Deutsche Kriegszeitung — 1917

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Nr. 48 - 2. Dezember 1917

Preis 1§ Pfenniq

JUustrrerte Woek>en-AuKycrbe

H 6 r7 cr rr ^ ^ o y b d e v rn

Serliner' Koknl-An;eiyer

klus grosZer Zeit.

Von einem alten preuftischen (Osfiziec.

('I. XXIII.

Die Schlacht bei Lambcai.

ie verslossene Woche hat die Ge-
schichte des Weltkrieges uin eine
seiner blutigsten Schlachten und die Ge-
schichte des deutschen Heeres um ein
lveiteres Nuhmesblatt bereichert. — Das
Unmögliche seiner Bemühungen, sich aus
dem slandrischen Sumps gegen unsere
U-Boot-Busis durchzuringen, erkennend
und unter dem Eindruck unseres ge-
waltigen Erfolges in Jtalien eine voll-
stündige U-mgestaltung der Gesamt-
kriegslage zu seinen Ungunsten voraus-
sehend, beschloh der englische Ober-
besehlshaber,. diesmal im Artois unter
dem Aufgebot aller ihm verfügbaren
Kräfte und Kampsmittel den stählernen
deutschen Gürtel zu durchbrechen, der,
wie er bisher bei allen Versuchen er-
sahren hatte, zwar federnd nachgab,
aber niemals zerriß. Mit diesen Tat-
sachen vor Augen wollte die englische
cheeresleitung den Schlag um so stärker
und unwiderstehlicher gestalten und noch
weniger Rücksicht auf Menschenopfer
nehmen, als sie dies in Flandern getan
hatte. Um jeden Mißerfolg von vorn-
herein unmöglich zu machen, sollte dies-
mal auch die Überraschung wirken, wie
sie ja auch Lei den Durchbrüchen der
Deutschen so oft einen ausschlaggebenden
Faktor gespielt hatte. Die englische
4. Armee unter General Byng war zur

lOvoLKopjpM«

totodsvleksnüig

Fluchtabenteuec des ehemaligen
Prisenoffiziers S M.G.„Ernden"

lulius Lauterbach

Kapitänleutnant der Reserve

Oer Dertasser erzählt, wie er aus dem
Gefangenenlager von Singapore entflieht,
mit List und Küdnheit allen englischen
Nachstellunaen entgeht und unter den
unglaublichsten Abenieüern über Sumatra,

Zava, die phiiipplnen, China, Zapan
und Amertka !n die Heimat entkommt. /

Mit einem Bildnis und zwei Karten

Prels 1 Mark

Teuerungszuschlag 25 Pfennig

Verlag Augusi Scherl G. m. b.H.

Ausführung des vernichteudeu Schlages
bestimmt, und der französische Ver-
bündete hatte offenbar seinerseits zu-
gesagt, auf der Front des Deutschen
Kronprinzen ebensalls den Durchbruch
zu versuchen oder wenigstens die deuiichs

Aufmerksamkeit und die deutschen Kräste
in vollem Maße zu fesseln.

Der Vortag der großen Schlacht

üeß die Pläne des Feindes noch nicht
klar erkennen. Unvermindert h-estiges
Feuer vom Houthoulster-Wald bis
Zandvoorde, das auch in der Nacht zum
20. anhielt, und Zerstörungsseuer auf
dem Kampfgebiet bei Poelkapells und

Passchendaele hätten im Gegenteil das
Vorspiel neuer englischer Angriffe mi
Flandern sein können. — Im Artois
lebte die Gefechtstätigkeit beiderseits der
Scarpe bis Bullecourt und Quäant auf,
aber das Auftreten von Aufklärungs-

, abteilungen war schließlich nichts Un-
gewöhnliches, und diese Abteilungen
wurden im Nah-kamps zurückgeworfen.

Am 20. November

änderte sich das Bild zunächst kaum.
Wie am Vortage war in Flandern,
besonders bei Dixmude und aus der
! Front vom Houthoulster-Wald bis Ber-
j celaere üas Feuer lebhaft, während es

sich bei Poelkapelle und Passchendaele
zu größter HefLigk:'.!! steigerte. —
Auch die g-est-eigerte FeAertätigkeit aiis
einigen Stellen der ATtois-Front und
einige abgswiesene Erkundungsnorstößs
in der Gegend von Monchy waren zu-
nächst noch nichts Ungewöhnliches.
Jedensalls hatten vi-a letztsren den
Zweck, stärkere Angriffe w-eit-er südlich
so lange wie möglich zu verdecken. Ge-
7 Uhr vormittags entwickelten sich
diese mit starken Krästen gegen unsere
Stellungen von Fontaine-les-Croisilles
bis Niencourt aus etwa 4,ö Kilometer
Frontbreite. Diess mit Wuchc geführten
Angriffe wurden unter schwerften seind-
lichen Verlusten abgewiesen. Nur an
einigen Stellen gelang es dem über-
mächtigen Gegner, die ersten Gräben an
sich zu bringen. Aber diese Angrisfe waren
nur ein Nebenunterneh-men. Dasselbe
galt von Vorftöhen gegen Vend-
buills, siebzehn Kilometer südlich
Cambrai, die den; Feinde keinen Ersolg
brachten. Den chauptstoß tat aber der
Feind in direkter Richtung aus Cambrai
in ein-er Front, als deren En-dpunkte im
Norden Graincourt les Havrincourt, an
der Straße Bapaume—Cambrai und im
Süden Banteux, wenige Kilomeier süd-
lich der Straße —Cambrai be-

trachtet werden können. Der chauptan-
grifs hatte demnach eine Faontbreite oon
12 Kilometer. Stark masftert und ties-
gegliedert brach der snglische Angrisf vor.

Ein gewaltiger Einsah von Tanks.

Menschen und Material jeglich-er Art
ließ sofort den beabftchtigten Durchbruch
erkennen, zu dem der Feind den größten
Teil seines ganzen Heeres zusammen-
gerafft hatte. Aber der ihm aus dieser
Frontstrecke gegenüberstehends kleine
Bruchteil der deutschen Armee ließ sich
auch durch die g-egen ihn in Bewegung
gesetzte Übermacht nicht zum willsnlosen
Weichen aus der ihm nnvertrauten
Stellung zwingen. Jn die Liesen Massen
des anstürmenden Feindes riß das deut-
sche Abwehrfeuer blutige Lückeu. Rück-
sichtslos füllte der Gegner sie durch
inimer wied-er in den Ka-mps geworsene
Reserven auf, und das schiere Gewichi
der numerischen Überlegenheit drängte
schliehlich die tapseren Verteidiger in eine
rückwärtige Stellung, in der die von
unserer cheeresleitung stets zur rechten
Zeit und am rechten Ort eingesetzten Re-
s-erven auch diesmal den seindlichen
Stoß ausfingen un-d damit den Duräi-

Zliegerieutnant v. Lschwege P
cker ßelck cker mazeckonischen Zront.

Mach clem 20. Luststeg gefalicn.)
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