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' Handlungen, sowie von allcnPostnmtern und M » preis für den Band von 26 Nnnun. 3 fl. 54 kr.
Z ei tu n gs exped iti onen angenommen: od. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9 kr. od. 2'/, Sgr-
Der gefressene Bursch.
In der großen Gaststube des Brauhauses der kleinen
Stadt Krapfenheim gab es ein dichtes Gedränge thcils von Be-
wohnern des Ortes selbst, theils von Landleuten beiderlei Ge-
schlechtes aus der Ilmgegend, welche der Morgens stattsiudende
Jahrmarkt herbeigelockt hatte. Statt des bei solchen Gelegen- !
heiten sonst herrschenden Lärms und Durcheinanders machte sich
aber eine auffallende Ruhe bcmerklich und die Aufmerksamkeit
der Anwesenden schien sich ausschließlich nach einem Punkte hin
zu wenden. Das war aber nicht mehr als natürlich, denn der
allgemein bekannte und beliebte Taschenspieler Althofer hatte wie- !
der einmal sich eingefundcn und gab den Versammelten seine [
Späße umsonst zum Besten. j
Althofer war eine interessante Persönlichkeit; er hatte die
großen Kriege im Anfänge des Jahrhunderts als Kürassier mit-
I gefuchten und es bis zum Wachtmeister gebracht hatte in Folge ■
schwerer Verwundungen sich die Versorgung im Jnvalidenhause
erworben, wo er in der Verzweiflung der Langeweile für sich
und seine Kameraden nach einem Zeitvertreibe suchend auf ein j
Buch über Taschenspielerkünste gerieth und nachdem er diese cin-
| geübt und damit vielen Beifall gefunden, den Entschluß faßte,
! sein Glück damit in der Welt zu versuchen, was ihm auch über
| Erwartung gut gelang, denn er ward bald seiner launigen Späße
wegen überall ein hochwillkommener Gast, wobei ihm besonders
zu statten kam, daß er wohl auch einen etwas derben Scherz
wagen durfte, ohne üble Folgen von dem dadurch Betroffenen
; besorgen zu müssen, denn seine stattliche Gestalt ließ den Ge-
danken persönlicher Genugthuung nicht aufkommen und im Noth-
falle war er wohl drei Gegnern gewöhnlichen Schlages gewachsen.
Althofer hatte die Gepflogenheit, bevor er seine eigent-
lichen Vorstellungen begann, sich an irgend einem öffentlichen
Orte unter das Publikum zu mischen und zur besten Anpreis-
ung seiner Geschicklichkeit seine Kunststücke loszulassen; das war
nun eben auch heute der Fall und er hatte schon einer ehr-
samen Hausmutter, der er eine Schachtel seiner unübertrefflichen
Rattengiftpillen zum Kaufe angeboten, zum Beweise, wie nöthig
sie es habe, ein Prachtexemplar dieses, von keiner Landwirth-
schaftsgesellschaft prümiirte» Hansthieres aus dem Rocksacke ge-
zogen, einem darüber vor Verwunderung das Maul weit auf- !
reißenden Burschen ein mächtiges Schloß hineingehängt und den
dazu gehörigen Schlüssel einem Zweiten, nicht minder Erstaunten
mit Grazie aus der Nase gezaubert; auch hatte er sich das Hemd
durch den Rockürmel ausgezogen und sich sogar erboten, die
Socken durch das Halstuch hcrvorzuholen, was aber unterblieb,
da Niemand dagegen wetten wollte.
All' diese wunderbaren Leistungen vermochten Einem der
Znseher, einem stämmigen, mit einer rabenschwarzen, funkel-
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' Handlungen, sowie von allcnPostnmtern und M » preis für den Band von 26 Nnnun. 3 fl. 54 kr.
Z ei tu n gs exped iti onen angenommen: od. 2 Rthlr. 5 Sgr. Einzelne Nummern 9 kr. od. 2'/, Sgr-
Der gefressene Bursch.
In der großen Gaststube des Brauhauses der kleinen
Stadt Krapfenheim gab es ein dichtes Gedränge thcils von Be-
wohnern des Ortes selbst, theils von Landleuten beiderlei Ge-
schlechtes aus der Ilmgegend, welche der Morgens stattsiudende
Jahrmarkt herbeigelockt hatte. Statt des bei solchen Gelegen- !
heiten sonst herrschenden Lärms und Durcheinanders machte sich
aber eine auffallende Ruhe bcmerklich und die Aufmerksamkeit
der Anwesenden schien sich ausschließlich nach einem Punkte hin
zu wenden. Das war aber nicht mehr als natürlich, denn der
allgemein bekannte und beliebte Taschenspieler Althofer hatte wie- !
der einmal sich eingefundcn und gab den Versammelten seine [
Späße umsonst zum Besten. j
Althofer war eine interessante Persönlichkeit; er hatte die
großen Kriege im Anfänge des Jahrhunderts als Kürassier mit-
I gefuchten und es bis zum Wachtmeister gebracht hatte in Folge ■
schwerer Verwundungen sich die Versorgung im Jnvalidenhause
erworben, wo er in der Verzweiflung der Langeweile für sich
und seine Kameraden nach einem Zeitvertreibe suchend auf ein j
Buch über Taschenspielerkünste gerieth und nachdem er diese cin-
| geübt und damit vielen Beifall gefunden, den Entschluß faßte,
! sein Glück damit in der Welt zu versuchen, was ihm auch über
| Erwartung gut gelang, denn er ward bald seiner launigen Späße
wegen überall ein hochwillkommener Gast, wobei ihm besonders
zu statten kam, daß er wohl auch einen etwas derben Scherz
wagen durfte, ohne üble Folgen von dem dadurch Betroffenen
; besorgen zu müssen, denn seine stattliche Gestalt ließ den Ge-
danken persönlicher Genugthuung nicht aufkommen und im Noth-
falle war er wohl drei Gegnern gewöhnlichen Schlages gewachsen.
Althofer hatte die Gepflogenheit, bevor er seine eigent-
lichen Vorstellungen begann, sich an irgend einem öffentlichen
Orte unter das Publikum zu mischen und zur besten Anpreis-
ung seiner Geschicklichkeit seine Kunststücke loszulassen; das war
nun eben auch heute der Fall und er hatte schon einer ehr-
samen Hausmutter, der er eine Schachtel seiner unübertrefflichen
Rattengiftpillen zum Kaufe angeboten, zum Beweise, wie nöthig
sie es habe, ein Prachtexemplar dieses, von keiner Landwirth-
schaftsgesellschaft prümiirte» Hansthieres aus dem Rocksacke ge-
zogen, einem darüber vor Verwunderung das Maul weit auf- !
reißenden Burschen ein mächtiges Schloß hineingehängt und den
dazu gehörigen Schlüssel einem Zweiten, nicht minder Erstaunten
mit Grazie aus der Nase gezaubert; auch hatte er sich das Hemd
durch den Rockürmel ausgezogen und sich sogar erboten, die
Socken durch das Halstuch hcrvorzuholen, was aber unterblieb,
da Niemand dagegen wetten wollte.
All' diese wunderbaren Leistungen vermochten Einem der
Znseher, einem stämmigen, mit einer rabenschwarzen, funkel-
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Werk/Gegenstand/Objekt
Pool: UB Fliegende Blätter
Titel
Titel/Objekt
"Der gefressene Bursch"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Inschrift/Wasserzeichen
Aufbewahrung/Standort
Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES
Objektbeschreibung
Maß-/Formatangaben
Auflage/Druckzustand
Werktitel/Werkverzeichnis
Herstellung/Entstehung
Entstehungsort (GND)
Auftrag
Publikation
Fund/Ausgrabung
Provenienz
Restaurierung
Sammlung Eingang
Ausstellung
Bearbeitung/Umgestaltung
Thema/Bildinhalt
Thema/Bildinhalt (GND)
Literaturangabe
Rechte am Objekt
Aufnahmen/Reproduktionen
Künstler/Urheber (GND)
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
In Copyright (InC) / Urheberrechtsschutz
Creditline
Fliegende Blätter, 56.1872, Nr. 1381, S. 1
Beziehungen
Erschließung
Lizenz
CC0 1.0 Public Domain Dedication
Rechteinhaber
Universitätsbibliothek Heidelberg



