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Brausepulver und Cognac

(Fortsetzung.)

Qi)?,- ^"!>chub bitten konnten sic wohl. Würde derselbe
auch gewahrt werden? Und ans wie lange?
dj^ , höchst niedergedrückter Stimmung entschliefen diese Nacht
gies'x U °n Freundinnen, nachdem sie sich heute schon im Ver-
%e ."^ÖOu Abschiedsthränen geübt, diesen glänzenden Zeugen
^ ^hmpathieen.

dj^ wie die warmen Sonnenstrahlen sich aber küssend auf
^ine'°~ suchten Müdchenaugen drückten, war beim Erwachen
s^^s^hur von Kunimcr mehr zu entdecken. Alles schien ver-
hen '' 'Da^ die jungen Herzen beengt hatte, Tank dem glück-

und schäkernd und lachend

ljch^

kstch ^^chtsinn ihres Alters
sie sich an.

h'Uo begleitest mich doch in die Zeitungs-Expedition?"
9 Bildchen.

seicht "Natürlich!" erwiderte Gisa. „Als ob sich das nicht von
^erstünde. Sind wir denn nicht Inseparables!“

^v>w ' ""i wie lange!" wollte Thildchen eben aus be-
dx„ ^ " Brust fragen, aber sie unterdrückte das Wort und
trjjh ^sser, der es begleiten mochte, um die Freundin nicht
^ stimmen.

”0tntn^Cr ^rummiöe Papa war begrüßt, das Frühstück ge-
Alt^ 9 dann verließen die Mädchen das Haus, um des
'iustrag z>, bestellen.

«v .

sich ^ einer schmalen Seitengasse der inneren Stadt befand
' isirpeditionslokal. Eine dichte, den engen Raum weit
^ e„de Menschenmenge drängte an den Bnreautisch, als
sne„ Mädchen eintraten.

iu ^ verschiedenartigsten Interessen wurden hier verfolgt und
sog ^ gefördert. Da wollte Jemand inseriren, dort eine Per-
"'kuuft erhalten; Herzens- und Geldangelegenheiten wur-

den mit demselben Eifer betrieben, wie ein in Verlust gerathener
Hund von den Leidtragenden angezeigt ward. Alte Möbel und
neue Leidenschaften, indiscrete Gläubiger und discrete Geburts-
helferinnen, verlassene Witlwen und hcirathslustige Junggesellen,
baufällige Häuser und unterstützungsbedürftige Kunstjnngerinncn,
Alles suchte hier sein Heil zu finden.

Den armen Schreibern guoll der Dienstschweiß in schweren
Tropfen von der Stirne und manches unmuthige Wort wurde
den anstürmenden Kunden entgegcngeschleudert.

Die beiden Mädchen nahten schüchtern deni Einen der
J Aergerlichen, indem Thilde die couvertirte Annonce Papa's
I überreichte.

„Inseriren?" frag er sie barsch.

„Ja," antwortete Fräulein Fröbel.

„Drüben!" schrie ihr der grimmige Schreiber zu, indem
er wüthend hinzusetzte: „Als ab die Leute nicht wüßten, wo-
hin sie gehörten!" Dabei wies er mit zorniger Gcbcrdc auf
das durch eine Holzwand getrennte Nebenlokal.

Gisa warf dem allzu unliebenswürdigen Wegweiser einen
bitterbösen Blick zu, indem sie mit schmollendem Mäulchen flü-
sterte: „Ist das ein abscheulicher Mensch!"

In dem bezeichneten Seitenlokale saß ein hübscher, junger
Mann mit freundlichen, zuvorkommenden Manieren, dieser
nahm Thildcns Brief artig an sich, las, tarirte und forderte
schließlich eine gewisse Summe als Jnsertionsgebnhi.

„Wünschen Sic die Offerte in fetter Schnst gedruckt?" .
srng der Expeditor. ^

„Ich weiß das wirklich nicht," murmelte thilde leicht er- !
röthend, während die mit dem Tageslichte kühn gewordene Gisa
spöttisch eiferte: „Ach, warum nicht gar! Fette Schrift für ?
dürre Käfer, 's lohnte wohl der Mühe.

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