oq Bestelliinaen werden in allen Buch- «nd Kunst- -Mg-»», -g -g .-g » Erscheinen wöchentlich. Silbscriptioilspreis irTmff
' handlangen, ioivie von alle» Postämtern »nd siM - A A rAd•fiir beit SBonb ümi 26 Simiimeni3fl. 54fr. ■&>ü.
Zeitnngsexpeditionen aiigenoninien.
ob.2 9Ut)tr. 5 Sgr. Einzelne Niiininer» 9 kr. ob. 2V- Sgr.
Geschichten ans der Uk räne.
Die Fa in ilien-Eiche oder Mu tte rsegen.
^Fortsetzung.)
Der Hausherr sprach laut das Vaterunser und wir
nahmen das Mahl ein, bei dessen Erinnerung mir noch jetzt
der Saft im Munde zusammen läuft. Da gab es Prächtigen
Borschtsch mit Speck und Reis, frischen, zarten Kohl, im
Munde zerfließende Pirogen mit Pflaumensauce, eine große
Schüssel ausgesuchter Krebse, junge gefüllte Tauben und einen
am Spieße gebratenen, saftigen Kapaun. Znm Nachtische
diente allerhand Obst, das soeben von den Bäumen und
Sträuchern im Garten gcpfliickt worden war, sowie prachtvolle
Melonen, deren man wohl zehn aufschnitt, um die beste
auszusuchen; die anderen dienten dem Vieh zu Futter.
Während des ganzen Mittagessens hatte ich mich an der
Eiche erfreut und mich nicht genug wundern können, wie sie
eine so außerordentliche Höhe und Stärke erreichen und doch
noch so frisch aussehen konnte, daß nicht ein einziger verdorrter
Zweig, nicht ein einziges welkes Blatt daran zu bemerken war.
„Ich sehe," sagte der Hausherr lächelnd, „unsere Eiche
gefällt Ihnen? ... Ja, Sie werden auch weit und breit
keine ähnliche finden!"
„Ein herrlicher Baum! . . . Wie alt mag er wohl sein?"
„Gegen zweihundert Jahre. Wir nennen ihn „Mntter-
segen" und widmen ihm kindliche Verehrung und Pflege."
„Aus welchem Grunde nennen Sie ihn „Muttersegen?"
„Bleiben Sie hier über Nacht, so will ich es Ihnen
erzählen. Es ist das eine sehr hübsche Geschichte, die sich an
diese Eiche knüpft, und noch dazu eine ganz wahre."
Der Alte machte meine Neugier sehr rege, aber ich konnte
nicht bleiben. Jetzt kam auch schon mein Diener Fedor im
Rcisekostume herbei und das hieß so viel als: die Pferde
sind fertig.
Ich hieß ihn einspannen, während ich mich von meinen
freundlichen Wirthsleuten verabschiedete und für die gute
Aufnahme dankte, und ivar eben im Begriff, den Mantel
umzunehmLn, als Fedor wiederkam und mit seinem gewohnten
Phlegma sagte: „Wir können nicht fahren."
„Warum?" fragte ich verwundert.
„Die Feder an der Britschka ist entzwei."
„Warum ist der Schaden nicht ausgebessert worden
während die Pferde fraßen?"
„Man hat cs erst beim Anspannen bemerkt."
Es war erst am Anfänge der zweiten Stunde, ich schickte
daher, die Absicht noch an diesem Tage weiter zu reisen nicht
aufgebend, nach dem Dorfschmiede und befahl, ihm das Doppelte
als er verlangte zu zahlen, damit er nur den Wagen recht
schnell ausbesscre.
Unterdessen wurden Decken herbeigebracht und auf die
Rasenbünke gelegt, auf welche Taras Samsonowitsch und ich
uns hinstreckten. Ein leises Lüftchen, welches durch das Laub
drang, wehte uns den aromatischen Duft der Reseda, Nelken
und anderen Blumen zu und wir sanken in einen süßen
Schlummer. Lange konnte ich mich jedoch daran nicht er-
quicken. Fedor weckte mich.
„Ist Alles fertig?" fragte ich.
„Heute können wir nicht fort," antwortete Fedor. „Der
Schmied sitzt heute in der Schenke. Ich habe ihm einen
Silberrubel geboten, er aber sagte, auch nicht für zehn werde
er heute an die Arbeit gehen, noch für zwanzig —- morgen
macht er sie für einen halben Rubel."
„Das ist herrlich!" rief mein Gastfreund lachend, der die
letzten Worte gehört hatte. „Jetzt müssen Sic gern oder
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Zeitnngsexpeditionen aiigenoninien.
ob.2 9Ut)tr. 5 Sgr. Einzelne Niiininer» 9 kr. ob. 2V- Sgr.
Geschichten ans der Uk räne.
Die Fa in ilien-Eiche oder Mu tte rsegen.
^Fortsetzung.)
Der Hausherr sprach laut das Vaterunser und wir
nahmen das Mahl ein, bei dessen Erinnerung mir noch jetzt
der Saft im Munde zusammen läuft. Da gab es Prächtigen
Borschtsch mit Speck und Reis, frischen, zarten Kohl, im
Munde zerfließende Pirogen mit Pflaumensauce, eine große
Schüssel ausgesuchter Krebse, junge gefüllte Tauben und einen
am Spieße gebratenen, saftigen Kapaun. Znm Nachtische
diente allerhand Obst, das soeben von den Bäumen und
Sträuchern im Garten gcpfliickt worden war, sowie prachtvolle
Melonen, deren man wohl zehn aufschnitt, um die beste
auszusuchen; die anderen dienten dem Vieh zu Futter.
Während des ganzen Mittagessens hatte ich mich an der
Eiche erfreut und mich nicht genug wundern können, wie sie
eine so außerordentliche Höhe und Stärke erreichen und doch
noch so frisch aussehen konnte, daß nicht ein einziger verdorrter
Zweig, nicht ein einziges welkes Blatt daran zu bemerken war.
„Ich sehe," sagte der Hausherr lächelnd, „unsere Eiche
gefällt Ihnen? ... Ja, Sie werden auch weit und breit
keine ähnliche finden!"
„Ein herrlicher Baum! . . . Wie alt mag er wohl sein?"
„Gegen zweihundert Jahre. Wir nennen ihn „Mntter-
segen" und widmen ihm kindliche Verehrung und Pflege."
„Aus welchem Grunde nennen Sie ihn „Muttersegen?"
„Bleiben Sie hier über Nacht, so will ich es Ihnen
erzählen. Es ist das eine sehr hübsche Geschichte, die sich an
diese Eiche knüpft, und noch dazu eine ganz wahre."
Der Alte machte meine Neugier sehr rege, aber ich konnte
nicht bleiben. Jetzt kam auch schon mein Diener Fedor im
Rcisekostume herbei und das hieß so viel als: die Pferde
sind fertig.
Ich hieß ihn einspannen, während ich mich von meinen
freundlichen Wirthsleuten verabschiedete und für die gute
Aufnahme dankte, und ivar eben im Begriff, den Mantel
umzunehmLn, als Fedor wiederkam und mit seinem gewohnten
Phlegma sagte: „Wir können nicht fahren."
„Warum?" fragte ich verwundert.
„Die Feder an der Britschka ist entzwei."
„Warum ist der Schaden nicht ausgebessert worden
während die Pferde fraßen?"
„Man hat cs erst beim Anspannen bemerkt."
Es war erst am Anfänge der zweiten Stunde, ich schickte
daher, die Absicht noch an diesem Tage weiter zu reisen nicht
aufgebend, nach dem Dorfschmiede und befahl, ihm das Doppelte
als er verlangte zu zahlen, damit er nur den Wagen recht
schnell ausbesscre.
Unterdessen wurden Decken herbeigebracht und auf die
Rasenbünke gelegt, auf welche Taras Samsonowitsch und ich
uns hinstreckten. Ein leises Lüftchen, welches durch das Laub
drang, wehte uns den aromatischen Duft der Reseda, Nelken
und anderen Blumen zu und wir sanken in einen süßen
Schlummer. Lange konnte ich mich jedoch daran nicht er-
quicken. Fedor weckte mich.
„Ist Alles fertig?" fragte ich.
„Heute können wir nicht fort," antwortete Fedor. „Der
Schmied sitzt heute in der Schenke. Ich habe ihm einen
Silberrubel geboten, er aber sagte, auch nicht für zehn werde
er heute an die Arbeit gehen, noch für zwanzig —- morgen
macht er sie für einen halben Rubel."
„Das ist herrlich!" rief mein Gastfreund lachend, der die
letzten Worte gehört hatte. „Jetzt müssen Sic gern oder
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