Fliegende Blätter — 65.1876 (Nr. 1615-1640)

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Die beiden Ajax.

Antwort: „Die beiden Ajax." Man erfuhr dann eine ein-
gehende Beschreibung dieser Käuze: Der mit dem Cylinder auf
dem Hinterkopfe sei der ehemalige Gerichtsadvokat Zwirn und
fein Begleiter, dem der Hut auf der Nase sitzt, der jetzt privati-
sirende Kornwucherer Johannes Hecht. Beide hätten ein
heidenmäßiges Vermögen, seien entsetzlich geizig und hätten einen
Vertrag abgeschlossen, wonach der Ueberlcbcnde den Andern be-
erben solle. Letzteres wäre um so bedauerlicher, als Zwirn eine
arme Nichte, ein bildhübsches Mädchen, bei sich habe, die bei
Lebzeiten viel von seinem Geize leiden müsse und der die Aus-
sicht auf dereinstige Erbschaft wohl zu gönnen tvürc.

Ich hatte auch von der Geschichte gehört; sie interessirte
mich indeß wenig — und war von mir ein paar Tage nach
meiner Abreise von W. wieder vergessen. Zufällig kam ich ein
Jahr später dorthin zurück und beim Begegnen der beiden
Ajax kam mir die Sache wieder in's Gedächtnis; und zwar
deßhalb, weil jetzt Jeder allein seines Weges ging. Ich fragte
einen Bekannten um die Ursache; dieser zog mich in ein Cass
und erzählte mir folgende ergötzliche Geschichte:

„Du wirst Dich des allgemein bekannten Umstandes von
dem gegenseitigen Erbvertrage der beiden Geizkrägen noch er-
innern. Die Nichte des Advokaten Zwirn war damals heim-
lich mit einem meiner Freunde verlobt; dieser war natürlich
über den Vertrag sehr erbost und machte mit seiner Dulcinea
einen Plan, wie es möglich sei, das freundschaftliche Verhältniß
der Alten aufzuheben und sie zur Rücknahme ihrer Unterschriften
zu bewegen. Höre nun, wie dem Schlaumeier das gelungen!

Der Gerichtsadvokat Zwirn sitzt eines Morgens stillvergnügt
bei seinem Schälchen Cichorienkaffee und raucht einen Cigarren-
stnmmel. Oesters wirft er einen spöttischen Blick auf das
gegenüberliegende Haus, wo sein Freund Hecht aus dem Fenster
schaut. Er freut sich über dessen schlechtes Aussehen und malt

In jeder größeren Stadt gibt es Figuren, die durch ihre
^igenthümlichkeitcn auffallend allmählich der ganzen Einwohner-
schaft bekannt, von ihr mit bezeichnenden Namen belegt und so-
zusagen zum Straßeninventar gerechnet werden. In W. gab
es vor einigen Jahren ein Paar solcher Originale, die mau
allabendlich miteinander die große Promenade entlang gehen
iah. Sowohl durch ihre entsetzliche Magerkeit, als ihren schäbigen
Einzug lockten sie das Äuge jedes Fremden auf sich. Ans die
8wge, wer das schöne Paar sei, erhielt man die stereotype

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Die beiden Ujax"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Harburger, Edmund
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Mann <Motiv>
Abmagerung
Brille <Motiv>
Bekanntheit
Regenschirm
Spaziergang <Motiv>
Seltsamkeit <Motiv>
Karikatur
Lumpen
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 65.1876, Nr. 1620, S. 41 Universitätsbibliothek Heidelberg
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