihnen ja nicht versprochen, im
Comptoir zu bleiben."
In diesem Augenblicke kehrte Werner eiligst zurück.
„Ich ahnte es, Herr Rührmann," rief er, „daß das
Geld nicht richtig gezählt war. Als Wollenberger & Comp,
nachzählten, fand sich, daß Sie mir zehn Thaler zu wenig
mitgegeben."
„So, so," sagte Herr Rührmauu mit eisigem Ton, „ich
weiß aber auch bestimmt, daß ich mich nicht verzählt habe,"
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