Aurenhammer, Maria; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 10,1): Die Skulpturen von Ephesos: Idealplastik I — Wien: Verl. d. Österr. Akad. d. Wiss., 1990

Page: 146
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IV KNABEN, ATHLETEN, AULETEN ETC.

KNABEN

128 Hockender Knabe Izmir, Arkeoloji Müzesi 393 (Basmahane)
Taf. 89 a
Ephesos
Grobkörniger hellgrauer Marmor, grau verwittert, stark verwaschen
H 0,37 m. Plinthenh. 0,06—0,10 m. Plinthenb. 0,44 m. Plinthent. 0,22 m
Abgeschlagen Kopf und Hals. Schultern, Attribut und Plinthe 1. vorne verbrochen. Ober-
fläche schlecht erh., vielfach bestoßen. R. unter der 1. Hand zwei Stiftlöcher. An der Vs.
der Plinthe schwer lesbarer Inschriftrest: unter dem 1. Fuß SI, nahe der r. Ecke HN,
dazwischen und ganz 1. weitere Reste.
Frühes 4. Jh. v. Chr.
Vorster 195.376 Kat. 138. Taf. 8, 4.
Diese nackte hockende Knabenstatue ist ein Vertreter des in der Kunst des Mittel-
meerraums und darüber hinaus sehr beliebten Typus’ sitzender Knabenstatuen, auch
bekannt unter dem Namen „temple boys“, benannt nach den zypriotischen hockenden
Kinderstatuen1. Die Plinthe unserer Figur ist oval, hinten gebuckelt, und neigt sich nach
vorne. Der Knabe hockt frontal darauf mit aufgerichtetem, etwas nach rechts geneigtem
Oberkörper; das rechte Bein ist weit zur Seite und hochgestellt, das linke untergeschla-
gen. Die linke Hand stützt sich auf den linken Oberschenkel, die rechte liegt auf dem
anderen Schenkel und hält ein ovales Objekt, wohl einen Vogel. Vorster setzt diese
eher bescheidene Statue nach den starren, unorganischen Körperformen ins frühe 4. Jh.
v. Chr.2. Die meisten der griechischen Kinderstatuen wurden von den Eltern in Heilig-
tümer geweiht3; die Inschriftreste an der Frontseite unserer Plinthe sind also wohl als
Weihinschrift zu deuten. Vorster nimmt als Herkunftsort unserer Statuette das Arte-
mision an4.
1 Vorster 189 ff. Zu den „temple boys“ 81 f. — Auch M.-L. Krüger in FS Kenner II230 ff. — Zuletzt
L. Ganzmann, Temple boys. Ungedr. Lizentiatsarbeit Basel (1979). — C. Beer in: „Gifts to the Gods“, Boreas
(Uppsala) 15, 1978, 21 ff.
2 Vorster 195.
3 Vorster 48 ff. 249.
4 Vorster, Tabelle S. 84.
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