Fliegende Blätter — 99.1893 (Nr. 2501-2526)

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190 Aus der 9titterzeit.

Früher mar es doch viel besser! Kam man da etwas angeheitert spät
nach Hause, brauchte man nur zu recognosciren, welche Stimmung herrschte.
War diese schlecht, so ließ man einfach das Visir herunter, und der Sturm

ging, dank der eisernen Rüstung, spurlos vorüber.

Vertrauen.

ADer bis in's hohe Lebensalter
Humor sich hat und Herz bewahrt,
Dem magst du sorgenlos vertrauen,
Dess' Treu' ist keine Redensart;
Denn solche Schätze, die verlieh
Die Gottheit bösen Menschen nie!

Dr. v. Nadler.

Gemüthlich.

Beamter (einem Herrn einen Paß
ausfertigend): „Ach, da schreibe ich jetzt
irrthümlich „Haar schwarz", anstatt
„blond"! Hm, was machen wir jetzt
da! . . Halt, ich hab's: Sie müssen sich
das Haar färben!"

Spccnlativ.

Erster Dien st mann: „. . Was, Du kaufst Dir ein Blumcnbouquet?"
Zweiter Dicnstinanu: „Ja, aber das bring' ich hinauf zu der ältesten
Geheimrathstochtcr. Wenn ich Der sage, ein junger Herr hat es mir für sie
gegeben, da schenkt sic mir gleich so viel Trinkgeld, daß das Bouquet dreimal
bezahlt ist!" _

Ai acht der Gewohnheit.

Student (auf Ferien daheim): „..Die Thurm-
uhr ist ja fort!" — Bürgermeister: „Wir
mnßtcn sie reparireu lassen!" — Student:
„Wie viel haben Sie denn d'rauf gekriegt?"

Fin de siede.

im Ganze»

Wird cs täglich ans der Welt.

Bon zu vielen Menschenpflanzen
Ist der Garten vollgestcllt!

Eine macht der andern streitig
Grund und Boden, Luft und Licht,

Sich zu schaden gegenseitig
Wird der Selbstcrhaltung Pflicht.

Als noch still bei Unschlittkerzen
Abends die Familie saß,

Und die Lichtputzscheer mit Scherzen
Zu gebrauchen nicht vergaß,

Spärlich war, wie in den Zimmern,

Die Beleuchtung auch der Stadt,

Aber ohne vieles Kümmern
Aß man sich behaglich satt.

Trottoir mit spitzen Steinen
Roch als gutes Pflaster galt,

In geselligen Vereinen

Freut' sich harmlos Jung und Alt.

In den Sitten, in der Mode
Herrschte schlichte Einfachheit;

Auch zur Krankheit und zum Tode
Ließen sich die Menschen Zeit.

Von Poeten und Gelehrten
Ward Reklame noch verschmäht.

Leichter war's berühmt zu werden,

Sci's als Denker, als Poet.

Wenig' helle Geisteslichter
Leuchteten von Haus zu Hans -
Sechzehntausend deutsche Dichter
Weist der ncn'ste „Kürschner" aus!

Was du heute auch ersonnen,

Gestern siel's schon Andern ein.

Was du heut' mit Glanz begonnen,
Morgen wird's veraltet sein.

Unerquicklich ist das Leben,

Nur ein ruheloser Kampf,

Wüstes Hasten, rastlos' Streben
Elektricität und Dampf!

Damals heimliches Behagen,

Reizende Gcmüthlichkeit
Heute rings ein wildes Jagen
Auf dem Feuerroß der Zeit!
Ausbruchdrohcnd grollt der Krater
Wahrlich! Wenn die Wahl wär' mein,
Möcht' mein cig'ncr Urgroßvater
Lieber ich gewesen sein! o. muri«.

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Aus der Ritterzeit"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Hengeler, Adolf
Entstehungsdatum
um 1893
Entstehungsdatum (normiert)
1888 - 1898
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 99.1893, Nr. 2522, S. 190 Universitätsbibliothek Heidelberg
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