10 Bestellungen werden in allen Buch- und Kunst-
handlungen, sowie von allen Postämtern und
^ituiigSexpeditionen angenommen._
Erscheinen wöchentlich ein Mal. Subscriptions-v.
^ preis sür den Band von 26 Nummern 3fl.54 kr. ^^ '
ob. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne 'Jiummcm 9 kr. ob 2’/v Sgr.
Aus dem Leben eines Hundes.
Von ihm selbst erzählt.
„Es ist uns leider selten vergönnt, selbstredend cinzutretcn,
weil unsere Sprache nur wenigen Anserwähltcn verständlich ist.
Um so begieriger ergreife ich die Gelegenheit, einige meiner
Erlebnisse zu verkünden. Weit entfernt, der Welt eine förmliche
Lebensbeschreibung vorzubcllcn, oder gar über die Unbilde zu
heulen, welche die Menschen uns vielfach zufügen, will ich nur
durch nachstehende Geschichte beweisen, daß cS nicht jedesmal ein
Unglück für einen Menschen ist, auf den Hund gekommen
zu sein — wie weit auch diese Ansicht verbreitet ist. Hoffent-
lich wird es mir nebenbei gelingen, die eingewurzelten Vor-
nrthcile auszurotten, daß es meinem Gcschlcchtc an feiner
Beobachtungsgabe fehle, sowie, daß gute Knochen und sonstige
Leckerbissen das Einzige seien, womit man einen Hund vom
Ofen locken könne.
Gestatten Sic mir, über mein AeußereS voranzuschicken, daß
ich groß und schwarzlockig bin und zur Nace der Bernhardiner
gehöre, weßhalb ich wohl mit einiger Geringschätzung auf daS
winzige Gelichter der Wachtel- und Dachshunde hcrabsehen darf.
Meine frühesten Verhältnisse waren für einen Hund
luxuriös zu nennen. In meiner Glanzperiode war ich näm-
lich daS Eigenthum einer Studentenverbindung, worauf ich in
den Besitz eines Mitgliedes derselben, des Juristen Gustav
Bester, überging. Der mehrjährige Aufenthalt in akademischen
Kreisen gibt mir gewiß daö Recht, mich zu den Gebildeten
meines Standes zu rechnen.
Besagter Studiosus bewohnte ein nettes Gartcnstübchen.
Er hing seinen Studien fleißig nach, auch ging er, ohne
Kopfhänger zu sein, den tollsten Zechbrüdern geflissentlich ans
dem Wege. Mehr noch als seine Bücher fesselte ihn an den
Garten ein mächtiger Magnet: eS war seine erste Liebe, deren
Gegenstand lediglich durch den hohen Gartenzaun von ihm
gctrennr war; jenseits desselben befand sich nämlich ein Mädchen-
Pensionat. Die Bekanntschaft mit Fräulein Helene war auf
Spazierwegen ungebahnt und gestaltete sich bald zu einem
dauernden Vcrhältniß. Einem Strauße von seiner Seite folgte
bald eine blonde Locke von der anderen. Natürlich scheuten
die Liebenden kein Mittel, sich zu sehen und zu sprechen.
Unter dem Schutze einer Gcisblattlaubc wurden Briefchen
über den Zaun hin und her befördert, auch wohl einzelne
Worte gewechselt, während ich lauschend umhcrblicktc, ob auch
keine Gefahr vorhanden sei.
Die Uebereinstimmung der Beiden war bald so weit ge-
diehen, daß mein Herr, durch ein telegraphisches Zeichen be-
io
handlungen, sowie von allen Postämtern und
^ituiigSexpeditionen angenommen._
Erscheinen wöchentlich ein Mal. Subscriptions-v.
^ preis sür den Band von 26 Nummern 3fl.54 kr. ^^ '
ob. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne 'Jiummcm 9 kr. ob 2’/v Sgr.
Aus dem Leben eines Hundes.
Von ihm selbst erzählt.
„Es ist uns leider selten vergönnt, selbstredend cinzutretcn,
weil unsere Sprache nur wenigen Anserwähltcn verständlich ist.
Um so begieriger ergreife ich die Gelegenheit, einige meiner
Erlebnisse zu verkünden. Weit entfernt, der Welt eine förmliche
Lebensbeschreibung vorzubcllcn, oder gar über die Unbilde zu
heulen, welche die Menschen uns vielfach zufügen, will ich nur
durch nachstehende Geschichte beweisen, daß cS nicht jedesmal ein
Unglück für einen Menschen ist, auf den Hund gekommen
zu sein — wie weit auch diese Ansicht verbreitet ist. Hoffent-
lich wird es mir nebenbei gelingen, die eingewurzelten Vor-
nrthcile auszurotten, daß es meinem Gcschlcchtc an feiner
Beobachtungsgabe fehle, sowie, daß gute Knochen und sonstige
Leckerbissen das Einzige seien, womit man einen Hund vom
Ofen locken könne.
Gestatten Sic mir, über mein AeußereS voranzuschicken, daß
ich groß und schwarzlockig bin und zur Nace der Bernhardiner
gehöre, weßhalb ich wohl mit einiger Geringschätzung auf daS
winzige Gelichter der Wachtel- und Dachshunde hcrabsehen darf.
Meine frühesten Verhältnisse waren für einen Hund
luxuriös zu nennen. In meiner Glanzperiode war ich näm-
lich daS Eigenthum einer Studentenverbindung, worauf ich in
den Besitz eines Mitgliedes derselben, des Juristen Gustav
Bester, überging. Der mehrjährige Aufenthalt in akademischen
Kreisen gibt mir gewiß daö Recht, mich zu den Gebildeten
meines Standes zu rechnen.
Besagter Studiosus bewohnte ein nettes Gartcnstübchen.
Er hing seinen Studien fleißig nach, auch ging er, ohne
Kopfhänger zu sein, den tollsten Zechbrüdern geflissentlich ans
dem Wege. Mehr noch als seine Bücher fesselte ihn an den
Garten ein mächtiger Magnet: eS war seine erste Liebe, deren
Gegenstand lediglich durch den hohen Gartenzaun von ihm
gctrennr war; jenseits desselben befand sich nämlich ein Mädchen-
Pensionat. Die Bekanntschaft mit Fräulein Helene war auf
Spazierwegen ungebahnt und gestaltete sich bald zu einem
dauernden Vcrhältniß. Einem Strauße von seiner Seite folgte
bald eine blonde Locke von der anderen. Natürlich scheuten
die Liebenden kein Mittel, sich zu sehen und zu sprechen.
Unter dem Schutze einer Gcisblattlaubc wurden Briefchen
über den Zaun hin und her befördert, auch wohl einzelne
Worte gewechselt, während ich lauschend umhcrblicktc, ob auch
keine Gefahr vorhanden sei.
Die Uebereinstimmung der Beiden war bald so weit ge-
diehen, daß mein Herr, durch ein telegraphisches Zeichen be-
io
Werk/Gegenstand/Objekt
Pool: UB Fliegende Blätter
Titel
Titel/Objekt
"Aus dem Leben eines Hundes"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Inschrift/Wasserzeichen
Aufbewahrung/Standort
Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES
Objektbeschreibung
Maß-/Formatangaben
Auflage/Druckzustand
Werktitel/Werkverzeichnis
Herstellung/Entstehung
Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Entstehungsort (GND)
Auftrag
Publikation
Fund/Ausgrabung
Provenienz
Restaurierung
Sammlung Eingang
Ausstellung
Bearbeitung/Umgestaltung
Thema/Bildinhalt
Thema/Bildinhalt (GND)
Literaturangabe
Rechte am Objekt
Aufnahmen/Reproduktionen
Künstler/Urheber (GND)
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 48.1868, Nr. 1182, S. 73
Beziehungen
Erschließung
Lizenz
CC0 1.0 Public Domain Dedication
Rechteinhaber
Universitätsbibliothek Heidelberg



