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preis für den Band von 26 Nnmmern 3 fl. 54kr. ' ** '
ob. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9 kr. od. 2'/r Sgr.
Ap Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst- .^.
‘ Handlungen sowie von allen Postämtern und M 'fl preis für den Band von 26Nnmmern 3fl. Ü4kr.
Zeitungsexpeditionen angenommen.__^_-*■ " """" c
Mein freier Tag.
(Schluß.)
„Ja, denken Sie, verschwunden! Man hat mir so viel
erzählt von dem Unwesen in großen Städten, Hunde und
Katzen aufzufangen und sie in den Garküchen als Beefsteaks
zuzubereiten. O, ach, ach, wenn ich denke — ach, ach —
daß Bella, das zarte, süße Hündchen, als Beefsteak gebraten
— ach, ach — von einem rohen Matrosen aufgespeist würde
— oder in einer Zwiebelbrühe gekocht in dem Magen irgend
eines Cannibalen verschwunden sei — ich — ach, ach —"
„Warum nicht gar, welch' kindischer Gedanke! — Liebe
Therese, ich bitte Sie, hören Sie auf zu weinen — Sie
machen mich weich!"
„Ach, Bella in einer Zwicbelbrühe gekocht — ach —
ach — "
(„Haben Sie schon eine Soubrette weinen sehen, sie
weinen sehen um ein Schooßhündchen, um eine Bella? Denn
was ist das Weinen um einen Shawl — um ein Armband
— um. eine brillante Rolle, gegen ein solches Weinen?! —
Denken Sic sich Anna Schramm, die Perle der Soubretten,
um ein verlorenes Moppcrl weinen und berechnen Sie dann
mittelst einer arithmetischen Gleichung die Wirkung solcher
Thränen — das Ergebniß wird ein kolossales sein.")
„Weinen Sie nicht, Therese, Sie machen mich unglück-
lich. Ich kann keine Dame weinen sehen. Sagen Sie mir
lieber, wie ich Ihnen helfen kann?"
„Sie müssen Bella suchen! Sie haben ja heute frei."
Ich stutzte.
„Gehen Sie sogleich zu Jungfrau van Braag, meiner
Näherin. Sie war gestern Abend hier, vielleicht ist Bella
ihr nachgelaufen. Sie wohnt Joedenhoek Regntierkerkstraat
1410. Finden Sie dort meinen Liebling nicht, so suchen
Sie den Friseur Bambergcr auf, er muß in der Nähe der
Plantage wohnen, vielleicht weiß er um die Bermißtc. Von
dort gehen Sie zum Musikdirector Fransen, vielleicht können
Sie im Theater erfahren, wo er wohnt, er hat Bella mög-
licherweise gesehen. Durchstreifen Sie alle Garküchen —
forschen Sie bei allen Köchen und Köchinnen nach — sparen
Sie kein Geld — bestechen Sie Kellner und Küchenjungen
— rcquiriren Sie nötigenfalls die Polizei, nur schaffen Sie
mir Bella, todt oder lebendig! Nein, nicht todt — ich
kann keine todten Hunde sehen! — Aber so gehen Sie
doch! Freund — Mensch — College, auf was warten Sic
denn noch?"
„Ich meine eben — das Unwetter —*
„Ja, Sie haben Recht, es ist entsetzlich — und > in
diesem Regen und Sturm irrt Bella vielleicht auf der Straße
herum! So gehen Sie doch — ach meine Nerven — gehen
Sie — gehen Sie!"
Damit schob sie mich zur Thüre hinaus.
Ich möchte das dumme Gesicht gesehen haben, daö ich
machte, als ich draußen stand. Das also war das große
Unglück! Also darum Räuber und Mörder! Darum vom
Regen durchweicht und mit Schmutz bespritzt von oben bis
unten, um einen Hund zu suchen, in der kothigen Joedenhoek
herumzustreichen — und das Alles an meinem freien Tag!
Es ist schauderhaft — es ist sogar schauderröse!
Wenn es nur wenigstens aufgchört hätte zu regnen!
Aber cs goß wie mit Kübeln!
Ich drückte den Hut tiefer in mein überspanntes Haupt
(schirmüberspannt, notabene), zog den Rockkragen bis unter
die Ohren, krempte meine Hosen auf, wie ein Berliner Roll-
knecht (aber nicht von Mödinger) und trat meine Wande-
rung an.
1«
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erzählt von dem Unwesen in großen Städten, Hunde und
Katzen aufzufangen und sie in den Garküchen als Beefsteaks
zuzubereiten. O, ach, ach, wenn ich denke — ach, ach —
daß Bella, das zarte, süße Hündchen, als Beefsteak gebraten
— ach, ach — von einem rohen Matrosen aufgespeist würde
— oder in einer Zwiebelbrühe gekocht in dem Magen irgend
eines Cannibalen verschwunden sei — ich — ach, ach —"
„Warum nicht gar, welch' kindischer Gedanke! — Liebe
Therese, ich bitte Sie, hören Sie auf zu weinen — Sie
machen mich weich!"
„Ach, Bella in einer Zwicbelbrühe gekocht — ach —
ach — "
(„Haben Sie schon eine Soubrette weinen sehen, sie
weinen sehen um ein Schooßhündchen, um eine Bella? Denn
was ist das Weinen um einen Shawl — um ein Armband
— um. eine brillante Rolle, gegen ein solches Weinen?! —
Denken Sic sich Anna Schramm, die Perle der Soubretten,
um ein verlorenes Moppcrl weinen und berechnen Sie dann
mittelst einer arithmetischen Gleichung die Wirkung solcher
Thränen — das Ergebniß wird ein kolossales sein.")
„Weinen Sie nicht, Therese, Sie machen mich unglück-
lich. Ich kann keine Dame weinen sehen. Sagen Sie mir
lieber, wie ich Ihnen helfen kann?"
„Sie müssen Bella suchen! Sie haben ja heute frei."
Ich stutzte.
„Gehen Sie sogleich zu Jungfrau van Braag, meiner
Näherin. Sie war gestern Abend hier, vielleicht ist Bella
ihr nachgelaufen. Sie wohnt Joedenhoek Regntierkerkstraat
1410. Finden Sie dort meinen Liebling nicht, so suchen
Sie den Friseur Bambergcr auf, er muß in der Nähe der
Plantage wohnen, vielleicht weiß er um die Bermißtc. Von
dort gehen Sie zum Musikdirector Fransen, vielleicht können
Sie im Theater erfahren, wo er wohnt, er hat Bella mög-
licherweise gesehen. Durchstreifen Sie alle Garküchen —
forschen Sie bei allen Köchen und Köchinnen nach — sparen
Sie kein Geld — bestechen Sie Kellner und Küchenjungen
— rcquiriren Sie nötigenfalls die Polizei, nur schaffen Sie
mir Bella, todt oder lebendig! Nein, nicht todt — ich
kann keine todten Hunde sehen! — Aber so gehen Sie
doch! Freund — Mensch — College, auf was warten Sic
denn noch?"
„Ich meine eben — das Unwetter —*
„Ja, Sie haben Recht, es ist entsetzlich — und > in
diesem Regen und Sturm irrt Bella vielleicht auf der Straße
herum! So gehen Sie doch — ach meine Nerven — gehen
Sie — gehen Sie!"
Damit schob sie mich zur Thüre hinaus.
Ich möchte das dumme Gesicht gesehen haben, daö ich
machte, als ich draußen stand. Das also war das große
Unglück! Also darum Räuber und Mörder! Darum vom
Regen durchweicht und mit Schmutz bespritzt von oben bis
unten, um einen Hund zu suchen, in der kothigen Joedenhoek
herumzustreichen — und das Alles an meinem freien Tag!
Es ist schauderhaft — es ist sogar schauderröse!
Wenn es nur wenigstens aufgchört hätte zu regnen!
Aber cs goß wie mit Kübeln!
Ich drückte den Hut tiefer in mein überspanntes Haupt
(schirmüberspannt, notabene), zog den Rockkragen bis unter
die Ohren, krempte meine Hosen auf, wie ein Berliner Roll-
knecht (aber nicht von Mödinger) und trat meine Wande-
rung an.
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