Yj Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst-
handlungen, sowie von allen Postämtern und
Z eitnngs expedi ti on en angenommen.
Erscheinen wöchentlich ein Mal. Subscriptions-^., j,.
]Wr= "I • preis für den Band von 26 Nummern 3 fl. 54 kr. ' '
od. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9 kr. od. 2'/2 Sgr.
I in Walde.
(Schluß.)
„Ja, der Mörder, Kinder," erwiderte der Gefragte,
indem er die weißen Haare von den Schlafen zurückstrich,
„das war damals eine böse Geschichte mit der Untersuchung
und es ist nie was Rechtes zu Tage gekommen. Ich frei-
lich, bin in meiner Vermuthung ziemlich sicher, obwohl der
von mir ausgesprochene Verdacht zurückgewiesen und von
höherer Seite unterdrückt wurde. Die ganze Sache ward
zuletzt niedergeschlagen, da alle Bemühungen den Thäter aus-
findig zu machen, erfolglos blieben. Ich sehe, Ihr wollt
gern wissen, wen ich meine," suhr er dann fort, als er be-
merkte, wie seine Zuhörer erwartungsvoll ihn anblickten,
! „— nun ich denke, ich kann es Euch jetzt wohl sagen, die
damals Bctheiligten sind alle tobt, jedenfalls auch er, der,
wie ich fest glaube, die schändliche That beging, und am Ende
ist es ja nur Gerechtigkeit gegen die arme Marie, wenn ihr
Mörder, da er der irdischen Strafe entging, wenigstens im
Andenken der Ucbcrlcbenden den verdienteii Lohn empfängt.
Ihr werdet vielleicht von dem schwärzen Martin gehört haben,
der drüben aus dem Schloste beim Grafen als Revierjäger
! diente?"
„Ja wohl," erwiderten mehrere der Bauern, „der mit
dem Teufel ein Bündniß gemacht und ihm gegen Freikugeln
seine Seele verschrieben hatte?"
„Das ist wohl Unsinn, Kinder, eines aber ist gewiß,
er war ein schlimmer wüster Mensch, der nimmer zur Kirche,
ging, sondern stets in Schenken und Spielhäusern herumlag,
obwohl er sonst als geschickter Jäger bei seinem Herrn in
großer Gunst stand, der ihn dann auch gegen alle wider ihn
vorgebrachte Klagen in Schutz nahm. Nun, seht Ihr, von
dem wußte ich, daß er ein Auge auf die Marie geworfen
hatte und ihr auf Schritt und Tritt nachschlich, obgleich
diese ihn verabscheute und nichts von ihm wissen wollte. So
trieb er es bis zu der Zeit, wo sie sich mit unserm Förster
Robert verlobte. Seit diesem Tage war er roher und wüster
denn je und sein Haß, den er unverhohlen gegen die Beiden
an den Tag legte, hatte mich schon lange besorgt gemacht,
doch wollte ich sie noch nicht warnen, um sie nicht durch
vielleicht doch grundlose Befürchtungen zu beunruhigen. So
traf ich ihn denn auch eines Morgens von der Schlucht her-
kommend, die sich am Rande des Waldes bis nach dem
Schlosse des Grafen hinzieht. Er war in furchtbarer Auf-
regung, sah wild und verstört aus, so daß es mir aufsiel,
doch gab er mir auf meine Frage, wo er herkomme, eine
barsche Antwort und rannte weiter. Gleich darauf höre ich,
man habe die Marie an der Linde ermordet gefunden. Ich
eilte sogleich au den Ort der That, wo bereits von Seiten
des Gerichtes Untersuchungen angcstellt wurden, die aber
nichts weiter ergaben, als daß die Kugel, die die Unglück-
liche getödtct hatte, vom Rande jener Schlucht aus abgc-
schossen worden war, wie sich aus mehreren Spuren deutlich
erkennen ließ. Von dem Mörder fand sich nichts. Mir
aber ließ es keine Ruhe, mein Verdacht war zu groß und
zu fest begründet, als daß ich ihn hätte verwerfen können
und so ging ich denn am andern Tage wieder hinaus und
begann meine Nachforschung von Neuem. Und da fand ich
denn nicht weit von der Stelle, wo der Mörder, während er
sein Verbrechen beging, sich aufgehalten haben mußte, unter
dem Laube versteckt ein Pulverhorn, das ich an dem Wappen
des Grafen als dem schwarzen Martin zugehörig erkannte.
Ich eilte nun sogleich nach dem Schlosse hinüber, um meine
Entdeckung und meinen Verdacht dem Grafen mitzutheilcn,
der auch den Martin herbeirufen ließ; da dieser aber be-
1?
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I in Walde.
(Schluß.)
„Ja, der Mörder, Kinder," erwiderte der Gefragte,
indem er die weißen Haare von den Schlafen zurückstrich,
„das war damals eine böse Geschichte mit der Untersuchung
und es ist nie was Rechtes zu Tage gekommen. Ich frei-
lich, bin in meiner Vermuthung ziemlich sicher, obwohl der
von mir ausgesprochene Verdacht zurückgewiesen und von
höherer Seite unterdrückt wurde. Die ganze Sache ward
zuletzt niedergeschlagen, da alle Bemühungen den Thäter aus-
findig zu machen, erfolglos blieben. Ich sehe, Ihr wollt
gern wissen, wen ich meine," suhr er dann fort, als er be-
merkte, wie seine Zuhörer erwartungsvoll ihn anblickten,
! „— nun ich denke, ich kann es Euch jetzt wohl sagen, die
damals Bctheiligten sind alle tobt, jedenfalls auch er, der,
wie ich fest glaube, die schändliche That beging, und am Ende
ist es ja nur Gerechtigkeit gegen die arme Marie, wenn ihr
Mörder, da er der irdischen Strafe entging, wenigstens im
Andenken der Ucbcrlcbenden den verdienteii Lohn empfängt.
Ihr werdet vielleicht von dem schwärzen Martin gehört haben,
der drüben aus dem Schloste beim Grafen als Revierjäger
! diente?"
„Ja wohl," erwiderten mehrere der Bauern, „der mit
dem Teufel ein Bündniß gemacht und ihm gegen Freikugeln
seine Seele verschrieben hatte?"
„Das ist wohl Unsinn, Kinder, eines aber ist gewiß,
er war ein schlimmer wüster Mensch, der nimmer zur Kirche,
ging, sondern stets in Schenken und Spielhäusern herumlag,
obwohl er sonst als geschickter Jäger bei seinem Herrn in
großer Gunst stand, der ihn dann auch gegen alle wider ihn
vorgebrachte Klagen in Schutz nahm. Nun, seht Ihr, von
dem wußte ich, daß er ein Auge auf die Marie geworfen
hatte und ihr auf Schritt und Tritt nachschlich, obgleich
diese ihn verabscheute und nichts von ihm wissen wollte. So
trieb er es bis zu der Zeit, wo sie sich mit unserm Förster
Robert verlobte. Seit diesem Tage war er roher und wüster
denn je und sein Haß, den er unverhohlen gegen die Beiden
an den Tag legte, hatte mich schon lange besorgt gemacht,
doch wollte ich sie noch nicht warnen, um sie nicht durch
vielleicht doch grundlose Befürchtungen zu beunruhigen. So
traf ich ihn denn auch eines Morgens von der Schlucht her-
kommend, die sich am Rande des Waldes bis nach dem
Schlosse des Grafen hinzieht. Er war in furchtbarer Auf-
regung, sah wild und verstört aus, so daß es mir aufsiel,
doch gab er mir auf meine Frage, wo er herkomme, eine
barsche Antwort und rannte weiter. Gleich darauf höre ich,
man habe die Marie an der Linde ermordet gefunden. Ich
eilte sogleich au den Ort der That, wo bereits von Seiten
des Gerichtes Untersuchungen angcstellt wurden, die aber
nichts weiter ergaben, als daß die Kugel, die die Unglück-
liche getödtct hatte, vom Rande jener Schlucht aus abgc-
schossen worden war, wie sich aus mehreren Spuren deutlich
erkennen ließ. Von dem Mörder fand sich nichts. Mir
aber ließ es keine Ruhe, mein Verdacht war zu groß und
zu fest begründet, als daß ich ihn hätte verwerfen können
und so ging ich denn am andern Tage wieder hinaus und
begann meine Nachforschung von Neuem. Und da fand ich
denn nicht weit von der Stelle, wo der Mörder, während er
sein Verbrechen beging, sich aufgehalten haben mußte, unter
dem Laube versteckt ein Pulverhorn, das ich an dem Wappen
des Grafen als dem schwarzen Martin zugehörig erkannte.
Ich eilte nun sogleich nach dem Schlosse hinüber, um meine
Entdeckung und meinen Verdacht dem Grafen mitzutheilcn,
der auch den Martin herbeirufen ließ; da dieser aber be-
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