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8. ®'ftenun9tn werken in allen Buch- und Kunst- «ro. - AA/fl Erscheinen wöchentlich ein Mal. Subscriptions- u, ^

bandlunaen, sowie von allen P ostLmtern und preis für den Band von 2<> Nummern 3 fl. 54 kr.

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Das Vermächtniß des Malers.

(Schluß.)

Der Arzt kam und schüttelte den Kopf, als er den
Zustand des Kranken wahrnahm, verschrieb Arznei und ver-
knete Ruhe und Warmhalten. Aber bald fehlte es an
^ld, um Holz zu kaufen, um Arznei zu kaufen, bald an
^Uem, was zur Pflege eiues Kranken nothwendig ist, und
Robert wurde immer kränker. Eines Tages sagte er zu Haun-
d,en'- „Es gibt kein andres Mittel, Du mußt zu meinem Onkel
S'hcn, reichen Kümmerer; bitte ihn um einen kleinen
Vorschuß; wenn Du ihm unsere Roth schilderst, so wird er
uns gewiß helfen, obgleich er ein Geizhals ist." —

Der Alte machte eben wieder einen Gang durch das
strvße Gemach, da kam es die Stiege herauf und klopfte an
icr Thür. Auf sein „Herein" stand ein wunderschönes Mäd-
chen aus der Schwelle, goldblonde Flechten sielen reichlich über
^en edlen Kops auf den schneeweißen Hals; große blaue
^ugen, eine seine Gestalt; sie bat mit schmeichlerisch-rührender
Stimme den verwunderten Alten um Hilfe für seinen kranken
Neffen. „Mein Neffe ist ein Lump," sagte Herr Kümmerer, und
seine spitzige Nase erschien in diesem Augenblick noch spitziger und
sein fahles, eingefallenes Gesicht nahm einen wahrhaft gespcnstcr-
hasten Ausdruck an. Da fiel das Mädchen vor ihm auf die
Kniee und rief: „0 lieber Herr, mein Robert stirbt, wenn
uns nicht geholfen wird — o wenn Sie selber kommen wollten
und ihn sehe», wie er hilflos auf seinem Lager liegt; — und
das heiße Fieber brennt ihm auf der Stirne; ach, und ich
kann keine Arznei kaufen und seit acht Tagen haben wir kein
Holz mehr gebrannt — es würde Sie gewiß erbarmen, den
Jammer anzusehen!" Aber der Geizhals wies mit der Hand
auf die Thür und sagte: „Er wird nicht gleich sterben, und
wenn er stirbt, so ist's ja besser, als daß er in Armuth ver-
kommt." — Entsetzt sprang das Mädchen auf und wollte

sprechen, aber sie konnte nichts Hervorbringen, und die Hände
vor das Gesicht haltend eilte sie hinaus. Der Geizhals warf
die Thüre zu, setzte sich brummend in seinen Lehnstuhl und
zog ein ledernes Geldbeutelchen hervor, mit dem er am liebsten !
spielte, er schlug damit an den Tisch, um sich am Klang des
Goldes wieder aufzuheitern.

Bitterlich weinend kam Hannchen nach Hause und er-
zählte ihrem Robert die Worte des harten Mannes; Robert
zog die Augenbrauen zusammen und sagte kein Wort.

Von dem Tage an ging's immer schlimmer mit dem
Kranken; die Fieberschauer überfielen ihn mit größerer Gewalt
und wenn er zu sthantasircn begann, redete er oft seltsame
Dinge, daß es Einem unheimlich werden konnte. Eine böse
Gewohnheit machte die Krankheit noch gefährlicher; so oft
Hannchen sich entfernt hatte, um irgend einen Gang für den
Kranken zu machen, zog er die Staffelei an sein Bett — er
konnte sie mit ausgestrecktenr Arm erreichen — nahm die
Palette zur Hand und malte: was er malte in der Fieber -
gluth feinet mit dem Tode ringenden Phantasie, Niemand
sah es; denn er verhängte das Bild stets, ehe Hannchen
zurückkam, und rückte die Staffelei an ihren Platz, damit sic
nicht sehen sollte, daß er dem Befehl des Arztes zuwider-
handle, der ihm strengstens jede Aufregung untersagt hatte.
Aber sobald er sich unbewacht sah, riß es ihn mit unwider-
stehlicher Gewalt zu der geliebten Beschäftigung hin, dann
spannte sich auf seinen eingefallenen Wangen jede Muskel
zu furchtbarer Energie an, dann zuckte auf den festgepreßten
Lippen ein Trotz, der den Tod zu verhöhnen schien, und die i
brennenden Augen hefteten sich mit solcher Kraft aus das
vorrückende Werk, als wollten sie den müden abgemagerten
Händen zu Hilfe kommen, das Werk zu vollende». Das Bild

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