Die Mauer: Feldzeitung — 1917 (Juni-Dezember)

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Die stahlharte Mauer

Nun jährt sich die Stunde zum drittenmal,
die den größten der Kriege geboren.

Jns Endlose wuchs der Bedränger Zahl,
längst hielt uns die Welt für verloren-.

Sie knüpfen und weben Band an Band
und werden darum noch nicht schlauer,
es kämpst ja für unser Vaterland
die feldgrau«, stahlharte Mauer.

Jm Osten, im Westen, an Felsen und Strand,
im sonnigen Süden, im Norden,
da hielten in deutscher Treue wir stand
und sind nie müde geworden;
und prasseln im Trommelfeuer heran
Geschoffe wie Hagelschauer —,
steht unerschüttert Mann an Mann
die feldgraue, stahlharte Mauer. „

Und ob's in den Lüsten auch hundertfach braust
von feindlichen FlugZeuggeschwadern,
ein deutscher Flieger hat Nerven und Faust
und kühles Blut in den Adern.

So mancher der Besten sinkt hin in die Grust,
begleitet von Deutschlands. Trauer,
doch schließen neue Helden der Lust
die Lücken der stahlharten Mauer.

Ties unten im Meere auf lichtlosem Grund
die Führer die Tauchboote lenken,
die Sinne gespannt, bereit jede Stund'
das feindliche Schiff zu versenken.

Uns wollten sie zwingen, jetzt zwingen wir sie,
wir liegen dort kühn auf der Lauer,
sie wüten^ vergeblich, sie brechen sie nie,

Der U-Boote stahlharte Mauer.

Und Jhr daheim, im Dulden erprobt,

Jhr sollt Euch nicht bangen und sorgen,
wenn noch so hestig der Kriegssturm tobt —
einst kommt doch ein sonniger Morgen!

Und wie die Not selbst Eisen bricht,
das zeigt uns jetzt Bürger und Bauer,
auch sie tun im Kampfe grtreu ihre Pflicht,

auch dort steht die stahlharte Mauer. Unteroffizin Max Hirsch.

W-

Drei Jchre Kricg.

Ein Augenblick der flammenden Entrüstung hat uns ge-
eint, begeistert und in den Strudel geworfen. Tage des Sieges
haben uns trunken gemacht, Wochen der Hoffnung haben uns
beseligt, Monate des Harrens haben uns genarrt.

Aus Augenblick, Woche und Monat wurde ein Jahr.

Und wieder kamen sonnige Tage des Siegs, wiederum
Wochen beseligender Hoffnung und Monate der Enttäuschung.

Wieder ging ein Jahr ins Land und ein neues tröpfelte nach.

Der Tag log auf den Tag, die Woche betrog die Woche
und die Monate schwuren falsche Eide.

-<t>. .^ .-. .

Und jetzt, du schöneS deutsches Volk, haben drei lange
Jahre dir Blüte und Frucht deiner Arbeit gestohlen.

Was wolltest du mehr, als in der Arbeit glücklich sein?

Du wolltest Bäume des Segens setzen und mußtest
Schützengräben schanzen, du wolltest Häuser aufbauen und
mußtest Städte niederreißen, du wolltest junge Seelen ziehen
und mußtest Menschen tötenl

Drei Jahre Segen sind zum Fluch geworden.

Drei Jahre Liebe, Fleiß und Glück zu unfruchtbarem
Haß und Leid.

Du hast deine besten Söhne begraben und siehst deine
Töchter freudloS dahinwelken.
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