Deutsche Kriegszeitung — 1918

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JUuftrrerte Wochen-AuKyabe

H e v a u 6 y e y e b e r» c» rrr

Serltner SoknL-Anzeiser

klus grotzer Zeit

von einem ciUen preuftischen Gffizier
0X61.

Vorwärts auf Amiens!

^er 25. März hatte uns den großen
Erfolg der Schlacht von Bapaume
gebracht. Vergeblich hatten die Eng-
länder eine Divjsion nach der andern in
den Kampf geworfen. Der Angriff der
gewaltigen Rejerven erfolgte in verein-
zelten Wellen und brach sich wie solche an
dem festen Damm der deutschen Linien.
Während die Armee Below mit ihrem
Nordflügel am heftigsten zu ringen hatte,
aber selbst den zähesten Widerstand
brach, stieß der südliche Flügel durch
rveitere rückwärtige Stellungen des
Feindes. Selbst den englischen Soldaten
entging es nicht, wie unglaublich un-
geschickt ihre Führung mit dem wert-
vollen Material, den Reserven, umging,
und bitter waren die Äußerungen der
Gefangenen über eine derartige Füh-
rung, die sich allerdings andererseits des
Beifalls eines Mannes wie Wilson er-
freuen durfte, der freilich von Krieg-
sührung noch weniger versteht als dev
englische Durchschnittsgeneral. Uner-
hört waren die Verluste gewesen, die
Englands cheer durch die Schuld der
kopflos gewordenen Führung erlitt, und
in breiter Front ging der Rückzug un-
seres Femdes auf beiden Usern der
Soinme. Weiter südlich aber waren
Chaulnes und Lihons von uns genom-
men. Roye erstürmt, Noyon in blutigem
Straßenkampf genommen. „Der Riesen-
kamps dauert ununterbrochen fort, ohne
daß die Kraft des Feindes merklich ab-
mmmU', klagte ein englischer Funk-
spruch vom 26. März, und wenig tröstlich
und noch weniger srireulich mochte die
weitere Mitteilung für französische
Ohren sein: „D i e englischen
Truppen ziehen sich lang-
sam zucück und vernichten
alles." — Armes Frankreich, aber du
hattest es so gewollt! — Jn welcher Ver-
sassung waren aber die englischen Trup-
pen? chören wir. was ein englischer
Kriegskorrespondent darüber sagt, der-
selbe, der noch am 18. März zu behaup-
ten wagte, daß die deutschen Trup-
pen durchaus kriegsmüde seien und nur
wenig Neigung zeigten, zu kämpfen.
Wenige Tage später bemerkt er unter
bem Eindruck der englischen Niederlage,

die Gesichter der englischen Solda-
ten seien verstört und abgebärmt aus
Mangel an Schlaf. Jhre Unisormen
seien zerrissen und mit Schlamm bedeckt.
Er habe eine Abteilung gesehen, die so
tödlich erschöpft war, daß sie kaum gehen
konnte. „D i e Soldaten lehnten

Altengland so weit gekommen, daß es
seinen Kampfesmut aus der Whisky-
flasche schöpfen muß?

Frisch herangezogene englische Divisionen

vermochten auch am 27. die Niederlage
nicht zu wenden. Aus alten Trichter-

kronprinz Nupprecht von vayern.

Neurste pdotogrupdisaie Nusnotime von L. Lhchargl. Gsnobcüctl

sie Betrunkene aneinander
ind hielten sich an den Hän-
ien fest wie müde Kinder." —
8anz schars hatte der Berichterstatter
>ber auch diesmal nicht gesehen, denn
lus den Gefangenen des größten Teiles
wn fünf englischen Divisionen konnten
oir feststellen, daß die englischen Solda-
en nicht w i e Betrunkene, sondern tat-
ächlich vollständig betrunken waren. Jst

stellungen nordwestlich Bapaume wurde
der Feind auf Bucquoy und Hebuterne
zurückgeworfen, und alle seine Bemühun-
gen, Albert wiederzugewinnen, wurden
auf den Höhen westlich der Stadt, trotz
Einsatz zahlreicher Panzerwagen, blutig
erstickt. Dem seit langer Zeit an den
Stellungskrieg gewöhnten Auge boten
sich wieder Bilder, die der Nergangen-
heit anzugehören schienen. Aus sreiem

Felde sah mau wieder die Divisiorisstäbe
bei ihren Artilleriestellungen, und alles
zeigte deutlich, daß der Bewegungskrieg,
wieder in seine Rechte getreten war. —
Albert, in dem sich die Bevölkerung in
meuchelmörderischen Anschlägen gegen
unsere Truppen vergangen hatte, lag
nun unter dem schwersten Artillerie-

feuer der Engländer. Eine gerechte

Strafe!

Südlich der Somme bahnten sich un-
sere Tapseren den Weg durch alte feind-
liche Stellungen und standen bald auf

französischem Boden, der seit dem glor-
reichen Jahre 1914 keinen Feind mehr
gesehen hatte. Noch weiter südlich aber
drangen die siegreichen Truppen unseres
Kronprinzen unaufhaltsam vor. Sie
nahmen am 27. Montdidier am Don,
und Pierrepont am Einfluß des Don

in die Avre, während die deutschen Lang-
rohre die wichtigen Verbindungspunkte
des Gegners St.-Pol und Doullens
unter ihr vernichtendes Feuer nahmen,
trotzdem diese 40 Kilometer entfernt
waren. Nichts wäre geeigneter gewesen
zur Steigerung der englischen Ver-
wirrung als die Beschießung dieser
Stapelplätze. Gewaltig war die Er-
regung der Franzosen über das völlige
Versagen des englischen Bundesgenossen,
doch können wir sicher sein, daß die eng-
lische Entrüstung über die Franzosen
keine geringere gewesen fein würde,
wenn der deutsche Hieb nicht auf, die
englische, sondern auf die französische
Armee niedergesaust wäre.

Die Lcrge am 28. TNärz.

Unsere Erfolge waren in den letzten
Tagen um so hervorragender, sls es
darauf ankam, in dem Trichtergelände
alter Kämpfe, das dem Feind überall
Gelegenheit der Deckung und damit des
Widerstandes bot, den Angriff vorzu-
tragen. Dazu kam noch, daß der Feind
uns frische Truppen in den Weg warf,
die im südlichen Teil des Kampfgeländes
aus französischen Divisionen gebildet
worden waren. chierdurch wurde die
Vermutung nahegelegt, daß wir es, wie
bei Chauny und Noyon, mil Truppen-
teilen der berühmten Armee Fochs zu
tun hatten. Jm allgemeinen stießen wir
den Bahnlinien entsprechend vor und
hatten nunmehr im Norden des Kampf
feldes sozusagen festen Voden erreicht,
d. h. wir waren aus dem Trichter
gelände mit seinen Hindernissen heraus-
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