Der Champagne-Kamerad: Feldzeitung der 3. Armee — 3. Kriegsjahrgang.1916-1917

Seite: 609
DOI Heft: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/feldztgchkam1916bis1917/0609
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Ve»1ase ri»rr» .
LK»»»r»»»IL»sr»eK^L»rr»erao

66>9

Nummer 77

S. Suni ISl7

S. Nrlegsjahr

Leutnant valdamus f

Am 14. April d. Js. fand der Flugzeug-
führer Leutnant der Reseroe Hartmuth Balda-
mus den Heldentod im Luftkampf. Mit ihm
verliert die 3. Armee ihren ältesten und erfolg-
reichsten Flieger.

Hartmuth Baldamus wurde am 10. 8. 1891
in Dresden als Sohn des Großkaufmanns H.
R. Baldamus geboren. Den hervorragend be»
fählgten jungen Menschen zogen schon in den
letzten Jahren seiner Gymnasial-
zeit die Probleme des sich da-
mals durchsetzenden Mafchinen-
fluges in ihren Bann. Aus den
ersten, noch mehr spielerischen
Versuchen im Bau von Flug-
zeugmodellen wurde wtssen-
schaftliche Arbeit, als ihm das
akademische Studium des
Maschinenbaues Freiheit und
wissenschastltche Vorbildung zu
einem emsthafteren Erfassen
der schwierigen Materie gab.

Aus dieser theoretischen Zeit
ftines Fliegerlebens hat sich
Baldamus eine Vorltebe für
möglichst wissenschafiliche Be-
handlung aller Fragen in seine
praktische Fliegertäiigkeit mit
hinüber genommen. oie kenn-
zetchnend blieb für ihn und die
Art, in der er seine Erfolge
errang.

Baldamus hatte noch im
Frleden, im FrÜhjahr 1914, in
Johannisthal auf M. B. Taube
fliegen gelernt und die erste
Prüfung abgelegt. Trotzdem
aing er zu Kriegsausbruch als
megsfreiwilliger Fliegersoldat
mtt einer Feldfliegerableilung
ins Feld, nur um schnell heraus
zu kommen. Draußen tat er schlecht und recht seine
Schuldigkeit als Monteur; Gelegenheit sich her-
vorzutun, hatte er erst im Oktober, wo er — wieder
in der Heimat — vor den staunenden Augen
einer ganzen Flieger-Ersatz-Abteilung in seinem
Monteurkittel eine alte „Verbrecher"-Maschine
bestieg und mit ihr Kurven drehte, wie sie der
Flugplatz noch nicht gesehen hatte. Von dem
Tage an war seine Laufbahn gesichert, und er
kam am 3. März 1915 als Flugzeugführer zu
einer Feldflieger-Abteilung der 3. Armee. Hier
hat er erst im Aufklärungsflugzeug, dann als
Jagdflieger hervorragenden Anteil gehabt an der
Luftwacht in der Champagne und sich in einer
Laufbahn voll glänzender Ersolge den Namen
geschaffen, den im Felde und in der Heimat ein
jeder nur mit heller Bewunderung nennt. Wir
von seinem engeren Kameradenkreis wiffen, wie
rückhaltlos er diese Bewunderung verdtente durch
seine Pflichttreue und seinen schneidigen Angriffs-
geist, verdiente aber auch durch sein unerreichtes
fliegerisches Können, das ihn — unter glücklicherem
Stern — HStte einen zweiten Bölcke werden
laffen.

17 feindliche Flugzeuge fielen seinem Angriff
lum Opfer, der 18. Gegner ritz unterliegend den
Unbesiegten mit in die Tiese und den Tod.
Ein Armeebefehl nennt rühmend seine Verdienste,
wir aber, die wir im Schützengraben so oft
Zeugen waren seiner Siege. und wir, denen
er im engeren Kameradenkreis ein leuchten-
des Vorbild war und sein wird, stehen in
ehrlicher Trauer an der Bahre dteses braven
Kameraden.

Lr war unserer Besten einer.

Sammelt Krrneipklanzen!

Es war noch im Frieden, als mir ein Buch
zu Gesicht kam: „Arzneipflanzenkulturund Kräuter-
handel von Th. Meyer-Colditz, Verlag von Julius
Springer, Berlin." Darin gibt der Verfaffer
eine sehr frlsch und anschaulich geschriebene, aus
eigener Erfahrung heraus entstandene Anleitung
zur vorteilhaften Züchtung, Behandlung und Ver-
wertung der in Deutschland zu ziehenden Arznei-
und Gewürzpflanzen. Zu meinem nicht geringen

^ welch erschreckender Weise wir selbst hinsicht-

auf den Bezug von dem Auslande angewiesen
sind. So kamen, um nur ein Beispiel zu er-
wähnen, von den doch fast wild bei uns wuchern-
den Kamillen jährlich rund 23000 Lx aus Frank-
reich und Belgien zu uns! Ein Bertiner Grotz-
handelshaus schreibt wörtlich: „Dte Einfuhr aus-
ländischer Blüten, Blätter, Wurzelnund Samereien
macht immer weitere Fortschritte, da die inländische
Erzeugung immer mehr abnimmt. Rutzland,
Oesterreich, Jtalien, Belgien und die Vereinigten
Staaten von Nordamerika sind eigentlich die
Hauptlieferanten geworden."

Jst es da nicht vaterländische Pflicht für
jeden guten Deutschen, mit allen Kräften darauf
hinzuwirken, datz die in den besetzten Gebieten
wild wachsenden Arzneipflanzen durch Einsammeln
und zweckdienliche Behandlung nutzbar gemacht
werden?

Unsere weitschauende Heeresverwaltung hat
diesen Gedanken natürlich schon längst in die
Wirklichkeit umgesetzt und entsprechende Ver-
sügungen erlassen. Doch bemerkte ich im ver-
gangenen Jahre zu meinem Leidwesen, datz diese
dankenswerten Sammelvorschriften in weiteren
Kreisen recht wenig bekannt sind und nicht immer
sinngemäh ausgeführt wurden. Oft lag es auch
daran, datz die Sammler dle betreffenden Pflanzen
nicht richtig kannten oder in ihrem Uebereifer
nicht wutzten, was aus des Herrgotts Kräuter-
garten zum Sammeln sich eignet. So geschah
es, datz viel guter Wille nutzlos verschwendet

grauen dringen, vennieden werden.

Für den Bedarf der Heeresverwaltung kommen
laut Verfügung des Herrn Chef des Feldsanitäts-
wesens im Grotzen Hauptquartier (vom 2. 6.
1916 Nr.^ 1178.16^besonders folgende Arznei-

Lindenblüten (k'Iorsg Hliao),
Huflattichblätter (k'olia k'arkarao),
Wollblumen (l-lores Vorbasei).

Autzerdem lohnt sich im
Osten noch das Einsammeln von

Allgemeine Vorschriften:

Das Einsammeln hat nur
bei trockenem Wetter zu ge-
schehen.die gesammelten Blüten-
und Blätter müffen alsbald
in luftigen Räumen zum
Trocknen ausgebreitet werden.
Zu Trockenräumen eignen sich
Getreidespeicher, Fabrikräume,
Scheunen usw. Die Kräuter
werden auf vorher gut gereinig-
ten Futzbödenin dünnen Schich-
ten ausgestreut, nach dem Trock-
nen auf grötzere Haufen gekehrt
und in letchte Fäffer oder Säcke
verpackt. Dann werden sie von
den Einzel-Sammelstellen den
zuständigen Sanitäts-Depots
zugeführt, welche den eigenen
Bedarf zurückhalten und den
Ueberschutz möglichst bald an
das Sanitäts-Depot des Garde-
korps in Berlin absenden. Doch
überlätzt der Sammler das
Trocknen und Versenden der
Arzneipflanzen zweckmätzig den
Sachkennern, das sind dte
Mtlttär - Apotheker bei den
Sanitäts-Kompagnien, Feld- und Kriegs-
Lazaretten, sowie bet den Sanitäts-Depots.
Diefen bringt er baldigst die frischen Blütm oder
Blütter. Bei den Militär-Apothekern kann er
sich auch Auskunft und Rat über alle sonstigen
Fragen des Arzneipflanzen-Sammelns einholen.
Denn diese Arbeit hat nur Zweck, wenn sie
richtig und sachgemätz durchgeführt wird.

Um den Sammeleifer zu fördern, hat die
Mediztnal-Abteilung des Krtegsministeriums
(unterm 24. 6. 16 Nr. 1935/6.16) Preise für die
oben genannten frischen, noch nicht ge-
trockneten Arzneimittel sestgesetzt, die nach-
folgend bet jeder Pflanze angegeben werden.
Diese Pcetse gelten nur sür tadellose Ware.
Die Mittel sind aus Kapitel 29,^Titel 3, des

mhmen, auch sehr willkömmen.

Am Vorteilhaftesten ist es, wenn das Ein-
sammeln planmätzig geschieht, nämlich in Ver-
einbarung der Wtrtschafis-Ausschüffe mit den
Etappen- und Orts-Kommandanten, die mtt
Einwohner- bezw. Kinder-Kolonnen eigene
Sammel-Kommandos btlden und sich betreffs
der Weiterbehandlung des Sammelguies mit
den Militär-Apothekern der nächsten Sanitäts-
Formattonen ins Einvemehmen setzen. Aber
auch jeder Einzelne, der Lust und Liebe zur
Sache, Geduld und etwas freie Zeit hat, kann
dieses vaterländische Werk durch persönliche Mit-
arbeit fördem helfen.

Die nachfolgenden Beschreibungen sind zum
Teile dem eingangs erwähnten Buche von
loading ...