Deutsche Kriegszeitung — 1917

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Mr. 26 - r. Iulr 1917 Preis Pfennig

Mlustrrerte Wockien-AuKscrbe

H e 17 cr u S y e g e b e r» v c» rr»

Serliner KokutEAnzeiyer

klus grotzer Zerl.

Voa emem alten pceuhischen Gsfiziec.

6I.I.

Größece Ruhe auf dem kriegsschauplah.

Wenn wir den Ausdruck Ruhe ge-
brauchen, sc> geben wir damit nur den
Gesamteindruck des Zustandes in den'letz-
Len Tagen im Vergleich zu der vorherge-
Kangenen regen Osfensivtätigkeit des
Heindes an der West- und Südsront
wieder, ohne sagen zu wollen, dah die
kbliche Kampftätigkeit der Artillerie und
der Jnfanterie, soweit Teilunter-
nehmungen in Betracht kommen, eben-
falls eingeschlafen wäre. Es liegr auch
keine Veranlassung zu der Annahme vor,
daß der Gegner seine Ossensivabsichr ganz
und gar aufgegeben habe. Es ist im Ge-
tzenteil aus der Bewegung bei den Eng-
ländern deutlich zu erkennen, dah diese
wenigstens noch weitere Angrisse planen.
Lebhafte Artillerietatigkeit, Erkundungs-
vorstöhe und schwächere und stärkere An-
igrisfe, wie z. B. der Angriff vom 24. Iuni'
bei Hulluch, der ganz besonders blutig ab-
gewiesen wurde, weisen ebenso aus eine
Fortsetzung der englischen Bemühungen
hin wie die beobachteten Verschiebungen
innerhalb der Front.

Bemerkenswert ist dabei, dah die Fran-
tzosen ihre letzte Division, die sie noch auf
dem nördlichen Flügel links von den Bel-
fgiern in der Front stehen hatten, durch,
die Engländer ablösen ließen, so dah diess'
vunmehr in dem Küstengebiet, in dem sie
sich bekanntlich in aufsälliger Weise häus-
kich niederlassen, auch das letzte sran-

S o e b e n e r s ch l e n

Crompton

U 41 --rr zweitr
Saralong-Zall

Vsn Oberleutnant zur Sse
L r 0 M p t 0 N

stnser aerechter Zorn über die heimtückische Äernichtung
Yieses U-Boots unter Mißbrauch der neutralen amerika-

dem e nzlg überlebenden Offizier Räheres über das Ver-
drechen erfahren und von ihm hören, wie England die
trtzten Zeugen feiner Schandtat zu beseitigen oersuchte.

Mlt acht Btldrrn
Preis ^ Mark

Ltrrlar Augu^Sch-rl D. B-rl^

zöstsche Militär aus der Landesoer-
teidigung verdrängten.

Jm allgemeinen ist bei den Franzosen
ein starkes Nachlassen der Kampslust zu
verzeichnen, wie dies ja bereits in der
Außerung PainlevLS über die Einstellung
der Offensive erkannt wurde und durch
Briefe frcmzösischer Soldaten, die in un-

sranzösischer Offiziere und auch einiger
russischer Führer, eine Offensive in Gang
zu bringen, bisher nur zur Steigerung
der Artillerie-, Flieger- und Patrouillen-
tätigkeit geführt.

Was Jtalien anbetrifft, so scheinen auch
dort die gewaltigen Verluste den Feind
zur Ruhe gebracht zu haben, die besonders

Hauptrncinn unck Stcisseisühcer Sranclenburg,
cker ckas Geschwacler cleutschec Gcohslugzeuge beim eingriff auf clie §eftung Lonäon fühcte.

sere Hände fielen, bestätigt wird. Hier
und da lebhaftere Artillerietätigkeit, wie
aufdemAillette-Abschnitt und beiVerdun,
vermögen diese Tatsache ebensowemg zu
verschleiern wie die schwächeren oder
stärkeren vergeblichen Necsuche des Fein-
des, die am Chemiu-des-Dames ver-
lorenen Gräbeu wiederzunehmen.

Beim russischen Heere haben die Be-
stcebungen der Regierung, englischer und

! in den „Sieben Gemeinden" dem letzten
Angriff überraschend schnell folgte. Wei-
tere Borstöße an der'italienischen Front
sind nicht ausgeschlossen, besonders wenn
den Italienern von ihren Verbündeten
weitere Zugestandnisse gemacht werden
sollten.

An der mazedonischen Front sind die
Bulgaren auf dem linken Struma-Ufer
den zurückgehenden Engländern auf dem

Fuße gefolgt. Also auch dort ist von'
Sarrails Offensive angenblicklich keins
Rede mehr.

Me Unmöglichkeik der vorläufigen Durch-
führung der Offensive

wird übrigens nicht nur in Frankreich und
Jtalien eingesehen, sondern auch in Eng-
land tagt es, wie ein den dortigen Re-
gierungskreisen so nahestehendes Blatt
wie die „Times" deutlich erkennen läßt,
wenn es sagt, die Verbündeten hätten ein-
gesehen, daß sie wegen des Stillstandes
cm der russischen Front keinen schnellen
und entschiedenen Sieg erhoffen könnten.
So entschlossen sie sich, die größtmöglichen
Vorteile durch eine beschränkte Offensive
zui sichern. . . Die Offensive wird fortge-
setzt werden, bis die Verbündeten alle
Ziele erreicht haben. — Viel Vertrauen
spricht aus diesen Worten nicht und kann
auch wohl kaum mehr vorhanden sein,
wenn man sich klarmacht, daß die „größt-
möglichen Vorteile", die unsere Feinde
durch ihre „beschränkte Offensive" er-
reichten, in Wirklichkeit Scheinerfolge
waren, deren Erkaufen die sranzösische
Stoßkrast brach und die englische bis znr
Ungefährlichkeit schwächte. Wenn aber
das englische Blatt die russische Revolu-
tion „einen Schatten" nennt, der auf die
„großen Erwartungen" der Verbündeten
geworfen wurde, so vergißt es dabei voll-
ständig, daß die englische Diplomatie
diesen „Schatten" selbst schuf und damit
der Gesamtofsensive der Entente einen
lähmenden Schlag versetzte. — Daß die
feindlichen Pläne eine Änderung er-
fahren müssen, glauben wir unseren bös-
willigen Vettern jenseits des Kanals auss
Wort, wir sehen aber auch diesen geänder-
Len Plänen mit der vollen Zuversicht ent-
gegen, der unser Oberster Kriegsherr am
21. Juni bei einer Truppenschau Worte
verlieh, wenn er sagte:

„Es wird nicht locker ge-
lassen, bis ein glücklicher
Friede erstritten i st!" Mögen sie
es sich merken, unsere Feinde in West und
Ost und Süd, dieses Kaiserwort: „E s
wird nichtlocker gelasse n!"

Die Ereignisse im Westen

waren, wie bereits gesagt, kaum mehr crls
Teile einer großzügigen Gesamtofsen-
sive zu betrachten.

Die Engländer

beschränkten sich ain 19. Juni nördlich der
Scarpe bis zur Yser auf Artilleriekampf,
der an einzelnen Stellen große Heftigkeit
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