Deutsche Kriegszeitung — 1917

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FUirftrrerte Wochen-AuHyabe

H e r a u S g, e y e b s r» v o rr»

Serltner SokutEAn^eiyer


klus grofzer Zeit.

von einem alten preußischen Gsfizier
6XXX.

Winkerkämpfe in Wesk und l)st.

werden keine Winterqnartiere be-
ziehen", erklarte nnser chindenburg
einem ausländischen Jnterviemer, und
die Heerführer in Ost und West haben
nicht lange Zeit verloren, um dem Feinde
klarzumachen, daß sie in echt chindenbur-
gisch-Ludendorfsschem Geiste zu handeln
verstehen. Beim westlichen Kriegsschau-
platz beginnend, haben wir dabei zunächst
bie hervorragenden Ereignisse

im Defehlsbereiche des Generals
v. Fran<?ois

zu betrachten. Die Leser unserer Kriegs-
geschichte werden sich noch entsinnen, wie
die Kuppe der Höhe 30-k, die mestlich der
Maas schon allein durch ihre Beherr-
schung der Bahnlinie eine grohe Bedeu-
tung besitzt, genommen wurde. Auch der
Tote Mann, der mit dieser Höhe in
einem Atem genannt werden muß, blieb
natürlich nicht von neuen Kämpfen ver-
schont. Am 24. Januar abends ent-
wickelte sich dort eine rege Kampftätig-
keit, die aber offenbar von uns ausging;
denn am nächsten Tage stürmten ini Ab-
schnitt des Generals der Jnfanterie
v. Fran^ois unter dem Befehl des Gene-
ralleutnants v. dem Borne westfälische
und Teile badischer Regimenter, von Ar-
tillerie, Pionieren und Minenwerfern
bestens unterstützt, von den auf der Höhe
304 noch in Feindeshand befindlichen
Gräben ein Stück von 1600 Meter Breits
und machten dabei nicht nur 12 Oifiziere
und 500 Mann zu Gefangenen, fondern
erbeuteten auch 10 Maschinengewehre.
Dieser neue Angriff mar begreiflicher-
weise für den Gegner ein sehr empfind-
licher, aber wer Sie Westfalen und Ba-
denser kennt, mird nicht weiter darüber
erstaunt sein, daß sich der Feind im
nächtlichen Gegenaiigriff blutige Köpfe
holte. — General v. Fran^ois wußte
aber, was er seinen „Hacketauern" zu-
muten konnte. Hatte der Gegner ge-
dacht, daß sich die deutsche Tätigkeit auf
die chöhe 304 beschränken werde, so
täuschte er fich. denn auch am „Toten
Mann" und nordöstlich von Avoeourt ge-
langen die von uns angesetzten Unter-
nehmungen. Gegenangriffe des FeindeZ
blieben auch diesmal erfolglos. Aber
der Feind wollte und konnte sich nicht

zufrieden geben. Seine Niederlage in
der Nacht belehrte ihn nicht. und so holle
er sich auch am 26. Jnnuar bei Tage-
einen blutigen Mißerfolg auf der chöhe
304. — Was am 28. Fanuar geschah,
dns mollen wir hier in den eigenen
Worten des siegreichen Feldherrn nieder-

Drei Uhr 15 Minuten nachmittags brach
feindliche Jnfanterie auf der ganzen
Front zum zweiten Angriff vor, wurde
aber durch Jnfanterie-, Handgrnnaten-
und Sperrfeuer zurückgeworfen.

Ein dritter Angriff um 3.40 nachmit-
tags kam in unserem wirksamen Ver-

vec an Borcl ctes Torpeäodoots „V SS" vach cuhmceichem kamps gefallene Zlottillenchef

Uorvettenkapitän Schultz. pbor Nrbabns

legen. General v. Fran^ois meldete
darüber:

„Acht Uhr vormittags setzten die Fran-
zoseit zum Angriff auf unsere neuen
Linien auf Höhe 304 ohne Artillerievor-
bereitung an. Jn unserem gul zu be-
obachtenden Feuer kam der Gegner nur
an einzelnen Stellen aus den Gräben
und wurde abgewiesen.

12 Uhr vormittags begann starkes
feindliches Feuer, das sich 2i Uhr nach-
mittags zum Trommekseuer steigerte.

nichtungsfeuer nur stellenweise aus den
Gräben.

Darauf setzte starkes Artilleriefeuer auf
unsere vorderen Gräben ein: 4 Uhr nach-
mittags erfolgte der vierte Angriff, der
vom Jnfanterie-Regiment 13 und Re-
serve-Jnfanterie-Regiment 109 im chand-
gemenge abgeschlagen wurde. Jnfan-
terie-Regiinent 15 stüimte dem Gegner
aus den eigenen Gräben entgegen und
trieb ihn zurück. Alle Stsllungen sind
restlos gehalten.

Der Gegner hat sehr schwere blutige
Berluste erlitten, während die eigenen
gering sind. Die Stimmung der Trup-
pen ift fiegesfroh und ausgezeichnet."

Wir können dem Führer der tapferen
Brüder verfichern, daß auch wir zu Hause
in siegesfroher Stimmung sind und rufen
den wackeren Westfalen unter seinem
Kommando den alten Schlachtruf zu:
„H a ck e t a u!"

Wir haben die Ereignisse bei den
Truppen des Genernls der Fnfanterie
v. Franpois zuiammenfassend geschildert.
weil sie auf dieser Front oadurch ihre
Tragweite hervorragten.

Sonstige Ereigniffe an der Westfronl

waren ihnen gegenüber unbedeutend
Am 23. Januar war zwar klares Frost-
wetter, aber die 5lampftätigkeit trotzdem
eine gemüßigte. Die Flieger nutzten
die glinftigen Beobachtungsverhültnisse
beiderseits zur Genüge aus, und es
gelang ihnen auch, in Luftkämpfen untei
linterstützung der Abwehrgeschütze Flug-
zeuge herunterzuholen. Außerdem stie-
ßcn fie bis weit hinter die feindlichen
Linien vor und belegten die nördlich von
Nancy gelegenen Hüttenwerke von
Pompey und Frouard, die gleichzeitig
dukch weittragendes deutsches Geschütz
beschossen wurden, ausgiebig mit Bom-
ben. Zweitausendzweihundert Kilo-
gramm Sprengstoff wurden auf die
Werke abgelnden! Selbstverständlich
stiegen auch feindliche Flieger auf, von
denen unsere Flieger acht abschossen. —
Am gleichen Tage schoh Leutnant v. Bü-
low in Flandern 2 Flugzeuge nb, wäh-
rend Lentnant v. Richthofeu bei Lille
mit seinem 17. erledigten Feinde alle
Anftalten mnchte, dem berühmten „Ad-
ler von Lille", Immelmann, gleich zu
werden. Auch in der Champagne zeigte
Leutnant Baldamus den cherren Fran-
zosen durch Abschiehen feines zehnten
Gegners. daß die alte Adlerbrut noch
lebt. Bei Fort Douaumont wurden
gleichzeitig drei weitere Flugzeuge des
Feindes nach hanem Luftkampf erledigt,
und wenn der besiegte Feind Hört, daß

- er dabei den Leutnant Frankl zum Geg-

- ner hatte, der sich hier seinen 15. Gegner
i holte, so weiß er wenigstens, daß er
! einen achrenswerten Gegner hatte.

j Am 24. Januar war es im Artois,
zwilchen' der Ancre und Sonnne und an
! der Aisne artttleristisch cinigermaßen be-
lebt. Auch Erkundigungsabteilungen
^ gerieten aneinander. — Als südöstlich
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