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" Handlungen, sowie von allen Postämtern und 'JK’E?! preis für den Band von 26 Nummern 3fl. 54kr. ‘ ” '

Zeitungs expeditionen angenommen. vd. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9 kr. od. 2'/, Sgr.

Krischan Wehncke's Erlebnisse im nördlichen Eismeer.

(Fortsetzung.)

Kaum war ich so auskostümirt, da hörte ich in der
Ferne ein gewaltiges Brummen. Nun denkt Euch meinen
Schrecken, als ich einen zweiten Bären herankommen sah.
Zum Ausziehen des Felles war keine Zeit mehr, ich mußte,
wie ich war, nach der Kanzel zurück. O, diese Angst ver-
gesse ich in meinem Leben nicht!

Trotz meiner Anstrengung kam ich nur wenig vorwärts,
das Fell war mir überall hinderlich; da versuchte ich es end-
lich, mich auf allen Vieren forzubewegen, und Dank meiner
Muskelkraft, es gelang mir auf diese Weise mich rasch fort-
zuschnellen. Bald war ich oben auf dem Rand des Eis-
berges und plumpte in die Höhlung hinein. Jetzt hielt ich
mich meinswegens für gerettet, denn ich glaubte das Unthier
würde entweder bei dem abgehäuteten Cadaver des erschossenen
Bären oder doch wenigstens bei der Flaggenstange einige
Augenblicke verweilen.

Und das geschah auch. Aber denkt Euch mein Ent-
setzen!. Als ich jetzt meine Büchse laden wollte, da bemerkte
ich, daß ich mein Pulverhorn bei der Flaggenstange gelassen
hatte. Zur Vertheidigung blieb mir jetzt nichts, als das
kleine Handbeil, welches ich mitgenommen hatte, und daß
mir dieses nicht viel nützen würde, wußte ich; nur ein Wun-
der konnte mich retten, — und das Wunder geschah.

Der Bär klimmte jetzt zu der Kanzel empor, und da
bemerkte ich erst, daß es eine Bärin war. Ich erwartete sic
in aufrechter Stellung, auch in diesem gefahrvollen Augen-
blicke meine Würde als Mensch nicht vergessend. Daö Beil
hatte ich zum Schlage cmporgehoben, um mein Leben so
theuer wie möglich zu verkaufen. Zu meinem Erstaunen
zeigte die Bärin gar keine Feindseligkeit; sic war, durch das
Fell getäuscht, in dem für mich glücklichen Jrrthum befangen, I

daß ich ihr Gatte sei. — Sic mußte von ihrem Alten gut .
geschult worden sein, denn sie warf sich zuerst zum Zeichen ;
der Demuth und Unterwerfung auf den Rücken und brummte !
einige zärtliche Worte in ihrer Sprache, welche ich natürlich
nicht, verstehen konnte. Vorsichtshalber behielt ich aber meine j
drohende Stellung bei, und nun bemerkte sie, daß die Haut
vorn aufgespalten war. In ihrer Dummheit, dicö für eine -
große Wunde haltend, fing sie an die Ränder der Haut zu
lecken. Ich duldete es, — eö war mir natürlich angenehmer
geleckt als gebissen zu werden, und erst wie sie bei der Kehle
war, drehte ich mich um, was auch der Muthigste gethan
haben würde, denn es ist eine höchst kitzliche Sache ein so
furchtbares Gebiß dicht vor der Kehle zu haben. Als ich
aber mein Schnupftuch aus der Rocktasche ziehen wollte, um
nicht auch einem Wällrossc ähnlich zu werden, bemerkte ich
zu meinem Schrecken, daß die Haut in Folge deS Leckens
zugeheilt war.

Im ersten Augenblick war ich so wüthend, daß ich der
zärtlichen Bärin, welche mich meinswegens gerade mit einer
Umarmung beglücken wollte, eine solche Ohrfeige gab, daß sic
brummend zu meinen Füßen niederfiel.

Kaum hatte ich dieser Aufwallung meines Zornes nach-
gegeben, da — ich bitte Euch, setzt Euch fest auf den
Stuhl! — da stürzte mit donnerartigem Gekrach der an
dem Eiszapfen hängende obere Thcil des Eiskegels hernieder,
(bei diesen Worten ließ Wehnckc sich des Effects wegen vom
Stuhl fallen) — und natürlich fiel er senkrecht auf seine
größere Hälfte, in deren Höhlung wir uns befanden. So
war denn der Zuckerhut meinswegens wieder hergcstcllt, und
ich war mit der Bärin eingemacht, vollkommmen eingemacht
in Eis.

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