Deutsche Kriegszeitung — 1918

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klus grotzer Zeil

von einem alten preuftischen Gfsizier.

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Der kampf um die Augen Alanderns»

^wei Höhen sind es, die in den jahre-
0 langen Kämpfen um die Flandern-
front eine ganz besondere Rolle gespielt
haben und dte in dem Zeitraum einer
Woche nunmehr fest in deutschen Besitz
gelangt sind. Es sind dies die Doppel-
höhe 60, südöstlich, und der Kemmelberg,
der östliche Auslauser der Beller-Höhen,
neun Kilometer südwestlich Npern, des
heutigen Eckpseilers der zur Winkel-
stellung gewordenen Vertetdigungslinie
des englischen Nordslügels. Die beiden
Augen des Kampsgebietes der Flandern-
sront sind diese chöhen mit vollem Recht
genannt worden, denn wie die Höhe 60
eine Seitsicht und Bestreichung der feind-
lichen Stellungen östlich des User-Npern-
Kanals bot, so erlaubte der 156 Meter
hoch aus der Ebene steil ansteigende
Kemmel durch seine Überhöhung aller
anderen Stellungshöhen den Einblick in
die deutschen Stellungen und die Uber-
sicht und Beherrschung der rückwärtigen
Verbindungen Nperns. Unangenehm
war der Kemmelberg in Feindeshand
für uns aber. nuch. daöurch, daß hinter
seinem breiten Rücken llndwön uns nicht
einzusehen Reserven und vor allem
Artillerie Aufstellung finden konn-
ten. Vor Wochenfrist hatte England
noch den unerhörten Vorteil uns gegen-
über, über beide Augen der Stellung zu
versügen. cheute sind sie in unserem Be-
sitz, als Siegespreis einer einzigen kurzen
Woche!

Der ahnungsvolle Feind

hatte unser Vordringen in der Richtung
auf den Kemmelberg, wie sich dieses aus
unseren erfolgreichen Operationen im
Raume von Wytschate und von Bailleul
erkennen ließ, mit größtem Unbehagen

gesehen und am 23. April zu lebhaften
Gegenangriffen westlich von Bailleul, in
Gegend von Meteren einen hemmenden
Einfluß auszuüben versucht. Dabei war
er, an dieser Stelle handelte es sich um
Engländer, blutig abgewiesen worden
und mußte zu seinem Schmerz auch noch

am Clarence-Fluß angriff, war wohl
wie alle seine Angriffe in der Gegend von
Böthune, nur seiner Sorge um den Be-
fitz der dortigen reichen Kohlengruben
zuzuschreiben. Trotz großer Verluste er-
reichte er an dieser Stelle ebensowenig
wie bei Festubert und Merville. Seine

llnjere Offensive i'm Westen

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auch im neutralen Auslande, und die posi.

General cler wsanterie Sixt v. klcmin, uar

ecfolgreicher Oeerführer im ypernbogen.

erleben, daß die Deutschen die wichtigen
Höhen von Vleugel Hoek erstürmten und
sich damit nicht nur tiefer in das Höhen-
gelände, sondern auch näher an den
Kemmelberg heranschoben. chier sielen
dem Sieger Franzosen als Gefangene
und eine größere Anzahl von Maschinen-
gewehren in die Hand. — Daß der Feind
am gleichen Tage nordwestlich Böthune
südlich der Lys gegen unsere Stellungen

Angriffe wurden durch das deutsche
Feuer vollständig zerschlagen. Ein
gleiches Geschick hatte ein englischer Vor-
stoß an der Scarpe, der nach heftiger
Feuervorbereitung unternommen wor-
den war.

Der Verlust der Höhe von Vleugel Hoek

veranlaßte die Franzosen auch am
24. April zu verzweiseltem Gegenan-

griff, bei dem sie sich aber lediglich
schwere Verluste holten. Auch die ört-
lichen Unternehmungen nordwestlich von
Bethune, bei Festubert und an der
Scarpe sielen an diesem Tage für den
feindlichen Angreifer ebenso ungünstig
aus wie am Vortage.

Jedenfalls vermochten die Gegenstöße
in den Beller-Höhen unseren Absichten
gegen den Kemmelberg keinen Abbruch
zu tun, wie der Abendbericht oom 25.
zeigte, der die kurze, aber vielsagende
Meldung brachte: „D i e A r m e e des
Generals Sixt v. Armin steht
im Kampf um den K e m m e l."

Dec 156 Aleker hohe Kemmelberg

liegt vier Kilometer westlich der von uns
bei Wytschate genommenen Stellungen.
Mit seinen 156 Meter Höhe dürfte er
unseren Feldgrauen, soweit sie auf der
Balkanhalbinsel, in den Karpathen und
in Jtalien wirkliche Berge kennen lern-
ten, wohl wie ein Maulwurfshügel er-
schienen sein, wenn er nicht, aus der
Ebene steil sich erhebend, genau so schwie-
rig zu erklimmen und zu erstürmen wäre
wie irgendeine Bergkuppe, der man sich
bis zur steil ansteigenden und befestigten
Spitze im Gebirge auf bequemen Wegen
nähern konnte. Der Kemmelberg, an
dessen Ostrand der Ort Kemmel selbst
liegt, spielt, wie uns die feindlichen Be-
richte und Betrachtungen mehrfach er-
zählt hätten, wenn wir es nicht schon
selbst wußten, eine beträchtliche Rolle in
der Verteidigung der Flandernfront
und Dperns, ganz besonders, nachdern
das letztere zum Angel- und Schwen-
kungspunkt des rechten englischen Flü-
gels wurde. Sieben Kilometer rück-
wärts, seitwärts der durch nichts gedeck-
ten Stadt gelegen, beherrscht der Kem-
melberg diese nicht nur, sondern auch die
Straße und Eisenbahn über Poperinghe.
Unser Vorstoß von Bailleul nach Vleu-
gel Hoek ergänzte den von Wytschats
und damit von Osten vorgehenden An-
griff aus den Berg durch eine Bedrohung
von Südwesten, da Vleugel Hoek etwo
3'^ Kilometer südwestlich des Kemmel-
berges lag.

Aus der Ebene durch das von Wasser-
läufen und kleinen Tälern durchschnittene
Gelände gegen den zur befestigten Stel-
lung ersten Ranges ausgebauten Berg
anzustürmen, war eine Aufgabe, die nur
von Elitetruppen gelöst werden konnte.
Aber Fnfanterie und Artillerie waren
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