Deutsche Kriegszeitung — 1917

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JUrzstrLerte Woehen-AuSyabe

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Serlinee Koknt-Anxeiyer

Aus grotzer Zeit.

von einem alten preuftischen Gsfiziec.

exi.vii.

Zerbröckelnde Offensiven.

<^>en schwächlichen Teilvorstüßen des
21. Mai an der Aisnesront, bei
denen der Fetnd, wi-e nebenbei bemea-kt
sei, seinern Groll über die ihm oersagten
wirklichen Ersolge durch Beschießen
franZösischer Ortschaften einen uns weni-
ger als feine eigenen Verbündeten
schmerzlich tresfenden Ausdruck gab,
folgte im Verlause des 22., wenn wir von
Hulluch und Bullecourt absehen, eine
Pause, die deutlich genug von dem Ruhe-
bedürsnis des Angreisers sprach, teilweise
allerdings durch schlechtes Wetter hervor-
gerufen sein konnte. Bei den genann-
ten Orten standen die Angrisfe ebenfalls
nicht mehr auf der Höbe ihrer Vorläufer,
denn wenn die Engländer bei Hulluch
auch mit nebelerregenden Granaten und
durch Feuerüberfälle ihren Ansturm vor-
bereiteten, so konnten doch ihre unter dem
Schutz der dndurch erzeugten Deckung
gegen Sicht bis in den oordersten Graben
vorgedrungenen Patrouillen prompt
hinausgeworfen werden, und bei Bulle-
court scheiterten ihr Angriffe, bevor sie
überhaupt soweit gekommen waren.

Das neueste Flieqerbuch!

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der (Zrlebniffe einer Fagdsiaffel in
palästina und in der Wüsie. Mit
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Verlag Augusi Scherl G. m.b.

. Noch wen-iger Angriffslust ent-
wickelte der Feiud am 23. Mai. An
diesem Tage steigerte der Eugländer
zwar sein Artilleriefeuer bei Wytschaete
und auf beiden Ufern der Scarpe sowie
südlich der Strahe Bapaume—Cambrai,
aber es blieb im übrigen bei Patrouillen-
und Vorfeldkämpfen, die zu unseren
Gunften verliefen. Erst am 24. raffte
sich der Gegner bei Loos zu einem durch

geschrumpst, von denen sich die englische
Heeresleitung wohl selbst keine Erfolge
! versprochen hatte und die nicht einmal
! die sür die Beruhigung des englischen
Publikums so unerläßlichen notwendigen
Scheinerfolge zu liefern vermochten.

Das von den Engländern bei Loos am
24. Mai besetzte Grabenstück ging
ihnen übrigens am nächsten Tage wieder
verloren, und der Rest des Engländer-

Genercliselckmarschatt v. Hinckenburg
in ckec Uniform seines k. u. k. österceichisch-ungacischen Ilegiments.

Diese neueste Aufnahme Hindenburgs wird demnächst als Wohlfahrtskarte
für die österreichisch-ungarische Kriegsfürsorge erscheinen.

Artilleriefeuer gut vorbereiteten Angrifs
auf, wobei es ihm allerdings wieder
gelang, bis in unseren vordersten Graben
zu kommen, aber nur, um diesen wieder
bis auf ein kleines Stück durch Gegen-
stöße zu verlieren. Weiter südlich kam es
nur zu Kämpfen mit Erkundungsab-
teilungen, die der Feind vorwarf und
die im Nahkampf geschlagen wurden.
Nordwestlich von Bullecourt waren
seine Massenstürme srüherer Tage
zu Kompagnieoocstößen zusammen-

nestes, das sich dort gebildet hatte, fiel
mit 18 Mann und 3 Maschinengewehren
in die Hände unserer Truppen. Am
Vormittag desselben Tages holte sich der
Feind südwestlich Lens durch zwei blutig
abgewiesene Vorstöße eine neue Schlappe
und beschränkte sich sodann an verschiede-
nen Stellen der Arrasfront auf starkes
Artilleriefeuer, ohne sich zu nochmaligen
J.nsanterieangrisfen aufzuraffen. Vor-
stöße einer englischen Kompagnie an der
Straße Bapaume—Cambrai sowie

Unternehmungen feindlicher Patrouillen
waren zu unbedeutend, um die vorher-
gegangene Munitionsverschwendung der
englischen Artillerie zu rechtsertigen, und
natürlich von vornherein zum Scheitern
verurteilt. Unsererseits zeigten Pa-
trouillen durch schneidige kleine Unter-
nehmungen, die ihney Gefangene und
Maschinengewehre einbrachten, daß der
Ofsensivgeist in unserer zu langer Vertei-
digung verurteilt gewesenen Armee nach
wie vor lebendig ist und lediglich aus die
richtige Gelegenheit wartet, um sich zu
betätigen. — Die stark gesteigerte Feuer-
tätigkeit des Gegners im Wytschaete-
Bogen und an den Ufern der Scarpe ließ
am 26. Mai daraus schließen, daß die
Teiloorstöße, wenn auch nicht die volle
Offensioe, sich wiederholen würden, aber
auch diesmal blieb es bei Erkundungs-
vorstößen südwestlich von Acheville.
Ernstere Absichten des Feindes erkannte
unsere Artillerie in der Bereitstellung
von Sturmtruppen nördlich von Monchy
und verhinderte sie durch ihr Wirkungs-
feuer.

Der 27. Mai

bot dasselbe Bild wie der vorhergshende
Tag. Bei guter Sicht entwickelten sich
zwischen Ppern und Armentieres
sowie bei Hulluch und beiderseits der
Scarpe heftige Artilleriekämpfe, die aber
immer noch ohne die zu erwartend-en Jn-
fanterieangriffe blieben. Nur bei Wyt-
schaete versuchte der Gegner im Dunkel
der Nacht mit mehreren englischen Kom-
pagni-en einen Angrifs und wwrde durch
einen Gegenstoß zurückgeworsen. Ener-
gischer ging der Feind auf dem blut-
getränkten Boden zwischen Cherisy und
Bullecourt vor. H-ier aus beiden Ufern
des Flüßchens Sensee wurde bis in die
Nacht schwer gekämpft. Aber mochte der
Engländer noch so beharrlich seine An-
griffe wiederholen, noch beharrlicher
waren unsere Tapferen in ihrer Aus-
dauer, und eine blutige Schlappe der
Engländer beschloß den Tag. Das ge-
steigerte Artilleriefeuer des Feindes auf
unsere Stellungen im Wytschaete-Bogen
und südlich davon ließ jedoch zusammen
mit den wiederholten Erkundungs-
vorstößen in Koinpagniestärke am
28. Mai erkennen, daß der Engländer
nördlich der alten Kampffront bei Arras
noch eiue Fortsetzung seiner Offensive
beabsichtigt. Wir können ihr um so mehr
mit voller Ruhe entgegensehen, als er
sein Bestes getan hat, um uns auf die
kommenden Ereignisse vorzubereiten.
Aus dep Arrassront herrschte an dem
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