Zeitung der 10. Armee — Wilna, 2.Oktober - Dezember 1917

Seite: 2140
DOI Heft: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/feldztg10armee1917/0222
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Alte H*r riiccIcr»ftAn f ganzen Krieges und einer bestimmten Zeit naeh-i 9. Rassisch-orthodoxes K. (der sehrig« QtiesB»

, UW * M>»3i»V«CII K«P r»!n P.T«rQi.hTir>n.on nMonhonlan.la i»i KUla. !hnllr«n int rMe KMita« für Hin Füß« des Gekreuziff-

Geheimdiplomatie

Die bolschewistischen Enthüllungen werden Minister des Aeußeren, da8, weil die Verbands
fortgesetzt Nach einem Drahtbericht der Stock- mächte offenbar die Sicherheit. Griechenlands
holmer Zeitung Dagens Nyheter sind folgende, nicht zu verbürgen wünschten, das Kabinett Gu-
Schriftstücke veröffentlicht worden: i naris beschlossen habe, weiterhin Unparteilich-

L Ein geheimes Telegramm des russischen Ge-1keit zu bewahren. (Fortsetz, folgt)

sandten in Stockholm, Gulkiewitsch, vom 15. 10.
1917. Die Regierung Kerenskis hatte beabsichtigt, j
gelegentlich gleichsam infolge eines Irrtums das
Gepäck des schwedischen Kuriers zu öffnen. Der \
Gesandte rät dringend davon ab, diese Absicht
auszuführen: „Infolge der krankhaften Eitelkeit
der Schweden wurden wir riskieren, daß das neue
Kabinett mehr als das vorherige gegen nns Stel-
lung nehmen würde. Wir müßten dadurch Vor-
teile verlieren, die wir durch den Begierungswech-
sel erwarteten."

2. Ein geheimes Telegramm des russischen Ge-
sandten in Stockholm vom 18. 8. 1917 betr. Bran-
ting. Dieser war wegen der Paßverweigerung zur
Stockholmer Sozialistenkonferenz zuerst höchst
aufgebracht. Dann beruhigte er sich und erklärte
in einer privaten und streng vertraulichen Unter-
redung dem Gesandten folgendes: „Wenn Kerens-
M, ohne die Konferenz selbst zu verwerfen, mit-
teilen würde, daß er sie augenblicklich für unge-
eignet hält, würde sich der holländisch-skandina-
vische Ausschuß dem unterwerfen." — „Wenn Sie
sich dieser Nachricht zu bedienen wünsehen, bitte
ich Sie, die Quelle geheimzuhalten, um Branting
nicht in schlechtes Licht zu bringen und uns einer
wertvollen Quelle zu berauben."

3. Ein geheimes Telegramm des Ministers des
Aeußern Terestschenko an den russischen Ge-
schäftsträger in Paris vom IL 9. 1917, das auch
nach London und Rom mitgeteilt wurde. Darin
heißt es: „Die Ihnen von Ribot anläßlich seiner
Kammererklärung über das Februarabkommen
betreffend die Ostgrenzen Frankreichs gemachten
Versicherungen sündigen leider durch ihre nicht
völlige Aufrichtigkeit". Der Minister wendet
sich dann gegen den französischen Vorschlag, die
vor dem Kriege von Rußland abgeschlossenen, all-
gemein bekannten Militärabkommen zu veröffent-
lichen, da hierdurch das Verlangen nach Bekannt-
gabe der während des Krieges geschlossenen Ver-
träge hervorgerufen würde. „Indessen wird eine
Veröffentlichung dieser und insbesondere der ru-
mänischen und italienischen Verträge von unse-
ren Verbündeten offenbar für unzulässig gehal-
ten. Jedenfalls beabsichtigen wir, in keiner Weise
Frankreich in dieser Sache Schwierigkeiten zu be-
reiten und Ribot in eine noch peinlichere Lage zu
versetzen. Um indessen für die Zukunft Mißver-
ständnisse, wie sie dank seinen Mitteilungen schon
zweimal in der Kammer vorgekommen sind, zu
vermeiden, ersuche ich Sie, die französische Re-
gierung offiziell darauf aufmerksam zu machen,
daß seitens Rußlands einer Veröffentlichung sämt-
licher vor wie während des Krieges geschlossenen
Abkommen keine Hindernisse in den Weg gelegt
werden, falls die Einwilligung der beteiligten
Verbündeten vorliegt."

4. Ein Geheimschriftstück .Teilung Kleinasi-
ens' vom 21. 2. 1917 an London und Petersburg ge-
geben: „Die britische, französische und russische
Regierung haben ein Abkommen getroffen betref-
fend die Neueinteilung ihrer künftigen Einfluß-
gebiete und Gebietserweiterungen in der asiati-
schen Türkei, sowie auch betreffend Schaffung
eines unabhängigen arabischen Staates oder eines
Staatenbundes innerhalb Arabiens. Das Abkom-
men geht allgemein dahin: Rußland erwirbt fol-
gende Gebiete: Erzerum, Trapezunt, Wan und Bit-
Iis, sowie Südturkestan •— Linie Muschasar—Di-
nemar—Amalia—persische Grenze . . . Großbri-
tannien erwirbt den südlichen Teil von Mesopota-
mien mit Bagdad und bedingt sich aus in Syrien
den Hafen Haifa und den Hafen Akka . . . Zum
Schutze der religiösen Interessen der verbünde-
ten Mächte wird Palästina mit den heiligen Stät-
ten vom türkischen Reich abgetrennt . . ."

5. Einziehung Griechenlands in den Krieg. Am
22. 11. 1914 haben die Gesandten Rußlands, Eng-
lands und Frankreichs der griechischen Regierung
in Athen erklärt, daß Griechenland den südlichen
Teil Albaniens erhalten würde mit Ausnahme Va-
lonas im Falle eines sofortigen Auftretens zur
Hilfe Serbiens. Für ein sofortiges Auftreten for-
derte Venizelos ,die feste Bürgschaft Rumäniens'
gegen einen Ueberfall der Bulgaren auf Griechen-
land. Diese Bürgschaft ist von Rumänien nicht
gegeben worden. Infolgedessen hat Griechenland
Serbien keine Hilfe geleistet, und das Angebot
verlor seine Kraft.

6. Angebot von Landerwerb in Kleinasien an
Griechenland. Am 12. 1. 1915 hat der englische
Gesandte in Athen auf Weisung seiner Regierung
Venizelos erklärt, daß, wenn Griechenland bei
einem neuen Angriff Deutschlands auf Griechen-
land (soll wohl heißen: Rußland) diesem zu Hilfe
komme, die Verbandsmächte Griechenland wich-
tige Erwerbungen an der Küste Kleinasiens zuer-
kennen würden. Am 21. 1. hat Venizelos dem bri-
tischen Gesandten in Athen die griechischen Wün-
sche in Kleinasien mitgeteilt. Die Verhandlun-
gen wurden aufgehalten durch die Unterhandlun-
gen betreffend das Eingreifen Bulgariens und un-
terbrochen durch den Rücktritt von Venizelos. Am
30. 3. haben die Gesandten der Verbandsmächte die
Unterhandlungen, die die Bereitwilligkeit der Re-
gierungen Rußlands, Frankreichs und Englands
ausdrückten, Griechenland im Falle eines Auftre-
tens gegen die Türkei das Wilajet Aidin zu
sichern, wiederaufgenommen mit dem mündlichen
»Hinzufügen, daß das Angebot nichtig sein würde,
falls Griechenland nicht unverzüglich seine Ein-
willigung zum Eingreifen in den Krieg erkläre.
In der Antwortnote hat das Kabinett Gunaris am
1. 4. seine Einwilligung zum Eingreifen in den
Krieg erklart, und zwar sofort, wenn die Ver-
bandsmfichte bereit sein würden, gemeinschaftlich
mit den griechischen Truppen die militärischen
Unternehmungen gegen die Türkei zu beginnen.
Das Eingreifen in den Krieg wurde abhängig ge-
macht von der förmlichen Verbürgung für di« Un-
vereehriheit Griechenlands unter Einschluß des
nördlichen Epirus und der Inseln während des

her. Die Erwerbungen Griechenlands in Klein- j balken ist die Stütze für die Füße des Gekxeuzig-
asien und anderen Gebieten müßten Gegenstand
(einer späteren Prüfung sein. Am L 5. erklärte der

Soldatenheitn der Armierungskompagnie in S.

In der Schusterbude war's. Der Fußbe-
kleidungskünstler hatte sich für seine freien
Stunden sein Wimmerholz aus der Heimat schik-
ken lassen und raspelte (was ja zu seinem Hand-
werk gehört) allabendlich die schönsten Weisen
von den vier Saiten herunter für alle, die es hören
wollten. Der Erfolg ließ einen seiner Schlaf-
kameraden, einen biederen Maurermeister aus
dem schönen Elsaß, nicht ruhen, und als ihm das
Glück durch Vermittlung des Hamburger Roten
Kreuzes eine herrliche Violine bescherte, war er
tapferer Begleiter. Bald gesellte sich dem Duett
ein Zupfgeigenkünstler zu, und nach und nach
zwang Frau Musika noch mehrere Kunstbeflis-
sene in den neuen Bund. Dem um das Wohl seiner
Leute besorgten Kompagnieführer waren Ge-
rüchte über diese abendlichen Ruhestörungen zu
Ohren gekommen, und eines Abends belauschte er
heimlich den Schuster mit seinem Anhang. Das
Ergebnis war ein herrlicher Entschluß: wir bau-
ten ein eigenes Soldatenheim, in das diese Ka-
pelle die Grundstimmung hineintragen sollte. Da
bei den Armierern ja so ziemlich alle Berufe ver-
treten sind, fand sich auch bald ein Musikus mit
akademischer Ausbildung, der den .musikalischen
Aufbau' in die Hand nehmen konnte. Für den
Aufbau des Heims sorgte nun der Kompagnie-
führer und mit ihm die unermüdliche Kompag-
niemutter.

Und endlich — allen Wartenden viel zu spät
— konnte das Soldatenheim für die Armierunsjs-
kompagnie in S. am 5. November 1917 seiner Be-
stimmung übergeben werden. Der Bataillonskom-
mandeur, Oberstleutnant v. Lindstedt, ließ es sich
nicht nehmen, persönlich der Einweihung bei-
zuwohnen. Entzückt von dem herrlichen Giebel-
hau, der einfachen, aber ansprechenden inneren
Einrichtung und den gebotenen musikalischen
Genüssen gab er in kurzen und markigen Worten
seiner Befriedigung Ausdruck. Dann kam schäu-
mender Gerstensaft, Freibier sogar, auf die
Tische, und bald verbreitete sich ungezwungene
Heiterkeit und Gemütlichkeit unter den Teil-
nehmern. Ein Vizespieß versuchte sich in einigen
Rezitationen, und die Streichkapelle leistete ihr
Bestes. Inzwischen bot noch der Bataillonskom-
mandeur eine angenehme Abwechslung durch
einen Vortrag über seine Reise nach Riga und
Libau, in dem er in klarer Weise — sich oft durch
humoristische Einfiechtungen unterbrechend —
den Eindruck, den diese beiden deutschen Städte
auf ihn gemacht, schilderte.

Musik und Becher klang hielt die Kameraden
noch, recht lange zusammen; es darf sogar ver-
raten werden, daß auch die Dorfschönen, ange

ton); 10. Krückenkreuz; IL Ankerkreuz;

12. 13.
12. Kloeblattkrenz; 13. Wiederholtes K;

15. 16. 17.

14. Schächerkreuz, 15. Tatzenkreuz; 16. Breit«
randiges Kreuz; 17. Nagelspitzkreuz;

16. 19. 20.

18. Halbkrückenkreuz; 19. Hakenkreuz; 20. An-.

dreaskreuz.



Unser Spaten







3. Julmond (Dezember)

1854 gest. in Weimar der Bibliothekar Joh. Peter
Eckermann, Herausg. der .Gespräche mit
Goethe'.

1857 gest. in Dresden der Bildhauer Christian

Rauch.

1866 gest. in Berlin General Ernst v. Pfuel, der
Freund Heinr. v. Kleists u. Begr. der ersten
militärischen Schwimmanstalten.

1870 Schlacht bei Orleans.

1915 Einschließung engl. Truppen unter Towns-i
end bei Kut-el-Amara.

4. Julmond (Dezember)
1409 Gründung der Universität Leipzig.

1642 gest. in Paris Kardinal Richelieu, Franko
reichs größter Minister.

1795 geb. in Schottland der Sozialethiker u. Ge-
schichtsschreiber Thomas Carlyle, Verehrer
Goethes und Schillers.

1798 gest. in Bologna der ital. Naturforscher Luä gl
Gralvani, Entdecker d. Berührungselektrizität

187Ü Eroberung von Orleans durch Prinz Friedrich
Karl.



Antreten!

............1





Deutsches Theater Wilna: So. 3J4 Uhr: Strom;
abds.: Soldat der Marie; Mo.: Hedda Gabler; Di.:
Tolle Komteß; Mi.: Fahrt ins Glück; Do.: Fidele
Bauer; Fr.: Kater Lampe; Sbd.: Polenblut. Anf.
8 Uhr.

Soloquartett Prof. Röthig in Wilta: So. 5 Uhr

, Deutsehe Kirche, Deutsche Str. 9, zum Besten
lockt durch* das ungewohnte Treiben, zuerst diel einer Weihnachtsbescherung armer Kinder dor

Fenster belagerten, und dann, freundlicher Ein-1 deutschen Gemeinde. Eintr. 20 Pf., Altarplatz

ladung folgend, sich auch das Innere anzusehen
wagten. Schließlieh kam es sogar zu einem regel-
rechten Tänzchen, bei dem sich die Panjenkas als
recht gelehrige Schülerinnen zeigten. Sie schwär-
men jetzt für den deutschen Walzer, und zum
Dank führten sie noch einige ihrer heimischen
Tänze vor, die lebhaften Beifall fanden.

So haben wir nun fast schon einen Monat un-
ser schönes Soldatenheim, das e'ch allabendlich
mit Kameraden von nah und fern füllt, die ihre
Zeitungen lesen, ihre Briefe schreiben oder auch
den unvermeidlichen Skat oder Schafskopf
dreschen. Am schönsten aber sind die Sonnabende
und Sonntage. Da gibt's Vorträge und musikali-
sche Genüsse. Und tapfer hält dann jedesmal un-
ser Kompagnievater von Beginn bis Schluß aus
und gibt den Kameraden das beste Beispiel von
treuer Pflichterfüllung und herzlichster Kame-
radschaft.

Ordonnansmappe

*«««•«

Kreuzseichen. Lt. Br.

u ins

1. 2. 3. 4.

1. Lateinisches Kreuz; 2. Griechisches K.;
Swastika-K.; 4. Henkel-K.;

5. 6. 7. 8.

5. Lothring. K. (es ist dasselbe K., das im litau-
ischen Wappen der Schild des Reiters trägt, und
zwar seit der Heirat Jagellos mit der polnischen
Königin Hedwig, einer ungarischen Prinzessin
aus dem Hause Anjou. Auch Ungarn führt das
lothringische K. in Wappen); 6. Doppel-K.;
7. Päpstliches K.; 8. Antoniuskreuz;

50 Pf. Verkauf der Eintrittskarten von 4 Uhr an
v. d. Eingang.

Deutsches Soldatenheim Wilna, Georgstr. 9:
So. 4—5 Uhr Militärkonzert; 7 Uhr Soloquartett
Prof. Röthig. — Mo. 7 Uhr Vortrag Lt. Prof. Dr.
Kolbe: „Die gegenwärtige Lage."

Deutsches Soldatenheim Soly-West: So. 7 Uhu
zwanglose Abendunterhaltung. — Mo. 8 Uhr Licht-
bildervortrag Div.-Pf. Dr. Schubert: .Weihnachten
in der Kunst'.



Durchsagen!







Bedingt durch die Papierknappheit erscheint
durch Verfügung von Obost die A.-Z. von heute
an nur noch 3mal wöchentlich (So., DL, Fr.) acht-
seitig und an den übrigen 3 Erseheinungstagea
(Mi., Do.. Sbd.) vierseitig.

»1 •!
ft Ate willkommene I»

| cTPeif)narf)tsQabe |

f>oltet~lüappe I

12 "farbige 'Kuttjtblättet |

I« -.......■................. |i

•J wird die in menigen lagen im Derlage der •!

1J geitang der 10. Armee erfebeinende , ¥j

•1 - m ^»i.«n •!

§


»1
?.»
•j

\' oomftriegsmaler Alfred fjoHet freudige Aufnahme \'

•I finden. Die Kunftblätter ä«8«n in künftletifcb oo((* *S

C» endeter Ausführung Bilder oem TOilna. Oie Blätter =•

ll find anf dunklen Karton gelegt und au einer JRappe »J

fi oereinigt =j

»J (Sröfie der ©Uder 10X15 cm, des Kartons 1TX23 cm »J

% $rcls 2,30 SItark %

f» Boftgeld und Derpaduutg 20 Bf i

•f Sejtellungen unter gleichseitiger (Einlendung des %£

X Uctirages nimmt die

I fteüutig der 10, Brmee |

| ©eutfefie Jeldooft &il

i| febon Jeljt entgegen.

Her-,«^ 89. Beobachter
loading ...