Die Mauer: Feldzeitung — 1917 (Juni-Dezember)

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Zum Geleit.

Kameraden! Eine neue Zeilung in feldgrauem Gewande
tritt vor Euch. Nicht Laune, nicht die müßige Regung des
Augenblicks und nicht das Bedürfnis, den mit vortrefflichen
Tageszeitungen gut versorgten Truppen Unterhaltungsstoff zu
liefern, hat sie hervorgerufen. Nein! Waffen wollen wir
schmieden, stahlharte, felsenfeste, geformt aus dem edelsten Kern
deutschen Wesens, durchtränkt und durchglüht von den Flam-
men lodernder Begeisterung für deutsche Art und unsern An-
teil an dieser Welt! Befreiung von den Fesseln des Kleinmuts,
Vertrauen auf uns selbst und auf unsere Führer, Sinn für
wahre Kameradschaftlichkeit, Stärkung des Siegerwillens und
des Glaubens an den endlichen Sieg unserer guten Sache, das
ist das Ziel, welches die Kriegszeitung zu erkämpfen hat. Hier
wird nichts befohlen, nichts eingedrillt und einexerziert. Die
Kriegszeitung wendet sich an das Volk, an das Kriegsvolk, sie
soll die Stimmung dieses Volkes wiedergeben und zugleich seine
Stimme sein, von der ebenfalls das Sprichwort gilt, daß Volkes
Stimme Gottes Stimme ist. -

Und wo wäre eine Feldzeitung mehr am Platze als in
unseren Vügesen, dem einzigen Gebiet, wo der deutsche Ver-
teidiger auf deutschem Boden steht? Dem Land, welches zur

Zeit deutscher Zerrüttung dem habgierigen Nachbar zum Opfer
fiel, und dessen Znrückgewinnung Deutschlands Wiedergeburt
und des Kaisertums Wiedererstehung bedeutete? Dem Land,
dessen herrliche Waldgebirge den Wanderer locken, dessen reben-
bekränzteo Höhen die göttliche Bacchusgabe spenden, dessen
Burgen uns Waffentaten vergangener deutscher Geschlechter zu-
flüstern? Jm Rauschen der Hochwaldtannen vernehmen wir's,
daß wir auf geheiligtem Boden, auf deutscher Erde stehen, die
wir als lebendige Mauer zu schützen haben.

So wendet sich denn unsere „Mauer" heute zum erften-
mal an ihre Leser, schlicht und einfach — aber aufrecht und
zuversichtlich. Sie kommt von Kamerad zu Kameraden und
will selbst ein guter Kamerad sein, ein treuer Freund und Be-
gleiter in ernsten und stohen Stunden.

Noch kann unsere Zeitung nicht auf eigenen Füßen stehen,
noch kann sie nicht gänzlich aus eigenem Brunnen schöpfen,
denn noch gebrichts ihr an fchaffensfrohen Mitarbeitern und
wertvollen Beiträgen.

So will sie denn zunächst nur eine Anregung bieten,
und an Euch, Kameraden, ist es, dem Unternehmen Ver-
ständnis entgegenzubringen und ihm zu der Bedeutung einer
wichtigen und nutzbringenden Einrichtung unseres Korps zu
verhelfen. i

Drittes Kriegsjahr

Fleißig muß der Gärtner gießen,

Soll die Frucht uns recht erfreu'n.

Und der Name? Nun, nicht lange
Suchten wir und wählten schlicht,

S'ist ein Wort von wucht'gem Klange,
Welches also zu uns spricht:
Mauerngleich in dunkler Bläne
Schwingt fich der Vogesen Zug,
Mauerngleich hält deutsche Treue
Uns gefestigt Fug um Fug.

Uud die Mauer läßt zerschellen
Aller Feinde Macht und MLH'n,
Brandend bäumen fich die Wellen
Um in Nichts dann zu zersprüh'n.

Aenzespracht schmückt Berg und Wiese
Rings mit hochzeitlichem Kleid,

Schafft die Welt zum Paradiese,
Macht -as Herz uns groß und weit.

Und auch dieses Blatt begleitet
Blütenreicher Frühlingswind.

Kraftvoll, wenn auch zart beseitet,

Des Armeekorps jüngstes Kind.

Heißt von Herzen es willkommen,

Wie ein festlich Maienreis,

Freundlich sei es aufgenommen
Jn der Kameraden Kreis.

Laßt es nimmer Euch verdrießen,
Helfet mit, dann wirds gedeihn.

Bröckelts mal im Mauerwerke,

Nun wohlan! Der Mörtel fällt,
Doch der Fels bleibt unsere Stärke,
Und er trotzt der ganzen Welt.
Frühling, Freude, Freiheit, Friedm,
Höchstes was die Erde krönt,

Durch den Krieg wirds uns beschieden,
Durch den Sieg die Wekt versöhnt.

Mauern trennen, Mauern binden,
Heiße Sehnsucht, sei gestiltt,

Gern wirh diese Mauer schwindev,
Hat fich Deutschlands Glück erfüllt.

A. U.
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