Deutsche Kriegszeitung — 1918

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Nr. 1 — 6. Ianuar 1918

Preis 1S Pfennig

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FUuftrrerte Wock-en-AuKyotbe

Her7krrrSFkyeben v c, nr

Serlinen Kokolt-An?eiyer

klus grotzer Zeit

von einem olten preuftischen Gfsiziec
('IVXXVlll.

Das Schwert als Arredensbringer.

L eute, wo mir mit eiuem unserer ge-
fährlichsten Gegner des Jahres 1914
inFriedensverhandlungen stehen.scheinen
uns zmei von den Gründen, die Friedrich
der Große als maßgebend sür die Herbei-
sührung einer Schlacht angibt, besonders
bemerkensmert. Der große König sührt
als derechtiate Gründe, dem Gegner „das
stolze Gesetz der Schlacht vorzuschreiben",
die Fälle an, daß es gilt, „den Feind aus
besetztenl Gebiet zu verjagen" oder „seine
Hartnäckigkeit zu brechen, menn er keinen
Frieden machen mill". Beides traf sür
die Kämpfe im Osteck zu. Von Tannen-
berg bis Riga uud Ösel mar eine weite
dreijührige Reise, und trotzdem liegt die
Tatsache klar zutage, daß bei Tannenberg
der Gruudstein zu demSiegesgebäude ge-
legt murde, als dessen Krönungswerk mir
die Friedensverhandlungen mit Rußland
betrachten köunen. Der weise König lehrt
zwar nuch: „Man soll nie Viktoria
schreien, ehe das Schlachtseld nicht vom
Feinde gesäubert ist", und wir wissen, daß
sich aus dem Felde im Osten manches En-
tenteunkraut in der Friedenssaat bemerk-
bar macht, aber Hindenburgs und Lu-
dendorffs Saat ist zu kräftig, um ganz
verkümmern zu können. Haben doch Ja-
kobstadt, Riga und Ösel, das heißt das
Schwert allein und ohne die Beitat diplo-
matischer Treibmittel, die Friedensver-
handlungen zustanoe gebracht, indem sie
„die ^artnäckigkeit des Feindes brachen".

Noch einmal hatte 1914 nach der Er-
schütterung der russischen Armee durch die

Soeben erschien:

Adaiberbprinzvonpreußm

Mlt meinem BaiaiUon
im vordersten Graben

Von der Floite zur Flandernfront / llnter-
wegs ^ A» der Front / Mein Äataillon /
i Zn Stcllung / Bti' Gasangriff / Mlt einem
Bsdnis und 15 Äbbildungen nach Original-
, zeichnungen von prvfeffor Max Rabes

Z) r e i s il Mark

Teuerungszuschlag 25 Pfennig

Verlag August Scherl G. m. b. L>./Berlin

Schlacht bei Tannenberg der Feind im
Osten sich zur Offensive aufgerafft. Mei-
sterhaft war Hindenburgs Rückzug aus
der ihm zugedachten Zange, und seine
Meldung vom 24. Dezember 1914 zeigte
nns, daß das bei Tannenbcrg begonnene

Werk seinen Fortgang nahm. „Unsere
Truppen haben von Soldau—Neiden-
burg her erneut die Offensive ergriffen
und in mehrtägigen Kämpfen die Russen
zurückgeworfen." Sehen wir ein Jahr
weiter, so zeigen sich unserem Blick zer-
brochene russische Festungen und bei Dü-
naburg, nicht mehr bei Loetzen, wehen
unsere Fahnen. Ganz Polen dem Feind
entrissen, Brest-Litowsk gefallen und 150
Kilometer darüber hinaus Pinsk in un-

seren chänden! Uber alle Maßen war die
Prophezeiung Hindenburgs erfüllt. Zer-
schmettert lag die Sperre am Dunajec,
und unwiderstehlich wnr der Siegesflug
der vereinigten Adler bis zur Strypa und
zum Sereth. Aus den Karpathen war der

Feind hinweggespült. Das war des
Schwertes Tat im Jahre 1915.

Und der dritte Akt des Hindenburg-
schen Kriegsdramas? Er brachte die letzte
gewaltige Offensive des zarischen Ruß-
lands. „Jn Sumps und Blut erstickte sie"
an der Front unseres Hindenburg, und
als letzte Kraft spielte der Feind Rumä-
nien aus. Heute uoch haben wir dem Ge-
schick dafür zu danken, daß dadurch die
einheitliche Leitung des Krieges in die

Häude Hindenburgs gelegt wurde. Mög-
sich, daß man in Rußland hoffte, die an-
sänglich bespottelte Firma Hindenburg-
Ludendorff nunmehr anderwürts aus-
schließlich beschäftigt zu sehen. Man irrte
sich. Der stürmische russische Angreifer
wurde zum verzweiselten Verteidiger.
Die gescheiterte Brussilow-Ofsensive war
die letzte Muskelzuckung des zarischen
Rußland. Die Zerschmetterung der za-
rischen Heere gestattete dem Volke, das
Despotenjoch abzuschütteln und den Ge-
dankeu an die Beendigung des Krieges in
sich auskeimen zu lassen. Blieb doch Ruß-
land nichts weiter übrig, als die Ein-
stelluug des vollständig aussichtslos ge-
wordenen Kampses. Aber die Entente
und ihr Geld gewannen noch einmal Ein-
sluß über die Regierung Kerenskis, und
noch einmal raffte sich der Feind auf zur
Osfensive gegen Lemberg, die in klüglicher
Niederlage endete. Und nun führte die
Firma Hindenburg-Ludendorss die letzten
Schläge, „um des Feindes Hartnäckigkeit
zu brechen". Bei Riga, Fakobstadt, Ösel
sausten sie nieder. Jetzt wollte der Feind
den Frieden!

Jst fiir uns damit der Friede allent-
hntben in Sicht? Starres Hinschauen
nach Osten könnte uns in eine falsche
Friedenshypnose versenken. Reden, wie
sie der Ftaliener Orlando, wie sie eng-
lische und französische Staatsmänner in
letzter Zeit führten, haben uns aufge-
rüttelt aus dem gefährlichen Wahn, daß
etwas anderes helfen könne als das
Schwert. Jn Süd und West verlangt die
Hartnäckigkeit des Feindes seine ab-
schließende Tütigkeit, und daß nicht im er-
schütterten Jtalien, sondern im Westen
bei dem numerisch überlegenen Feind die
Hauptarbeit zu tun bleibt, liegt
aus der Hand. Deshalb nach Westen
geschaut, aber mit Geduld den Meistern
der Schwertkunst überlassen, welchen
Zeitpunkt sie sür ihre Meister-
streiche wählen. Wer da etwa
glaubt, wir dürften keine Zeit verlieren,
dem möchten wir zu bedenken geben, was
der alte Heldenkönig, dessen geistiges
Auge den Riesenkampf des deutschen
Volkes vorausgesehen zu haben scheint,
sagt: Es lautet: ^Seid ihr dem Fein-de
(numerisch) unterlegen, habt ihr auf Hilfe
zu rechnen, so wäre jedes geringste Unter-
nehmen eine unverzeihbare Torheit, be-
vor die Verstärkung eingetroffen ist.
Denn durch eure Ungeduld bringt ihr alle
Erfolge in Gefahr, die ihr durch Ein-
treffen der Hilfstruppen erzielen könnt."

Zregcrttenkclpitän v. Nosenberg, Lhes einec buch-Zlottille,
erhielt clen (Occlen ?ouc le !46rite.
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