Deutsche Kriegszeitung — 1918

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2 Numiner 45

werden sie tämpfen", ruft die „Daily
Mail," zu einer Zeit, in der es Deutsche
gibt, die an diese Stützen der deutschen
Schutzroehr die Axt legen möchten. „Die
deutschen Truppen zwischen Maas und
Argannen tämpften mit groher Tapfer-
keit bis zum letzten Mann", sagt der
„Star" am IO.Oktober, und die „Morning
Post" erliärt: „Der deutsche Widerstaud
mird stärker und ist besser organisiert."
Tn schmerzlicher Erkenntnis und in
Enttäuschutrg bemerken aber die „Daily
News": „Obgleich die Deutschen wichtiges
Geländc aufgeben, kann tnan von einem
ernftlichen Nachlassen der Truppen-
inoral nicht reden; auch das Friedensge-
rede scheint keinen zersetzenden Einfluß
auszuüben."

So spricht der Feind von unseren
Tapferen, an deren Widcrstandskraft
Leute in der Heimat zu zweifeln be-
gannen. Die wunderbaren Leistungen
unserer Helden dürften aber nunmehr
Freund und Feind die Augen geösfnet
nnd uns, den Freund und Bruder, davon
überzeugr haben, wm berechtigt chmden-
burgs Aufforderung ist, das; wir ohne
Nnterschied der Partei diese unsere herr-
kiche Front unterftützen müssen. Zeigen

fanterie-Regiment Nr. 53 und das
Mecklenburgische Jnf.-Regiment Nr. 90
warfen den Feind bei Klein-Ouentin, bei
Banogne und auf den Aisne-Höhen. Bei
Herpy waren Teile der Stellung in Fein-
deshand geratcn und wurden ihm wieder
entrissen, und vergeblich war alles Be-
mühen des Gegners, in abendlichen An-
grisfen noch Vorteile zu erringen. Mit
schweren Verlusten muhte er sich in sein
Schicksal sügen, auch diesmal wieder ver-
gebliche schwere Opser gebracht zu haben.

An der Lys und an der Schelde

wollte auch am nächsten Tage der Kamps
noch nicht recht wieder aufleben. Bei
Zomergem machten die Belgier einen.
halbherzigen Teilangriff, mährend sich
an der Schelde und am Walde von
Mormal nur kleinere Jnsanteriegefechte
abspielten. —

Auf der Front der Heeresgruppe
Deutscher Kronprinz ging es lebhafter zu.
Südlich von Catillon mußte ein Angriff
gegen den Kanalabschnitt abgewiesen
werden, und südlich der Oise waren die
Anstürme des Franzosen, die sich bis in
den Abend Hinein fortsetzten, sehr heftig.
Aber noch so großer Einsatz von Panzer-

eisenbahnwesens sich große Verdienste für
den glatten Verlauf unserer Mobil-
machung erwarb, krat im cherbst 1916
an die Spitze des Kriegsernährungs-
amtes. 1917 erhielt er eine Division und
war sodann wiederum außerordentlich !
erfolgreich in der Ukraine tätig, wo er !
während unseres Vormarsches die Auf- !
gabe der Wiederherstellung der durch die !
Bolschewisten zerstörten Verkehrswege ^
und Bahnen in meisterhaster Weise löste. !
— Als der chetman Skoropadsky die
Zügel der Regierung in der Ukraine er-
griff, war es General Gröner, der zur
Beruhigung des Landes dadurch beitrug,
dah er die Sozialiften zum Eintritt in das
neue Kabinett ermahnte. Aus der
Ukraine wurde Generalleutnant Gröner
in sein neues Amt berufen.

Ein Großangriff in Flandern

schloß den blutigen Monat Oktober ab.
Belgier und Franzofen versuchten noch
einmal, unferen rechten Flügel zwischen
der holländischen Grenze und Deinze zu
durchstoßen, während die Engländer,
ebenfalls mit sranzöfischer chilfe,
den Hauptangriff zwischen Deinze
und der Schelde führten. Der belgisch-

Schlappen nur fo viel zu befetzen vermag,
wie ihm kampflos zu überlassen in un--
serem Plane lag.

Es mirkt nahezu eintönig, daß wir auch
diesmal wieder melden müssen, daß der
Feind die sinnlose Zerstörung der Städle
Tournai, Valenciennes und Permcelz
fortsetzte, doch ift ein immer wiederholter
Hinweis darauf nötig, da er bemüht seiu
wird, die Zerstörung uns zuzuschreiben.

Gewaltrge Slergecung des Artrllerre-
kampfes an der Aisne

vermochte dem Feinde keinen Erfolg zu
bringen. Vergeblich stürmte er mit
frischen Kräften gegen unsere Stellungen
bei Herpy. Der Widerstand der Regi-
menter 75, 89, 230 und 231 sowie der
50. Reserve-Division war nicht zu brechen,
und auch die Kavallerieschützen-Regimen-
ter der Gardekürassiere unü Äer 8. und 11.
chusaren bedeckten sich von neuem mik
Ruhm. — An der Maas brummten auch
am 31. Oktober unheildrohend die Ge-
schütze der Amerikanen Sie spielten dic
Ouvertüre

zum blutigen 1. November.

Der Engländer, der an diesem Tage süd-
lich Deinze seinen Durchbruchsversuch fort

6uf einer Marschstraße zwischen Maas unck Mosel.

6m Somme-Zchelcke-llcrnal. Lm-undMm.Amt

zuietzen bestrebt war, tat allerüings nur

wir, daß wir unserer Brüder würdig
sind!

Aus der Schlachtfront
öfttich Solesmes — Le Lateau

war nach den in voriger Nummer ge-
jchilderten schweren Kämpfen eine Panfe
eingetreten, die zum Teil dem Nach-
ziehen der Gefchütze des Feindes zuge-
fchrieben werden konnte, in der chaupt-
sache aber», wie aus den Aussagen ge--
sangeirer Engländer hervorging, durch
die fchweren. Berlusts des Gegners zu
erklären war. — Am 29. Oktober hielt
diese Atempaufe auch noch an, denn auf
der ganzen Front Rupprecht waren
lediglich Teilangriffe zu verzeichncn, die
sich in der Lys-Niederung, zwischen Lys
und Schelde, bei Famars und Engle-
sontaine abspielten, zum Teil recht heftig
waren, aber alle abgewiesen wurden. —
Mit der ihm eigenen Rücksichtslosigkeit
gegenüber fremüem Eigentum lteß der
Eugländer wieder die Landesbevölkerung
sür seine Mißerfolge büßen, indem er
die Vorstädte oon Tournai und die Ort-
schaften in der Schelde-Niederung unter
hestiges Feuer nahm.

Am Aisne-Kanal

nahm der Franzose nach starker Ar-
tillerievorbereitung zwischen Nizy-ke
Comte und der Aisne unter Einsatz zahl-
reicher Panzerwagen seinen Angriff
wieder auf. Die Truppen der Generale
von Eberhardt und von Below,
Brandenburger vom Leib - Grenadier-
Reaiment Nr. 8, Weftfalen vom Jn-

wagen vermochte nichts auszurichten. Es
gelang dem Gegner zwar, an einigen
Stellen in unseren Linien Fuß zu fassen,
aber Gegenstöße warsen ihn bald wieder
hinaus, und seine Panzerwagen erlagen
der Abwehr uicht nur von Minenwerfer-
kompagnien und Batterien, fondern auch
der Jnsauterie, die stch immer mehr an
den Kampf mit diesen Ungetümen ge-
wöhnt hat.

Östlich von Üandifay, wo besonders
heiß gekämpft wurde, tat sich das Re-
serve-Jnfanterie-Regiment Nr. 270 ganz
besonders hervor. — Zmischen Nizy-le-
Comte und der Aisne wurden bei lebhaf-
ter Artillerietätigkeit ftarke Angriffe
nordwestlich von Herpy abgewiefen.

Wachsende Artillerietätigkeit auf bei-
den Seiten der Maas deutete auf ein
Erwachen des Amerikaners hin, der sich,
offenbar zum Berdruß seiner Verbünde-
ten, längere Ruhe gegönnt hatte, als für
Fochs Plan wünschenswert erschten.

Am 31. Oktober tras in Begleitung des
Kaifers der neue Erfte General-'
q u a r t i e r m e i st e r Generalleut-
nant Gröner im Großen Haupt-
quartier ein, und am 1. November sahen
wir zum erstenmal statt des uns so zur
Gewohnheit gewordenen Namens Lnden-
dorff den neuen Namen unter dem
Heeresbericht.

Generalleukncmk Groner,

der zu Beginn des Krieges noch Oberst-
leutnant war und als Leiter des Feld-

französische Ansturm galt in erster Linie
unseren Brückenköpfen weftlich der Lys,
die dem Feinde beiderfeits Zoinergem
auch in die chände fielen, im Gegenftoß
aber miedergewonnen wurden. Es waren
die Infanterieregimenter 57 und 79, die
sich bei diefem Kampf an der Lysfront be-
fonders hervortaten. — Südlich Deinze
war der Engländer anfänglich über die
Straße Deinze—Kruishoutem vorgedrun-
gen, als ihn der wuchtige Stoß von Va-
taillonen der 2. Garde-Jnfanterie-Divi-
sion traf und im Verein mit dem Füsilier-
regiment Nr. 80 zurücktrieb. — Bei An-
seghem mußten rückwärtige Kampftrup-
pen eingreisen, brachten dann aber den
Feind vor unserer Artillerie zum Stehen.
Ebeno vergeblich rannte der Gegner
gegen unfere Linie nördlich der Bahn
Kortrik—Oudenaarde an, die erst nach
abgewiesenem Angriff des Anschlusses
wegen aus die Höhen bei Nokere zurück-
genommen wurde. — Nach der Stellung,
die wir am Abend einnahmen, war der
Feind nur ein bis drei Kilometer über
unsere alte Postenlinie hinausgekommen,
aber nicht vermöge seiner Angrifsskraft,
sandern wegen unserer planmäßigen
Frontverlegung noch siegreich abgewiese-
nem Ansturm. — Dürfen wir doch bei
allen Gefechten und Schlachten dieser
Zeit niemals vergessen, daß wir mit
einer Frontverkürzung beschäftigt sind,
die scheinbar dem Feinde Berechtigung
bietet, Geländegewinn zu melden, wäh-
rend er in Wirklichkeit nach erlittenen

emen Luftstoß, da es uns in Fortsetzung
unserer geplanten strategischen Bewegung
gelungen war, unsere Linien unbemerkt
hinter die Schelde zu verlegen. Wie
immer, so entdeckte er unsere Bewegung
auch diesmal wieder erst nach reichlicher
Munltionsvergeudung gegen unsere ge-
räumten Stellungen.

Um so wütender waren dafür seine An-
griffe südlich von Valenciennes. Bei
Aulnoy in unsere Linien eindringend,
ftieß er bis znm Südrand von Valen-
ciennes sowie auf Saultain und über
Preseau hinaus vor. Aber badifche Re-
gimenter brachten, von Panzerwagen in
ihrem Angriff unterftützt, die chöhen süd-
westlich der genannten Orte wieder in
unsere Hünde. Umfassend angesetzte An-
griffe, die der Feind am Nachmittag auf
Valenciennes machte, scheiterten voll-
ständig, und erst in der Nacht räumten
wir, wiederum unbemerkt, den vielum-
strittenen Ort.

Die Schlacht auf den Fronten kronprinz
und Gallwih

gestaltete sich zu einer der größten dieser
gewaltigen feindlichen Offenstve und zu
einem hervorragenden Erfolge uber die
Franzosem — Öfftmng der Zlisne-Front,
oder Umgehung derselben nach erfolgtem
Durchbruch, war das Ziel des Feindes.
Gelang der gewaltige Schlag, und die
Übermacht ließ dies nahezu sicher er-
scheinen, so glaubte man rmleMü Wider-
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