Die Mauer: Feldzeitung — 1917 (Juni-Dezember)

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Sommbend, den 7. Juli 1917 3. Kriegsjahr

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Die Angst vor dcm Fricvcn.

Wenn Worte allein entscheidend wären, dann wären
unsere Feinde uns in allem und jedem über, dann hätten sie
auch immer gesiegt, und wir hätten nichts als Mederlagen
erlitten. Französische Siege an der Marne und bei Verdun,
an der Somme und an der Aisne, englische Siege bei Apern,
bei Arras und bei Wytschaete — so reden, schreiben, tele-
graphieren und funken unsere Feinde tagtäglich in die Welt.
Und sie haben durch diese seit nun bald drei Jahren unab-
lässig geübte Methode erreicht, daß gar viele in der Welt Sieg
von Niederlage nicht mehr unterscheiden können.

Was verschlägt's, daß die deutschen Heere nun bald drei
Jahre unerschüttert in Feindesland stehen, daß bis in die
jüngsten Tage jeder Versuch, die deutsche Mauer zu durchbrechen,
fehlgeschlagen ist, daß all die kleinen Alliierten der Entente
ihre Länder ganz verloren haben — all diese Tatsachen sind
durch die feindliche Lügenpropaganda in einen fast undurch-
dringlichen Dunst und Nebel gehüllt worden, so daß die
Urheber des Lügenfeldzugs bald selbst glauben, jene Wirklich-
keit wäre gar nicht mehr vorhanden.

Ab und zu zwar, meist immer dann, wenn wieder eine
schöne Hoffnung fehlgeschlagen ist, dringen schüchterne Mahnun-
gen zur Erksnntnis der Wirklichkeit durch, dann aber wird
alsbald ein neues Schlagwort gefunden, das dazu dienen muß,
alles wieder mit jener Traumstimmung vom nahe bevorstehen-
den letzten Sieg zu erfüllen. So ist augenblicklich die fran-
zösische Presse nach dem Fehlschlag der Offensivhoffnungen für
das Frühjahr 1917 voll von Verheißungen über die Hilfe
Amerikas, und ganz Paris lebt wieder einmal nur von der
Zukunft und sieht im Geiste schon, wie das amerikanische
Millionenheer die Deutschen vom französischen Boden verjagt.

Liest man die französisch-englischen Zeitungen, so könnte
man glauben, es fehle der Entente wirklich nichts mehr zur
Siegesgewißheit. Und doch gibt es ein untrügliches Zeichen,
daß all das nur Scheiw und Schaum ist. Dieses Zeichen ist
die Ängst vor jedweden Friedensverhandlungen, sei es nun,
daß die deutsche Regierung dazu einlädt, sei es, daß die inter-
nationale Sozialdemokratie ihre Anhänger zusammenruft, um
über den Frieden zu beraten. Beschwörend hebt Frankreichs
Ministerpräsident die Hände: um Gottes willen darf jetzt kein
Franzose sich mit einem Deutschen an den Verhandlungstisch
setzen. Und in England tut die Regierung zwar nach außen

so, als ob man die Sozialisten ruhigen Herzens nach Stock-
holm ziehen lasse, aber hinter allen den Reiseschwierigkeiten,
die man den Vertretern macht, guckt die gleiche Angst hervor,
die Herrn Ribot erfaßt hat.

Warum denn diese Angst? Die Beantwortuug der Frage
ist gewiß nicht schwer. Stände es um die Sache der Entente
in Wirklichkeit so, wie es in ihren Zeitungen zu lesen ist,
hätten sie wirklich soviel gesiegt, wie sie schreiben und reden,
hätte Deutschland die Niederlagen erlitten, die ihm täglich
zugeschrieben werden, dann könnten sich die Herren Ribot und
Lloyd George seelenruhig an den Friedenstisch setzen. Wer
Vertrauen zu seiner Sache hat, der braucht sich nicht zu ver-
stecken, der kann auch dem Feinde ins Auge sehen. Wer sich
aber versteckt, der hat kein Vertrauen. So ist Deutschland
friedensbereit seit seiner Erklärung vom Dezember vorigen
Jahres, so läßt auch Deutschland die Vertreter der sozial-
demokratischen Partei ungehindert zum Stockholmer Kongreß
reisen, weil es weiß, daß es um seine Sache gut steht. Deutsch-
land hat sein Ziel erreicht, hat mit Erfolg den Verteidigungs-
krieg geführt und hat darüber hinaus soviel Faustpfänder in
seine Hand gebracht, als es braucht, um seine Grenzen in
Zukunft gegen Überfälle wie den von 1914 zu sichern.

Wie unsere Bereitwilligkeit zum Frieden ein Ausfluß der
Stärke ist, ebenso ist die Angst der Franzosen und Engländer
vor jeder Friedensverhandlung ein Ausfluß der Schwäche, ein
ungewolltes Zeugnis dafür, daß sie sich ihrer Niederlage wohl
bewußt sind. Mögen sie ihr Lügenhandwerk in ihrer Presse
fortsetzen, einmal wird auch für sie der Zeitpunkt kommen,
da Dunst und Nebel vor dem Sturmwind der Wirklichkeit
zerstieben. Dr.

Cnglands Rohstoffzusuhr und der U-Boolkrieg.

England bemüht sich mit allen Mitteln, die Welt glauben
zu machen, daß die Versorgüng der englijchen Bevölkemng
und desgleichen der englischen Jndustrie und Landwirtschast
unter dem verschärften deutschen U-Boot-Krieg nicht das
mindeste leide. Aber diese Versuche halten den Tatsachen so
wenig stand, wie jene im Februar in die Welt hinaus-
posaunten Ankündigungen, daß die englischen Abwehrmaßregeln
diö U-Boot-Gefahr alsbald zunichte machen würden. Tas
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