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, Handlungen, sowie von allenPostämtern und M für den Band von SöNuimuern 3 ff. 54 fr. '
Ze itungsexpeditiouen angenommen. od. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9 kr. od. 2 Vs Sgr.
Geschichten ans der Ukräne.
Die Nähnadel.
(Schluß-)
Erscheinen wöchentlich. SubscriptionspreiS vt ttt r>\
fitr Spii SRmtS Vmit R ff f‘v ’ *
„Weßhalb? Hat er mir nicht selbst befohlen, auf diese
Weise die Leute zur Ordnung zu gewöhnen? Ich habe ihn
ja auch nur in seinem Namen und mit seiner eigenen Hand
geschlagen. — Und dann, wohin sollte ich vor dem Potozki
fliehen? Er kann mich überall erreichen."
„Wie Du willst; aber verlasse Dich nicht zu sehr auf
Dein Recht. Das Recht ist bei den Magnaten wie ein Stock
in der Hand, den man nach Belieben an beiden Enden an-
fossen kann."
Kondratowitsch blieb also und wartete das Weitere ab.
Nach ein paar Stunden kam ein Lakai vom Schlosse her und
erzählte, der Herr Hetman habe sich auf der gestrigen Jagd
erkältet und müsse heute das Bett hüten.
Am folgenden Tage, als eben der Morgengottesdienst
beendigt war, kam ein Kosak herangesprengt und fragte:
„Hält sich hier ein Herr Kondratowitsch auf?"
„Ja, was steht zu Befehl?" fragte der Verwandte.
„Der Herr Hetmann verlangt nach ihm, er solle sogleich
Zu ihm kommen."
Kondratowitsch machte sich ohne Furcht auf den Weg
und dachte: Was kommen soll, kommt, und was kommt,
kommt von Gott.
Sowie ihn Potozki erblickte, rief er ihm entgegen: „Hast
Du eine Nähnadel?"
Aber der Ton, in welchem er dies fragte, war nicht
Ulehr der grobe von vorgestern, sondern freundlich und halb
scherzhaft.
„Ja wohl, gnädigste Excellenz!" antwortete Kondrato-
tvitsch, die Nadel zeigend.
Potozki sah sich die Nadel an, als hätte er sie noch
nie gesehen, und doch ivnßte sein Rücken von ihr eine Ge-
schichte zu erzählen.
„Hast Du vielleicht schon Gelegenheit gehabt, meine
Dir gegebene Lehre einem Andern beizubringen?" fragte der
Graf weiter und sah dem Schlachtschitsch fest in's Gesicht.
„O, das versteht sich, gnädigste Excellenz!" antwortete
Kondratowitsch dreist. „Erst gestern habe ich in der Kapelle
Ihres Parkes einen Bettler angetroffen und demselben eine
Lehre gegeben, die er hoffentlich so schnell nicht vergessen wird."
Jetzt fragte der Graf ihn aus, wer und woher er wäre
und was er wolle. Kondratowitsch benutzte diese Gelegenheit
und trug ihm seine Geschichte und sein Anliegen vor. Der
Hetmann hörte ihn freundlich und mit Aufmerksamkeit an,
schrieb dann einige Worte auf einen Zettel und sagte: „Nimm
dieses Billet und gib es morgen meinem Oberinspector im
Comptoir ab, es wird Alles geordnet werden und zwar besser,
als Du gehofft hast."
Kondratowitsch dankte dem Hetman und entfernte sich.
Am nächsten Morgen begab er sich in's Comptoir. Der
Oberinspector hatte kaum einen Blick auf das ihm überreichte
Billet geworfen, als er verwundert und unwillig zugleich ausrief:
„So viele Jahre diene ich schon Seiner Excellenz und
habe noch nicht zehn Groschen von ihm geschenkt bekommen
und hier schenkt er dem ersten besten Menschen Geld und Land!"
„Um Verzeihung!" wandte Kondratowitsch ein, „das
ist mein eigenes, noch vom Pater ererbtes Landgut, das mir
der Herr Graf wiedergibt. Herr Tridurski hatte es mir ge-
raubt ..."
„Aber Sie erhalten. viel mehr! Der Graf befiehlt,
Ihnen dreimal soviel Ländereien, als bisher Ihr Erbeigenthum
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, Handlungen, sowie von allenPostämtern und M für den Band von SöNuimuern 3 ff. 54 fr. '
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Geschichten ans der Ukräne.
Die Nähnadel.
(Schluß-)
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„Weßhalb? Hat er mir nicht selbst befohlen, auf diese
Weise die Leute zur Ordnung zu gewöhnen? Ich habe ihn
ja auch nur in seinem Namen und mit seiner eigenen Hand
geschlagen. — Und dann, wohin sollte ich vor dem Potozki
fliehen? Er kann mich überall erreichen."
„Wie Du willst; aber verlasse Dich nicht zu sehr auf
Dein Recht. Das Recht ist bei den Magnaten wie ein Stock
in der Hand, den man nach Belieben an beiden Enden an-
fossen kann."
Kondratowitsch blieb also und wartete das Weitere ab.
Nach ein paar Stunden kam ein Lakai vom Schlosse her und
erzählte, der Herr Hetman habe sich auf der gestrigen Jagd
erkältet und müsse heute das Bett hüten.
Am folgenden Tage, als eben der Morgengottesdienst
beendigt war, kam ein Kosak herangesprengt und fragte:
„Hält sich hier ein Herr Kondratowitsch auf?"
„Ja, was steht zu Befehl?" fragte der Verwandte.
„Der Herr Hetmann verlangt nach ihm, er solle sogleich
Zu ihm kommen."
Kondratowitsch machte sich ohne Furcht auf den Weg
und dachte: Was kommen soll, kommt, und was kommt,
kommt von Gott.
Sowie ihn Potozki erblickte, rief er ihm entgegen: „Hast
Du eine Nähnadel?"
Aber der Ton, in welchem er dies fragte, war nicht
Ulehr der grobe von vorgestern, sondern freundlich und halb
scherzhaft.
„Ja wohl, gnädigste Excellenz!" antwortete Kondrato-
tvitsch, die Nadel zeigend.
Potozki sah sich die Nadel an, als hätte er sie noch
nie gesehen, und doch ivnßte sein Rücken von ihr eine Ge-
schichte zu erzählen.
„Hast Du vielleicht schon Gelegenheit gehabt, meine
Dir gegebene Lehre einem Andern beizubringen?" fragte der
Graf weiter und sah dem Schlachtschitsch fest in's Gesicht.
„O, das versteht sich, gnädigste Excellenz!" antwortete
Kondratowitsch dreist. „Erst gestern habe ich in der Kapelle
Ihres Parkes einen Bettler angetroffen und demselben eine
Lehre gegeben, die er hoffentlich so schnell nicht vergessen wird."
Jetzt fragte der Graf ihn aus, wer und woher er wäre
und was er wolle. Kondratowitsch benutzte diese Gelegenheit
und trug ihm seine Geschichte und sein Anliegen vor. Der
Hetmann hörte ihn freundlich und mit Aufmerksamkeit an,
schrieb dann einige Worte auf einen Zettel und sagte: „Nimm
dieses Billet und gib es morgen meinem Oberinspector im
Comptoir ab, es wird Alles geordnet werden und zwar besser,
als Du gehofft hast."
Kondratowitsch dankte dem Hetman und entfernte sich.
Am nächsten Morgen begab er sich in's Comptoir. Der
Oberinspector hatte kaum einen Blick auf das ihm überreichte
Billet geworfen, als er verwundert und unwillig zugleich ausrief:
„So viele Jahre diene ich schon Seiner Excellenz und
habe noch nicht zehn Groschen von ihm geschenkt bekommen
und hier schenkt er dem ersten besten Menschen Geld und Land!"
„Um Verzeihung!" wandte Kondratowitsch ein, „das
ist mein eigenes, noch vom Pater ererbtes Landgut, das mir
der Herr Graf wiedergibt. Herr Tridurski hatte es mir ge-
raubt ..."
„Aber Sie erhalten. viel mehr! Der Graf befiehlt,
Ihnen dreimal soviel Ländereien, als bisher Ihr Erbeigenthum
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