Deutsche Kriegszeitung — 1918

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Nr. 22 — 2. Zuni 1918

Derrtsche

PreislZ Pfennig


Jllustrrerte Wochen-AuKgolbe

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SerlLnee Koknl^An?eiyee

klus grotzer ZeLt

von e'mem olten preuhischen Gssizier.

6X0IX.

Bange Ahnungm und ihre Ersüllung.

^V^ie em banges Aufstöhnen vor einer
großen drohenden Gefahr, so klang
es in der letzten Woche aus den Spalten
der feindlichen Presse. Statt wie in der
letzten Zeit über das Ende der deutschen
Osfensive und über eigene kommende
Schläge zu reden, machte sich immer wie-
der das Unbehagen Luft, das durch die
UngewißheiL des Wo und Wann des
nächsten deutschen Schlages heroorge-
rufen wurde. Weshalb befürchtete man
denn feindlicherseits noch einen derarti-
gen Schlag, wenn man wirklich glaubte,
der deutschen Offensive ein Ende gemacht
zu haben? Verriet man nicht dem eige-
nen Volke, daß man dieses absichtlich
täuschte, wenn man von dem Scheitern
der deutschen Pläne sprach und gleichzei-
tig weiter deutsche Pläne und Unterneh-
mungen als sicher hinstellte? Das tat
man aber in allen Tonarten. Die
„Agence Havas", wenn sie sagte: „wahr-
scheinlich warten die Deutschen nur den
Augenblick ab, der sich zur Überraschung
besonders eignet", der „Secolo", wenn
er sich aus Paris melden ließ: „Niemand
glaubt hier, dah das Zögern der Deut-
schen die Bedeutung eines Verzichtes auf
die Ofsensioe habe; jedermann erinnert
sich, wie die Deutschen am 21. März plötz-
lich nach ganz kurzer Artillerievorberei-
tung ihre Gräben verlassen haben. Das-
selbe können sie morgen wiederholen,
wenn alles bereit ist. Jnzwischen unter-
lassen sie selbst jede lokale Kampstätigkeit,
um ihre Pläne nicht zu verraten, was
ihnen bisher auch ausgezeichnet gelungen
ist. Niemand kann sagen, wo der Angriff
losbrechen wird." — So der „Secolo"
oder sein Pariser Gewährsmann. Nun,

eines war für uns klar, daß aus diesen
feindlichen ängstlichen Erwägungen eine
neroöse Stimmung im Feindeslager her-
vorging, die vielleicht einem Katzen-
jammer zuzuschreiben war, der recht wohl
die Folge der verlorenen Kemmelschlacht
gewesen sein dürfte.

eine über allen Zweifel erhabene Armeee
verfügende Heeresleitung nicht den ge-
ringsten Einfluß aus. Das sollte der
Feind sehr bald erfahren, wenn er es
noch nicht wußte. Der große Schlag am
Chemin des Dames hat ihm eine gründ-
liche Lehre erteilt. — Bevor wir aber

Oer Hetman, ckas neue Obeohciupt cker ÜNrcrine.

LUd- und FUin-Amt

Zn Finnland und in der Knm

Nr. ivo

der „Wöchentlichen Kriegs-
schauplatzlarie mit Ehronik"
aus demDerlaae derKriegs-
hilfe Mtmchen-Nordwest in vierfarbigen Karten
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Für uns war das Verbluten der feind-
lichen Reservep. an dieser Stelle von höch-
ster Vedeutung gewesen. Jhre Reste dort
weiter zu fesseln, hieß nur andere
Stellen der seindlichen Front für unjeren
Ansturm sturmreif machen, und wenn
auch die Entente sich bemühte, uns und
die ganze Welt glauben zu machen, daß
sie in allen Punkten unserem etwaigen
Angriff gewachsen sein dürfte, so übte dies
auf unsere gut unterrichtete und über

den Wochenereignissen unsere Aufmerk-
samkeit zuwenden, müssen wir noch etwas
zurückgreifen.

Die Schlachl am kemme? vom 20. 2Nal,

die Vorbedingung unseres neuen Sieges,
bedarf noch einmal unserer genaueren
Betrachtung, da sie in der letzten Num-
mer nur kurz erwähnt werden
konnte. Diese Schlacht hat nämlich ohne
Zweifel den gegnerischen Hoffnungen,

unsere Offensive gebrochen zu haben und
zum Gegenstoß zur Wiederherstellung der
Flandernfront übergehen zu können, ein
blutiges Ende gemacht. — Schon in den
dem 20. Mai vorangehenden Tagen hatte
der Feind unter stärkstem Feuer mit
Großpatrouillen und Erkundungsabtei-
lungen unsere Front nach schwachen
Stellen abgetastet. Am 20. glaubte er
sich zu einem großen entscheidenden An-
griff stark genug. Nach gewaltigster
Artillerievorbereitung stürmten die Fran-
zosen in zehn Kilometer Breite an. Süd-
lich des Dikkebusch, wo das ganze Ge-
lände von Trichtern zerfetzt war, glaubte
der Gegner osfenbar sich am besten an
unsere Stellung heranarbeiten zu können,
denn hier setzte er seine chauptkräfte ein.
Gelang der Angriff, so war der Kemmrl
von Norden umfaßt. Es schien wirklich,
als sollte er gelingen, denn der Feind
kam näher und näher. Dann aber schlug
ihm aus wenigen Metern Entsernung
ein rasendes Feuer entgegen und mähte
seine Reihen nieder. Ein kurzes Stocken
des Angriffes, ein Zurückfluten — aber
nur kümmerliche Reste erreichen die
schützende Ausgangsstellung, alles an-
dere liegt hingemäht. Gegen den Kem-
mel selbst versagte der Angriff bereits
im Vorgelände. Tapser, wie die Fran-
zosen unzweifelhaft auch sind, weigerten
sie sich doch, in dem mörderischen deut-
schen Feuer vorzugehen. An der Straße
Kemmel—De Kleit brach der Ansturm
vor unseren Gräben zusammen. Nur
östlich Loker bildete ein tapfe-
res Häuflein ein vorgeschobenes
Schützennest und hielt sich, von den Sei-
nen verlassen, vom deutschen Feuer über-
schüttet, in trostloser Lage. Weiter west-
lich, zwischen Loker und Dranoeter, hatte
der Feind am meisten zu erreichen ver-
mocht. Hier war er unter rücksichts-
losem Menscheneinsatze vorgekommen,
aber ohne sich eines scheinbaren Erfolges
sreuen zu können. Aus den Eindring-
ling warfen sich nämlich sofort die deul-
schen Kampftruppen in unwidersteh-
lichem Gegenstoß. An einer Stelle mit
dem Regimentskommandeur an der
Spitze, stürzten sich die deutschen Sturm-
truppen wie eine Windsbraut auf den
Feind, und was vom Feinde noch in der
Stellung blieb, über die der deutsche
Sturm dahingefegt war, das war tot.
Jm Kampfe der Tapferen hatte der
deutsche Soldat sich wieder einmal über-
legen gezeigt. — Zahlreiche Gefangme
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