aber eine Anſpielung auf die Enite aus dem Erec nur unter Namensnennung
des Dichters?“?.
Ebenſo verhält ſich Wolfram Harimann gegenüber. Auch er glaubt, auf
Enite nur mit dem Hinweis auf Hartmanns Werk anſpielen zu dürfen, wenn
er auch dieſen Hinweis bei Erec ſelbſt nicht mehr für nötig hältres. Sonſt aber
erwartet er von ſeinen Hörern und Leſern das Verſtändnis für ſeinen Spott
über den Rat der Lunete'o- oder etwa für ſeine Anſpielung auf die beiden
Iſalden aus Eilharts Triſtrant'és ohne weiteres. Darf man hierin nicht auch
ein Zeugnis für die geringe Verbreitung des Erec erblicken?
Mehr zu nennen würde ſchon zu weit führen. Es ſei nur noch erwähnt, daß
Hermann von Sachſenheim, dieſer ſpäte Nachzügler, eine wahre Fundgrube
für ſolche Anſpielungen darftellt?°® — ein neuer Beweis für die lange Lebens—
dauer der höfiſchen Dichtung — und daß ſich die Sitte durchaus nicht auf poe—
tiſche Werke im engſten Sinn beſchränkt. Auch der Verfaſſer der Braunſchwei—
ger Reimchronik geſtattet ſich z. B. einen Hinweis auf den wunderlichen Ritt
der Kundrye uz dhem Grale'e.
Dieſe ganze Erſcheinung konnte nur möglich werden, wenn das mittel—
alterliche Publikum ein Mindeſtmaß von Literatur—
kenntniſſen beſaß, über das es jederzeit verfügte. Es gehörte eben zur
adeligen Bildung, höfiſche Poeſie geleſen zu haben und mit ihr vertraut zu ſein,
war ſie doch nicht Angelegenheit individueller Schönheitsliebe oder äſthetiſchen
Genuſſes, ſondern adelige Standespoeſie und ſo weſentlicher Beſtandteil höfi—
ſcher Bildung.
Echter Dichtung kann es ja nicht genügen, in ſchöner Feierſtunde Genuß und
Anregung oder gar bloße Unterhaltung bieten zu dürfen. Sie will ins Leben
eingreifen, wirken, geſtalten, bilden, will ihre Helden als Vorbilder wiſſen und
fordert Nachahmung. Das gilt auch von der mhd. Poeſie, und daß ſie ihr Ziel
erreichte, bezeugen des weitern die mittelalterlichen Vornamen.
Bei der Namengebung pflegt mancherlei mitzuſprechen: der Wohlklang, poe—
tiſche Gründe, Familienſitte, Landesbrauch, nicht zuletzt aber das Beiſpiel ge—
achteter Perſönlichkeiten und gefeierter Helden und jedes Vorbild überhaupt;
denn ſchon ſieht der geheime Wunſch der Eltern das junge Menſchenkind in
ähnlichem Glanz. Zu dieſen Vorbildern zählten auch die Helden der mhd. Dich—
tung, und die Verbreitung des Brauches, die Kinder nach den Geſtalten der
Poeſie zu nennen, legt Zeugnis ab von der Beliebtheit der großen mhd. Dicht—
werke.
So begegnen denn, um aus der Fülle nur einiges zur Verdeutlichung her—
auszuheben, unter dem tiroler Adel des 13. bis 16. Jahrhunderts ein Hilde—
brand von Greifenſtein, Volker von Flachsberg, Wittich von Bozen, Eckart
702 Vers 6308 ff.
708 Parz. 143, 21 ff.; 826, 2of. ;
704 Parz. 253, 10 {f.; 436, 5ff. Beide Male iſt Laudines Wankelmut Gegenbild
zu Sigunes Treue. x
705 Parz. 573, 14ff. Zuſammenſtellung aller Anſpielungen Wolframs bei A.
Schreiber, Neue Bauſteinè (Ot. Forſchungen 7), S. 123
706 Hermann von Sachſenheim, hgb. d. E. Martin (LitB 137), S. 26 ff.
707 hıgb. v. L. Weiland (Mon. Germ. hiſt, Ot. Chroniken II); Vers 8974 f.
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des Dichters?“?.
Ebenſo verhält ſich Wolfram Harimann gegenüber. Auch er glaubt, auf
Enite nur mit dem Hinweis auf Hartmanns Werk anſpielen zu dürfen, wenn
er auch dieſen Hinweis bei Erec ſelbſt nicht mehr für nötig hältres. Sonſt aber
erwartet er von ſeinen Hörern und Leſern das Verſtändnis für ſeinen Spott
über den Rat der Lunete'o- oder etwa für ſeine Anſpielung auf die beiden
Iſalden aus Eilharts Triſtrant'és ohne weiteres. Darf man hierin nicht auch
ein Zeugnis für die geringe Verbreitung des Erec erblicken?
Mehr zu nennen würde ſchon zu weit führen. Es ſei nur noch erwähnt, daß
Hermann von Sachſenheim, dieſer ſpäte Nachzügler, eine wahre Fundgrube
für ſolche Anſpielungen darftellt?°® — ein neuer Beweis für die lange Lebens—
dauer der höfiſchen Dichtung — und daß ſich die Sitte durchaus nicht auf poe—
tiſche Werke im engſten Sinn beſchränkt. Auch der Verfaſſer der Braunſchwei—
ger Reimchronik geſtattet ſich z. B. einen Hinweis auf den wunderlichen Ritt
der Kundrye uz dhem Grale'e.
Dieſe ganze Erſcheinung konnte nur möglich werden, wenn das mittel—
alterliche Publikum ein Mindeſtmaß von Literatur—
kenntniſſen beſaß, über das es jederzeit verfügte. Es gehörte eben zur
adeligen Bildung, höfiſche Poeſie geleſen zu haben und mit ihr vertraut zu ſein,
war ſie doch nicht Angelegenheit individueller Schönheitsliebe oder äſthetiſchen
Genuſſes, ſondern adelige Standespoeſie und ſo weſentlicher Beſtandteil höfi—
ſcher Bildung.
Echter Dichtung kann es ja nicht genügen, in ſchöner Feierſtunde Genuß und
Anregung oder gar bloße Unterhaltung bieten zu dürfen. Sie will ins Leben
eingreifen, wirken, geſtalten, bilden, will ihre Helden als Vorbilder wiſſen und
fordert Nachahmung. Das gilt auch von der mhd. Poeſie, und daß ſie ihr Ziel
erreichte, bezeugen des weitern die mittelalterlichen Vornamen.
Bei der Namengebung pflegt mancherlei mitzuſprechen: der Wohlklang, poe—
tiſche Gründe, Familienſitte, Landesbrauch, nicht zuletzt aber das Beiſpiel ge—
achteter Perſönlichkeiten und gefeierter Helden und jedes Vorbild überhaupt;
denn ſchon ſieht der geheime Wunſch der Eltern das junge Menſchenkind in
ähnlichem Glanz. Zu dieſen Vorbildern zählten auch die Helden der mhd. Dich—
tung, und die Verbreitung des Brauches, die Kinder nach den Geſtalten der
Poeſie zu nennen, legt Zeugnis ab von der Beliebtheit der großen mhd. Dicht—
werke.
So begegnen denn, um aus der Fülle nur einiges zur Verdeutlichung her—
auszuheben, unter dem tiroler Adel des 13. bis 16. Jahrhunderts ein Hilde—
brand von Greifenſtein, Volker von Flachsberg, Wittich von Bozen, Eckart
702 Vers 6308 ff.
708 Parz. 143, 21 ff.; 826, 2of. ;
704 Parz. 253, 10 {f.; 436, 5ff. Beide Male iſt Laudines Wankelmut Gegenbild
zu Sigunes Treue. x
705 Parz. 573, 14ff. Zuſammenſtellung aller Anſpielungen Wolframs bei A.
Schreiber, Neue Bauſteinè (Ot. Forſchungen 7), S. 123
706 Hermann von Sachſenheim, hgb. d. E. Martin (LitB 137), S. 26 ff.
707 hıgb. v. L. Weiland (Mon. Germ. hiſt, Ot. Chroniken II); Vers 8974 f.
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