I
gj Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst-
handlungen, sowie von allen Postämtern und
Zeitungsexpeditionen angenommen.
Erscheinen wöchentlich ein Mal. Subscriptions-
IW1*0* M 'S /M preis für den Band von 26 Nummern 3 fl. 54 kr. 1 ' '
ob. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 6 kr. od. 2'/., Sgr.
Geschichten aus der Ukräne.
I. Die Räbnadel.
Es gab eine Zeit für die Ukräne - sie ist Gott sei
Dank schon lange vorüber — in der dort Menschen lebten,
welche keinen Herrn, keine Obrigkeit über sich anerkannten.
Jeder erblickte in dem Höheren oder Mächtigeren seinen Feind,
der Niedrigere aber galt ihm als Vieh, Staub, Schmust.
Alles was Gott mit freigebiger Hand Schönes und Herrliches
über die Welt ausgestreut hat, war in den Palästen jener
Leute angehäuft, die Umgebung dieser Paläste aber bildeten
verfallene, ärmliche Hütten mit beraubten, hungernden und
frierenden Bewohnern. Alles Gute, Edle und Erhabene, was
die Vorsehung in das Herz des Menschen gepflanzt hat, war
bei diesen Leuten versunken im Schlamm der Prahlerei, des !
Eigendünkels und unersättlichen Eigennutzes. Freiheit und Un- J
abhängigkeit war ihre Devise, aber Raub und Gewalt ihr !
Thun. Den kleinen Adel, ihre Mitbrüdcr/ schlugen sie mit
Peitschen, sie brannten die Dörfer nieder, marterten Tausende
aus dem Volke zu Tode und beweinten dann die Unglück-
lichen; sie bauten Klöster und Kirchen und belasteten ihr
Gewissen mit allen Todsünden; sie straften ohne Verschulden
und belohnten ohne Verdienst; ihrem Ucbermuthe war Nichts
theuer, Nichts heilig.
Und fragt man, wer waren diese Leute, so antworten wir:
das waren die polnischen Magnaten.
Von Einem aus dem Kreise dieser Herren soll hier er-
zählt werden — vom Grasen Potozki, Kronshetman re.,
der damals in Tultschin rcsidirte. Hart und rauh gegen
Jedermann, hatten besonders die armen Juden, deren Loos
damals überhaupt sehr traurig war, von seinem Uebermuthe
zu leiden. Es ist kaum glaublich, welch' frevelhaften Muth-
willen er mit diesen Unglücklichen trieb. Gesundheit und
Leben derselben galt ihm keinen Pfifferling. Er machte sie
nicht nur zur Zielscheibe seines Spottes, sondern auch seines
Geschosses, im wahren Sinne des Wortes. So hieß er einst
einen Juden in Gegenwart eines andern Magnaten, der ihn
besucht hatte, auf einen Baum steigen und versprach ihm einen
Dukaten, wenn er von dort aus den Ruf des Kukuks nach-
ahmen würde. Der arme Jude, theils durch den Dukaten
angclvckt, mehr aber noch aus Furcht vor dem großen Herrn,
erfüllte den Wunsch desselben, kletterte auf den Baum und
schrie aus vollem Halse: Kukuk! Potozki zieht nun die Pistole
auö seinem Leibgurt und schießt den armen Mann vom Baume
herab, sich lachend mit den Worten zu seinem Gaste wendend:
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Geschichten aus der Ukräne.
I. Die Räbnadel.
Es gab eine Zeit für die Ukräne - sie ist Gott sei
Dank schon lange vorüber — in der dort Menschen lebten,
welche keinen Herrn, keine Obrigkeit über sich anerkannten.
Jeder erblickte in dem Höheren oder Mächtigeren seinen Feind,
der Niedrigere aber galt ihm als Vieh, Staub, Schmust.
Alles was Gott mit freigebiger Hand Schönes und Herrliches
über die Welt ausgestreut hat, war in den Palästen jener
Leute angehäuft, die Umgebung dieser Paläste aber bildeten
verfallene, ärmliche Hütten mit beraubten, hungernden und
frierenden Bewohnern. Alles Gute, Edle und Erhabene, was
die Vorsehung in das Herz des Menschen gepflanzt hat, war
bei diesen Leuten versunken im Schlamm der Prahlerei, des !
Eigendünkels und unersättlichen Eigennutzes. Freiheit und Un- J
abhängigkeit war ihre Devise, aber Raub und Gewalt ihr !
Thun. Den kleinen Adel, ihre Mitbrüdcr/ schlugen sie mit
Peitschen, sie brannten die Dörfer nieder, marterten Tausende
aus dem Volke zu Tode und beweinten dann die Unglück-
lichen; sie bauten Klöster und Kirchen und belasteten ihr
Gewissen mit allen Todsünden; sie straften ohne Verschulden
und belohnten ohne Verdienst; ihrem Ucbermuthe war Nichts
theuer, Nichts heilig.
Und fragt man, wer waren diese Leute, so antworten wir:
das waren die polnischen Magnaten.
Von Einem aus dem Kreise dieser Herren soll hier er-
zählt werden — vom Grasen Potozki, Kronshetman re.,
der damals in Tultschin rcsidirte. Hart und rauh gegen
Jedermann, hatten besonders die armen Juden, deren Loos
damals überhaupt sehr traurig war, von seinem Uebermuthe
zu leiden. Es ist kaum glaublich, welch' frevelhaften Muth-
willen er mit diesen Unglücklichen trieb. Gesundheit und
Leben derselben galt ihm keinen Pfifferling. Er machte sie
nicht nur zur Zielscheibe seines Spottes, sondern auch seines
Geschosses, im wahren Sinne des Wortes. So hieß er einst
einen Juden in Gegenwart eines andern Magnaten, der ihn
besucht hatte, auf einen Baum steigen und versprach ihm einen
Dukaten, wenn er von dort aus den Ruf des Kukuks nach-
ahmen würde. Der arme Jude, theils durch den Dukaten
angclvckt, mehr aber noch aus Furcht vor dem großen Herrn,
erfüllte den Wunsch desselben, kletterte auf den Baum und
schrie aus vollem Halse: Kukuk! Potozki zieht nun die Pistole
auö seinem Leibgurt und schießt den armen Mann vom Baume
herab, sich lachend mit den Worten zu seinem Gaste wendend:



