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Handlungen, sowie von allen Postämtern und ”W"E£! 'fl preis für den Band von 26 Nummern 3 fl. 54 kr. 1 ' 5vU '
Zeitungöexpeditioneu angenommen._ ob. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9 kr. od. 2'/, Sgr.
Greifs Wälder Universitäts g efchichten.
I.
Als es im Colleg noch gemüthlich war.
Es lebt noch Mancher, der beim seligen Prof. Overweg
in Greifswald Aesthetik gehört hat, und hat er dies Colleg
geschwänzt, so ist das sein Schaden, denn der Professor las
gratis und gemüthlich war er dazu, darum liebte er auch
seinen gemüthlichen vorpommerischen Dialekt. Herr Pyl war
auch gemüthlich und war des Professors fleißigster Zuhörer,
und das war gut, denn in dem Semester hatten sich nur
drei Hörer gemeldet, und die beiden andern waren nicht so
fleißig. Als nun der gute Prof. Overweg einst die Stunde
eröffnet hatte mit den gewohnten Worten: „Luckitorss orna-
tissimi! Meine hochzuverehrenden Herren! Min leeve Frün-
nings!" — da stockte er und unterbrach sich selbst: „Wat
Schlag! Herr Pyl is jo nonnich dor! He is doch mch wo
krank? — Nee? — Na, denn kümmt he woll noch: ich
denk', wi töwcn noch'n beeten. Wat givt's denn nieys?"
— Da gab's eine kleine gemüthliche Unterhaltung, aber
Herr Pyl kam immer noch nicht, und Prof. Overweg begann
wieder: „Lmäitoros ornatissimi! Meine hochzuverehrenden
Herren! Min leeve Frünnings! Wir haben in der vorigen
Stunde — I nee! he mag jo doch wol noch kcmen! Wat
meeneu S'? ick denk', wi töwen noch'n beeten!" Die beiden
versammelten Zuhörer hatten nichts dagegen, aber mit schwe-
rem Herzen mußte der gute Professor ohne Herrn Pyl zum
dritten Mal beginnen: „Luäitoros ornatissimi! Meine hoch-
zuverchrenden Herren! Min leeve Frünnings! Wir haben in
der letzten Stunde — Na, hew ick't nich seggt? do is he
ja! Setten S' sich man dal, Herr Pyling, wi hewwen man
eben anfungen. — Nu aber uck: Lmäitores ornatissimi!
Meine hochzuverehrenden Herren ! Min leeve Frünnings ! Wir
haben in der vorigen Stunde" — und jetzt ging'S ohne
Unterbrechung zu Ende, aber: war's nicht gemüthlich?
II.
Der Herr Minister.
Jetzt gibt's zwei Pedelle in Greiföwald und zwei Gehülsen
dazu, vordem aber ruhte all diese Last allein auf Cobrow's
Schultern, und nur beim Rektoratswechsel und sonstigen
hochfeicrlichen Gelegenheiten wurde ein Individuum zur Aus-
hülfe angenommen, damit auch der zweite scharlachrothe
spanische Mantel einen Träger' fände und das zweite der
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Handlungen, sowie von allen Postämtern und ”W"E£! 'fl preis für den Band von 26 Nummern 3 fl. 54 kr. 1 ' 5vU '
Zeitungöexpeditioneu angenommen._ ob. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9 kr. od. 2'/, Sgr.
Greifs Wälder Universitäts g efchichten.
I.
Als es im Colleg noch gemüthlich war.
Es lebt noch Mancher, der beim seligen Prof. Overweg
in Greifswald Aesthetik gehört hat, und hat er dies Colleg
geschwänzt, so ist das sein Schaden, denn der Professor las
gratis und gemüthlich war er dazu, darum liebte er auch
seinen gemüthlichen vorpommerischen Dialekt. Herr Pyl war
auch gemüthlich und war des Professors fleißigster Zuhörer,
und das war gut, denn in dem Semester hatten sich nur
drei Hörer gemeldet, und die beiden andern waren nicht so
fleißig. Als nun der gute Prof. Overweg einst die Stunde
eröffnet hatte mit den gewohnten Worten: „Luckitorss orna-
tissimi! Meine hochzuverehrenden Herren! Min leeve Frün-
nings!" — da stockte er und unterbrach sich selbst: „Wat
Schlag! Herr Pyl is jo nonnich dor! He is doch mch wo
krank? — Nee? — Na, denn kümmt he woll noch: ich
denk', wi töwcn noch'n beeten. Wat givt's denn nieys?"
— Da gab's eine kleine gemüthliche Unterhaltung, aber
Herr Pyl kam immer noch nicht, und Prof. Overweg begann
wieder: „Lmäitoros ornatissimi! Meine hochzuverehrenden
Herren! Min leeve Frünnings! Wir haben in der vorigen
Stunde — I nee! he mag jo doch wol noch kcmen! Wat
meeneu S'? ick denk', wi töwen noch'n beeten!" Die beiden
versammelten Zuhörer hatten nichts dagegen, aber mit schwe-
rem Herzen mußte der gute Professor ohne Herrn Pyl zum
dritten Mal beginnen: „Luäitoros ornatissimi! Meine hoch-
zuverchrenden Herren! Min leeve Frünnings! Wir haben in
der letzten Stunde — Na, hew ick't nich seggt? do is he
ja! Setten S' sich man dal, Herr Pyling, wi hewwen man
eben anfungen. — Nu aber uck: Lmäitores ornatissimi!
Meine hochzuverehrenden Herren ! Min leeve Frünnings ! Wir
haben in der vorigen Stunde" — und jetzt ging'S ohne
Unterbrechung zu Ende, aber: war's nicht gemüthlich?
II.
Der Herr Minister.
Jetzt gibt's zwei Pedelle in Greiföwald und zwei Gehülsen
dazu, vordem aber ruhte all diese Last allein auf Cobrow's
Schultern, und nur beim Rektoratswechsel und sonstigen
hochfeicrlichen Gelegenheiten wurde ein Individuum zur Aus-
hülfe angenommen, damit auch der zweite scharlachrothe
spanische Mantel einen Träger' fände und das zweite der
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Werk/Gegenstand/Objekt
Pool: UB Fliegende Blätter
Titel
Titel/Objekt
"Greifswalder Universitätsgeschichten"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Inschrift/Wasserzeichen
Aufbewahrung/Standort
Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES
Objektbeschreibung
Objektbeschreibung
"Karzer"
Maß-/Formatangaben
Auflage/Druckzustand
Werktitel/Werkverzeichnis
Herstellung/Entstehung
Entstehungsort (GND)
Auftrag
Publikation
Fund/Ausgrabung
Provenienz
Restaurierung
Sammlung Eingang
Ausstellung
Bearbeitung/Umgestaltung
Thema/Bildinhalt
Thema/Bildinhalt (GND)
Literaturangabe
Rechte am Objekt
Aufnahmen/Reproduktionen
Künstler/Urheber (GND)
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 46.1867, Nr. 1133, S. 97
Beziehungen
Erschließung
Lizenz
CC0 1.0 Public Domain Dedication
Rechteinhaber
Universitätsbibliothek Heidelberg



