6. , c "!IflC11 werden in allen Blich- und Kunst- Erscheinen wöchentlich ein Mal. Subscriptionö-Vs ,,,
a il e n - sowie von allen Postämtern und H preis für den Baud von 26 Nnmincrn 3 fl. 54 kr. ^
'-——1 ti du e» angenommen. ^ vd. 2 Nthlr. 5 Sgr. Einzelne Nnmmern 9 kr. od. 2'/, Sgr.
Krischon Wchnckc's Erlcbniffe im nördlichen Eismeer.
Bon Dr. Th. Pinning.
„Mein Junge," — sagte der alte Krischan Wchncke, als
ihm eines Abends in der Weinstube bei Jean Louis auf dem
alten Steinwcg vorgeworfen wurde, er habe sich, wie man
zu sagen pflege, auserzählt, — „mein Junge, ich habe noch
Garn genug abzuspinnen; das nimmt bei mir so leicht kein
Ende, aber man ist nur nicht immer aufgelegt. Da seht ihr
zum Beispiel an der Wand dort ein Bild der schmucken
Brigg, welches ich unserm Jean vor mehreren Jahren zum
Präsent machte."
Der Wirth unterbrach ihn hier mit der Bemerkung, daß
er wieder einmal von dem rechten Cours abwiche; versprochen
hätte er allerdings genug, aber nie Wort gehalten; das Bild
habe er dagegen von dem Capitän Panlsen erhalten.
„Meinswegens auch von dem Capitän Panlsen," ver-
setzte Krischan Wchncke mit unerschütterlicher Ruhe; „aber
dennoch war es ein Geschenk von mir; entweder ist Dein
Gcdächtniß sehr schwach geworden, Jean, oder auch Capitän
Panlsen hat cö vergessen, Dir zu sagen, daß das Bild von
nur komme, und daß er nur der Ueberbringcr sei; übrigens
mir ist es egal, ich verlange keinen Dank; Undank ist ja
; einmal der Welt Lohn."
„Das Bild erinnert mich jedoch an eine Geschichte, die
ich nie und nimmer vergessen werde. Ich habe sie seit vielen
Jahren nicht erzählt, weil sie mich stets zu sehr angrisf, und
weil sie mich jedesmal einen neuen Ucbcrzichcr kostete; denn
wenn ich mich in die schreckliche Lage zurück versetzte, in welcher
ich mich damals befand, überlief es mich stets so heiß, daß
mir Guttapercharock und Stiefel im wahren Sinne des Wor-
tes vom Leibe schmolzen. Jetzt hat sich mein Blut etwas , , , , . -..
abgekühlt; ich bin zwanzig Jahr älter geworden und habe ja, wenn wir den bewegen könnten, mitznfahren, dann wurde
ganz andere Gefahren überstanden; nun wird eS schon gehen; das Schiff bald seine Ladung haben."
aber ans Vorsicht will ich meinswegens doch lieber den Gutta-
percha ausziehen.
Also das Schiff, welches Ihr dort abgebildct seht, war
vor dreißig Jahren eine feine Brigg von reichlich 450 Tonnen.
Sie gehörte dem reichen Jsmeicr und war nach Grönland
auf den Wallfischfang bestimmt. Zn der Zeit machten die
Grönlandsfahrer noch gute Geschäfte; jetzt ist cs nichts mehr
mit dem Fang.
Damals war die Sache anders. Ein Matrose, welcher
eine Fahrt nach Grönland gemacht hatte, stand in großem
Ansehen, und die jungen Leute schlugen sich fast um eine
Heuer nach dem Norden. Damals hatten Rheder und Capitän
noch die Wahl und brauchten nicht jeden Stümper, der einige
Mal in's Takelwerk geklettert war und ein Tau nothdürstig
zusammenspleißen konnte, an Bord zu nehmen; cs waren stets
ausgesuchte Leute.
An Mannschaft für die schmucke Brigg fehlte cö natür-
lich auch nicht; cs hatten sich wohl an die hundert Matrosen
gemeldet, lauter tüchtige Jungen. Capitän Panlsen, welcher
das Commando bekommen hatte, suchte sich die besten ans,
und der Rheder, welcher bei der Anmusterung zugegen war,
rieb sich schmunzelnd die dicken Hände und gratulirte dem
Capitän zu der schmucken Mannschaft."
„Ja, wenn wir nach dem Süden gingen," erwiderte
Panlsen, — „hätten Sie wohl Recht, Herr Jsnicicr, aber
im Norden gebraucht man andere Waarc. Ich hoffte den
Krischan Wchncke hier zu finden; cs ist der tüchtigste Matrose,
der von Hamburg fährt; außerdem hat er schon dreimal daS
Eismeer gesehen; der kennt dort alle Ecken und Winkel —
a il e n - sowie von allen Postämtern und H preis für den Baud von 26 Nnmincrn 3 fl. 54 kr. ^
'-——1 ti du e» angenommen. ^ vd. 2 Nthlr. 5 Sgr. Einzelne Nnmmern 9 kr. od. 2'/, Sgr.
Krischon Wchnckc's Erlcbniffe im nördlichen Eismeer.
Bon Dr. Th. Pinning.
„Mein Junge," — sagte der alte Krischan Wchncke, als
ihm eines Abends in der Weinstube bei Jean Louis auf dem
alten Steinwcg vorgeworfen wurde, er habe sich, wie man
zu sagen pflege, auserzählt, — „mein Junge, ich habe noch
Garn genug abzuspinnen; das nimmt bei mir so leicht kein
Ende, aber man ist nur nicht immer aufgelegt. Da seht ihr
zum Beispiel an der Wand dort ein Bild der schmucken
Brigg, welches ich unserm Jean vor mehreren Jahren zum
Präsent machte."
Der Wirth unterbrach ihn hier mit der Bemerkung, daß
er wieder einmal von dem rechten Cours abwiche; versprochen
hätte er allerdings genug, aber nie Wort gehalten; das Bild
habe er dagegen von dem Capitän Panlsen erhalten.
„Meinswegens auch von dem Capitän Panlsen," ver-
setzte Krischan Wchncke mit unerschütterlicher Ruhe; „aber
dennoch war es ein Geschenk von mir; entweder ist Dein
Gcdächtniß sehr schwach geworden, Jean, oder auch Capitän
Panlsen hat cö vergessen, Dir zu sagen, daß das Bild von
nur komme, und daß er nur der Ueberbringcr sei; übrigens
mir ist es egal, ich verlange keinen Dank; Undank ist ja
; einmal der Welt Lohn."
„Das Bild erinnert mich jedoch an eine Geschichte, die
ich nie und nimmer vergessen werde. Ich habe sie seit vielen
Jahren nicht erzählt, weil sie mich stets zu sehr angrisf, und
weil sie mich jedesmal einen neuen Ucbcrzichcr kostete; denn
wenn ich mich in die schreckliche Lage zurück versetzte, in welcher
ich mich damals befand, überlief es mich stets so heiß, daß
mir Guttapercharock und Stiefel im wahren Sinne des Wor-
tes vom Leibe schmolzen. Jetzt hat sich mein Blut etwas , , , , . -..
abgekühlt; ich bin zwanzig Jahr älter geworden und habe ja, wenn wir den bewegen könnten, mitznfahren, dann wurde
ganz andere Gefahren überstanden; nun wird eS schon gehen; das Schiff bald seine Ladung haben."
aber ans Vorsicht will ich meinswegens doch lieber den Gutta-
percha ausziehen.
Also das Schiff, welches Ihr dort abgebildct seht, war
vor dreißig Jahren eine feine Brigg von reichlich 450 Tonnen.
Sie gehörte dem reichen Jsmeicr und war nach Grönland
auf den Wallfischfang bestimmt. Zn der Zeit machten die
Grönlandsfahrer noch gute Geschäfte; jetzt ist cs nichts mehr
mit dem Fang.
Damals war die Sache anders. Ein Matrose, welcher
eine Fahrt nach Grönland gemacht hatte, stand in großem
Ansehen, und die jungen Leute schlugen sich fast um eine
Heuer nach dem Norden. Damals hatten Rheder und Capitän
noch die Wahl und brauchten nicht jeden Stümper, der einige
Mal in's Takelwerk geklettert war und ein Tau nothdürstig
zusammenspleißen konnte, an Bord zu nehmen; cs waren stets
ausgesuchte Leute.
An Mannschaft für die schmucke Brigg fehlte cö natür-
lich auch nicht; cs hatten sich wohl an die hundert Matrosen
gemeldet, lauter tüchtige Jungen. Capitän Panlsen, welcher
das Commando bekommen hatte, suchte sich die besten ans,
und der Rheder, welcher bei der Anmusterung zugegen war,
rieb sich schmunzelnd die dicken Hände und gratulirte dem
Capitän zu der schmucken Mannschaft."
„Ja, wenn wir nach dem Süden gingen," erwiderte
Panlsen, — „hätten Sie wohl Recht, Herr Jsnicicr, aber
im Norden gebraucht man andere Waarc. Ich hoffte den
Krischan Wchncke hier zu finden; cs ist der tüchtigste Matrose,
der von Hamburg fährt; außerdem hat er schon dreimal daS
Eismeer gesehen; der kennt dort alle Ecken und Winkel —



