Deutsche Kriegszeitung — 1917

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Nr. 35 — 2. September 1917

Preis 1V Pfenniq



Jllrrftrrerte Wochen-AuHyabe

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Serltnev Koknl-Anzeiyer

6us groster Zeit.

von einem alken pceußischen Gffizier.

6I.X.

„Wir fechten und schlagen so lange, bis
der Gegner genug hat."

artes Ringen im Westen und Snden
zeigt uns das Bild der letzten Woche,
aber während im Westen das Blutver-
gietzen im Vergleich zu dem der Vorwoche
eher ab- als zugenommen hat, steigerte es
sich aus dem italienischen Kriegsschau-
platz ins Ungeheurliche. Wo aber auch
gekümpft und um den Sieg gerungen
wurde, aus den blutigen Ereignissen aus
allen Kriegsschauplätzen war deutlich zu
erkennen, daß die Front der Zentral-
müchte, mag sie auch von gewaltiger
Ubermacht bestiirmt werken, undurch-
brechbar ist. Wohl mag der Ring, den
wir und unsere Verbündeten um uns ge-
zogen haben, biegsam sein wie Stahl und
insolgedessen hier und dort elastisch allzu
starkem Drucke nachgeben, er hält aber
aus und ist krast seiner zähen Federkraft
und Gelenkigkeit immer bereit, wieder
vorzuschnellen, sobald der übermächtige
Druck nachläßt. So mag denn die nume-
rische Ubermacht der Feinde versuchen,
was sie will, es bleibt bei dieser Beweg-

Oas Geheimnis der Munitions-Äersorgung
unserer tapseren Kämpfer in Oftafrika
IVon K. E. Selow-Serman

Preis 1 Mark.

Verlag August Scherl G. m. b. H. Berlm

lichkeit und gleichzeitiger jugendfrischer !
Offensivkraft der Verteidiger kein Zweifel
daran bestehen, daß alle Anfangserfolge ^
des Gegners schließlich nichts weiter sind
als Scheinerfolge, die an Mißersolg gren-
zen, weil sie unsere Feinde täglich und
sast stündlich mehr und mehr schwächen,
ohne sie ihren jeweiligen Zielen auch nur
um einen Schritt näherzubringen. Wir

werden diese Erscheinung auf allen
Kriegsschauplätzen des Weltkrieges deut-
lich zutage treten sehen.

Auf der Wesifront

'war in Flandern und im Artois die eng-
lische Offensive aus dem Stadium der
Einheitlichkeit mehr in das der Teilvor-
stöße eingetreten, wobei den Kanadiern

von den Engländern die Hauptrolle in
dem blutigen Spiel überlassen wurde.

In Alandern

kam es am 21. August an verschiedenen
Punkten der Front zu hestigen Artillerie-
kämpfen, besonders im Küstenabschnitt
von Blankaartsee bis zur Deule und im
Raume von Bixschoote. Die Tatsache,

daß der Feind hauptsächlich Nebelgrana-
ten, also Geschosse feuerte, die eine Be-
wegung verdecken sollten, ließ anf An-
griffsabsichten schließen, und in der
Frühe des Tages erfolgte dann auch ein
derartiger Vorstoß in der Gegend von
Hollebeke. Er brach zum Teil im deut-
schen Feuer zusammen, zum Teil wurde
er im Nahkampf abgewiesen. — Jm wei-

teren Verlauf des Vormittags entwickel-
ten sich sodann zwischen den von Staden
und Menin aus Zpern führenden
Straßen neue Kümpfe, während im
Artois die kanadische Begl-eitoffensive bei
Lens nicht ausblieb. Sie setzte nach
kräftiger Feuervorbereitung ein, scheiterte
aber durch energische Gegenstöße in er-
bittertem Handgemenge, an dessen
Schluß den Englündern nur eine Kohlen-
halde südwestlich der in Flammen stehen-
den Stadt Lens in Händen blieb. — Dis
Ergebnislosigkeit der Teilangrlfse veran-
laßte die ei.iglische Heerführung wmniehr,
wieder zu einheitlichen, größeren Angrif-
fen überzugehen. Zwischen Langemarck
und Hollebeke nahmen diese eine Front-
breite von 15 Kilometer an. Sie be-
gannen vormittags um 7 Uhr unter Aus-
nutzung eines Morgennebels, der freilich
nicht verhindern konnte, dah die Sturm-
massen zum größten Teil bereits im deut-
schen Sperrfeuer liegen blieben. Bei den
Angriffen fiel wieder die dichte Massen-
formation des Feindes auf sowie die
große Zahl der Tankgeschwader, auf die
üer Feind trotz der bisher mit dieser neuen
Kampfmaschine erlebten Enttüuschungen
immer noch grohe Hoffnungen zu setzen
scheint. Jmmer neue Kräste setzte der
Feind ein. Bis zu sechsmal wiederholte
er sein Stürmen, aber die deutsche Front
war unerschütterlich. Die Mehrzahl der
„Tanks" wurde durch unsere Artillerie
erledigt, wührend die Englünder an den
Stellen, wo sie bis in unsere Linie ge-
langt waren, im Nahkampf blutig unter-
lagen. — Nur östlich Ppern gelang es
dem Feinde beim siebenten Ansturm, den
westlichen Teil des Herenthage-Waldes
an sich zu reißen. — Unsere Artillerie be-
obachtete daraus, dah der Feind aus der
Kanalgegend Verstärkungen nach Norden
zog, die von ihr in der Flanke gefaßt
wurden. Am Abend ersolgte sodann ein
nochmaliger starker Angrisf, bei dem nach
wilden Kämpfen auch der Rest des ge-
nannten Waldes dem Feinde verblieb-
An allen anderen Stellen wurden die
seindlichen Angriffe aber abgeschlagen,
obgleich der Ge.gner die Nacht hindurch
seine Anstrengungen unter furchtbarsten
Verlusten fortsetzte. — Jm Artois nach
Tromnielfeuer gegen Lens vorstoßende
Abteilungen wurden zwar abgeschlagen,
bildeten aber die Vorläufer zu neuen blu-
tigen Kämpfen am 23. August, in denen
die Kanadier sich von neuem und unter
schweren Verlusten von der Haltbarkeit
unserer Front bei Lens überzeugten.
Auch ein Angriff in der Gegend bes

Zlugzeugbeobachler Gberleutnant Zrhr. v. pechmann, ^
erhielt clen Gccten ?our le kllLrite.
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