Fliegende Blätter — 82.1885 (Nr. 2058-2083)

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Sie kennt kein Erbarmen. Und ist der Gemahl
Auch Sänger, — dann bist Du verloren.

Dann schmettern nun Beide allzumal
In Deine gemarterten -Ohren:

Duett auf Duett! Wenn der Hahn schon kräht
Noch lauter, als hier beide Gatten,

Und Du flehentlich mahnest: „Es ist schon sehr spät!" —
Beginnen sie kaum zu ermatten.

Warnung.

Noch zum Abschied ein Sang! - „O welcher Genuß!
Du heuchelst gairz kraftlos Entzücken
Und empfindest es wahr, als den Obolus
In die Hand Du dem Mädchen darfst drücken.

Noch am anderen Tage wird fürchterlich
Dein Nervensystem nachvibriren;

D'rum, Freund, übe Vorsicht und hüte Dich
Vor Familien, die selbst musiciren!

Ein Tag bei den M o r m o u c n.

(Schluß.)

Ich bat und beschwor, mich doch
für diesmal noch am Leben zu lassen,
und als ich endlich glücklich frei kam,
wankte ich förmlich gliederlahm, gedrückt
und gequetscht, nach meinem Zimmer,
um mich in den Hochzeitsstaat zu werfen.

In aller Eile fuhr ich sodann zu
dem siebenfachen Gatten und half ihm,
ein Achtfacher zu werden — eine Feierlich-
keit, die ihre erhebende Wirkung auf mich
keineswegs verfehlte.

Heiter und guter Dinge setzte man
sich zum Mahle. Ehe dies; jedoch be-
endigt war, wurde ich durch die Meld-
ung überrascht, daß meine Anwesenheit
zu Hause dringend gewünscht werde.

Natürlich folgte ich pflichtschuldigst sofort
diesem Rufe.

Als ich mich meiner Behausung
näherte, schallte mir schon von weitem
ein verworrenes Lärmen aus derselben
entgegen, das ich mir nicht enträthseln konnte. Hincingelangt,
klärte es sich auf, daß die dringlichen Gründe, wegen deren
meine Rückkunft gewünscht wurde, in einer solennen Masfen-
zänkcrei bestanden, welche zwischen meinen Frauen, dreien meiner
Schwiegermütter und den Dienstboten dieser beiden Verwandt-
schaftskategorieen ausgebrochen war.

Ich that, was ich thun konnte, das hitzige Gefecht zum
Stillstände zu bringen. Mit mir bemühten sich in gleichem
Sinne drei andere Herren, die ich nicht kannte, die mir aber
so vvrkamcn, als ob ich sic schon gesehen hätte, und unsern
vereinten Bemühungen gelang es, den Kampf nach und nach
enden zu lassen.

Ich erkundigte mich hierauf bei einer meiner theurcn Lebens-
gefährtinnen, wer wohl die drei menschenfreundlichen Fremden
seien und erhielt die Auskunft, daß es Brüder einiger meiner
Angesiegelten seien, die ich doch kennen müßte. Ich entschuldigte
mich mit meinem schlechten Gedächtniß so gut es ging. Lieber
Gott, wer kann denn auch in meiner Lage sich die Gesichter
der leiblichen Verwandten feiner Frauen merken! Natürlich be-
eilte ich mich nun, meine lieben Verwandten zum Essen einzu-

ladcn, und sic machten mir die Freude, zur Vervollständigung
meines acht Meter langen Familicntisches zu bleiben. WÜ
aßen in einem großen Saal, dennoch wurde uns derselbe zu
klein, da meine lieben 29 Sprößlinge mit ihren Bonnen und
Wärterinnen an Geburtstagen, einem schönen Familiengebrauch
gemäß, mit uns zusammen speisten, was natürlich einen uw
geheuren Raum beanspruchte.

Ich überließ mich hierauf ein wenig der Mittagsruhe,
konnte aber nicht schlafen, weil meine lieben Neunundzwanzig
im anstoßenden Zimmer einen Höllenlärm vollführten. S»
arg war mir das Geschrei noch nie erschienen! Ich erkundigt
mich später nach der Ursache, wobei es sich freilich aufklürtc-
dnß die elf oder dreizehn meiner Kleinen, die noch unter fü»!
Jahren waren, kurz vorher geimpft wurden und davon zu»'
Theil so stark am Jmpffieber litten, daß unser Hauskindc»'
arzt sammt seinem Assistenten sich für mehrere Tage bei uw
einquartirt hatten, um ihre Besuche nicht immerfort wieder
holen zu müssen.

Ich hatte mich in Folge dieser Störung meines Schläfelst»'"
rascher als gewöhnlich erhoben und trat in das Zimmer meiw

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein Tag bei den Mormonen"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel Serientitel
Fliegende Blätter
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Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Albrecht, Henry
Entstehungsdatum (normiert)
1884
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild Digitales Bild
Rechtsstatus
CC BY-SA 4.0 CC BY-SA 4.0
Creditline
Fliegende Blätter, 82.1885, Nr. 2062, S. 34 Universitätsbibliothek Heidelberg
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