deutsch zu bekennen“. Das ist aber im Gegenteil eine höchst undankbare und schwie-
rige, ja in Zeiten der Wirrsal und Schlägerei direkt halsbrecherische Situation, unter
welcher in allen Ländern einzelne, deren Schicksal sie ist, schwer zu leiden hatten.
Andre Gide in Paris wollte es nicht geschehen lassen, daß man ihn zur „CIarte“
rechne — da warf man ihn zu den Nationalisten. Auch dagegen mußte er protestieren,
aber die französischen Nationalisten sind klüger, als die deutschen: sie wären froh ge-
wesen, einen Gide den ihren nennen zu dürfen. Was mich betrifft, so schrieb Herr
Adolf Bartels, der völkische Literaturprofessor in Weimar: „Zwar hat er im Kriege
nationale Haltung bewahrt, aber offengestanden glaube ich ihm sein Deutschtum
nicht recht“. Was soll ich machen? Er glaubt es mir nicht recht. Wenn ich nach
links entgleiste (wär’s möglich? es wäre schrecklich!), so wird die Erfahrung schuld
daran sein, daß man nationalistische Professoren auch durch ein deutsches Bekenntnis
nicht versöhnt, falls dieses Bekenntnis etwas wie Form und Geist aufweist — während
man es mit der Gegenseite selbst durch die äußerste Renitenz in Sachen der radikalen
Demokratie nicht völlig verdirbt, falls diese Renitenz eben nur etwas Geist hat. Und
damit will ich dies heikle und weitläufige Thema für heute verlassen.
rige, ja in Zeiten der Wirrsal und Schlägerei direkt halsbrecherische Situation, unter
welcher in allen Ländern einzelne, deren Schicksal sie ist, schwer zu leiden hatten.
Andre Gide in Paris wollte es nicht geschehen lassen, daß man ihn zur „CIarte“
rechne — da warf man ihn zu den Nationalisten. Auch dagegen mußte er protestieren,
aber die französischen Nationalisten sind klüger, als die deutschen: sie wären froh ge-
wesen, einen Gide den ihren nennen zu dürfen. Was mich betrifft, so schrieb Herr
Adolf Bartels, der völkische Literaturprofessor in Weimar: „Zwar hat er im Kriege
nationale Haltung bewahrt, aber offengestanden glaube ich ihm sein Deutschtum
nicht recht“. Was soll ich machen? Er glaubt es mir nicht recht. Wenn ich nach
links entgleiste (wär’s möglich? es wäre schrecklich!), so wird die Erfahrung schuld
daran sein, daß man nationalistische Professoren auch durch ein deutsches Bekenntnis
nicht versöhnt, falls dieses Bekenntnis etwas wie Form und Geist aufweist — während
man es mit der Gegenseite selbst durch die äußerste Renitenz in Sachen der radikalen
Demokratie nicht völlig verdirbt, falls diese Renitenz eben nur etwas Geist hat. Und
damit will ich dies heikle und weitläufige Thema für heute verlassen.


