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175

Eine Liebe ist der andern werth.

Der Rest der Schoppenstunde im Anker verfloß ledern und
einförmig. Wer sein Glas getrunken, entfernte sich still, ein
Gast nach dem andern blieb die folgenden Tage weg, und nach
acht Tagen saß die ganze Schoppengesellschaft drüben im
Mohren beim Hanptmann, die Schoppenstnbe im Anker
aber war und blieb leer wie eine Kirche nach dem Nach-
mittagsgottesdicnste. „Da hast Du," so sagte derAnkerwirth
trostlos zu sich selber, „einen verflucht dummen Streich ge-
macht. Die Schoppengesellschaft in u ß luieber in den Anker,
cs koste, was es wolle, vor allen Dingen muß aber der Hanpt-
mann wieder her!" Und desselben Nachmittags ging der An-
kerwirth ans und lief dem Hanptmann zu Gefallen, auf sei-
nen geivohnten Spaziergang, wo er ihn treffen mußte. Und
richtig, er traf ihn, näherte sich mit höflichen Worten und Ge-
berden, während der Hanptmann ihm furchtbar kühl dankte.
„Herr Hanptmann," flötete er ihn an, „Herr Hauptmann,
morgen ist Dero Geburtstag. Wollen Sie nicht die Güte haben
und ihn im Anker feiern? Es fehlt meinem Herzen Alles,
wenn Sie nicht da sind und damit Sie sehen, daß ich kein
Opfer scheue, so streiche ich hiemit die Hälfte von
meiner Forderung!" — „Ankerwirth," entgegnete der
Hanptmann, „ich sehe, Ihr seid ein braver Kerl, aber eine
Liebe ist der anderen werth und dnmit Ihr seht, daß ich
mich auch nicht lumpen lasse — so streiche ich hiemit
die andere Hälfte!" Der Hanptmann feierte aber seinen
Geburtstag beim Ankerwirth und nach drei Tagen >var die
Schoppenstube im Anker wieder voll zum Erdrücken.

Zcitblii mchen.

„I bitt’ recht schön, gnä Herr, schenken mir doch
einen Groschen! Ich Hab' keinen Vater und keine Mutter
mehr!" — „Armer Junge, Du hast wohl Hunger; da hast
Du einen Groschen, nun geh' und kaufe Dir Brod!" —
„Hunger Hab' ich keinen, gnä Herr, aber a gute Cigarr'n
werde ich mir jetzt schmecken lassen!"

Damit beim nächsten Examen der einjährigen Freiwilligen
nur mehr solche Fragen gestellt werden, die über jeden
Tadel erhaben sind, erlauben wir uns, einer hohen Prüf-
ungscommission eine Auswahl solcher Fragen hiemit bekannt
i zu geben:

Fr. 1: Wie viel Commata, Frag- und Ansrufnngs-
zeichen sind in der Bibel?

Fr. 2: Wie heißt die 13. Strophe des V. Gesanges
des Nibelungenliedes?

Fr. 3: Welcher Schuhmacher hat Goethe die Stiefel
gemacht, die er trug, als er zu Friederike nach Sesenheim ritt?

Fr. 4: Welchen Tabak schnupfte Schiller, als erden
letzten Akt des Don Carlos schrieb?

Fr. 5: Welche Fürsten haben Drachen in ihrem Wap-
pen und wessen Geschlechtes sind diese Drachen, männlich
oder weiblich?

Fr. 6: Auch bei den Pflanzen giebt es zweierlei Ge-
schlechter. Gilt für sie auch das sechste Gebot und in
wie weit?

Fr. 7: Besteht unter den Fröschen auch eine gewisse
Rangordnung, Aemter, Orden und Titel, wie bei den Amei-
sen und Bienen und welche?

Fr. 8: Was hätte Napoleon I. gethan, wenn er gemerkt
hätte, daß er überall zu spät daran ist?

Fr. 9: Würden die Frösche auch noch Frösche genannt
werden können, wcrn sie Flügel hätten, und ihre Qnappeu-
schwänzchen lebenslänglich behielten?

Fr. 10: Wie viel Judenmädel betheiligten sich an dem
Tanze um das gold'ne Kalb?

Fr. 11: Ist die Straße von Gibraltar gepflastert?

Fr. 12: Ans welchem Zeug bestehen die Wasserhosen
und lvo werden die besten fabrizirt?

Fr. 13: Wie viele Gebirgspässe gibt es in der Schweiz
und wo werden dieselben visirt?

Fr. 14: Gehört der Wolkenbrnch zu den ächten oder
unächteu Brüchen?
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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Zeitblümchen" "Fragen an Einjährig-Freiwillige"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Diez, Wilhelm von
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Spazierstock
Betteln
Herr <Motiv>
Schulbank
Verwendung
Waisenkind <Motiv>
Groschen
Schreibfeder
Prüfer
Prüfung <Motiv>
Prüfling
Karikatur
Krug <Motiv>
Handgeste
Einjährig-Freiwilligen-Dienst
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
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Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Public Domain Mark 1.0
Creditline
Fliegende Blätter, 48.1868, Nr. 1194, S. 175

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Erschließung

Lizenz
CC0 1.0 Public Domain Dedication
Rechteinhaber
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