Waldner, Alice; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 11,4): Die Chronologie der Kuretenstraße: Archäologische Evidenzen zur Baugeschichte des unteren Embolos von Ephesos von der lysimachischen Neugründung bis in die byzantinische Zeit — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

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5 Auswertung und Interpretation: Die Baugeschichte des unteren Embolos

nander kämpfen«957 und der Figurenfries insgesamt eine »merkwürdig indifferente Botschaft«958
ausstrahlte. Dies spricht allerdings, zusammen mit der »schlechten künstlerischen Qualität seiner
Ausführung«, für eine »bloß additive Bedeutung des Frieses«959. Der Fund eines Brotstempels
aus dem Fundamentbereich (K351), dessen Motiv Parallelen zu den zeitgenössischen Reversen
der Mithridatesmünzen aufweist, könnte ein Indiz dafür sein, dass ein Zusammenhang zwischen
Heroon und Mithridates bestand. Der ursprüngliche Nutzungskontext des Stempels ist allerdings
nicht zu rekonstruieren, weshalb dies rein hypothetisch bleiben muss.
Da bislang weder das Fundmaterial noch epigrafische oder literarische Quellen Auskunft über
die Auftraggeber der Monumente an der Südseite des unteren Embolos geben960, können die hier
zu ihrer Interpretation geäußerten Hypothesen nicht verifiziert werden961.
5.2 DER UNTERE EMBOLOS VON (FRÜH-)AUGUSTEISCHER BIS IN
TIBERISCHE ZEIT
In der augusteischen Zeit erhielt die Südseite des unteren Embolos zwei weitere Monumente: zum
einen das Oktogon, unmittelbar im Osten neben dem Heroon errichtet, zum anderen das Hexagon,
östlich des Oktogons gelegen. Beide Gebäude zeigen einen polygonalen Grundriss, sind aber in
ihrem Aufgehenden - so weit zu rekonstruieren - unterschiedlich gestaltet und dimensioniert.
Die Bestattung einer jungen Frau in der Grabkammer des Oktogons, des größeren und impo-
santeren der beiden Monumente, und u. a. seine oktogonale Form führten zu einer mittlerweile
nahezu einhellig akzeptierten Interpretation durch H. Thür als dynastische Grabstätte für die
41 v. Chr. in Ephesos ermordete Arsinoe IV.962. Die Auswertung der keramischen Funde aus den
dem Oktogon zuzurechnenden Schichten im südlich des Monuments liegenden Raum 45c ergab
jedoch eine eindeutige Datierung in die augusteische Zeit beziehungsweise in das letzte Viertel
des 1. Jahrhunderts v. Chr. Daher soll auch die Möglichkeit zu bedenken gegeben werden, dass
es sich bei der Bestatteten um die Frau/Tochter eines unter Augustus aktiven Stifters/Euergeten
oder um eine selbst als Stifterin oder im Kult der Artemis aktive Ephesierin gehandelt haben
könnte963. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang eine metrische Inschrift auf einem mar-
mornen Gesimsblock, der - zu einer Treppe umgearbeitet - zu einer späten Portikus auf dem
>Altarhof< gehörte. Der ursprünglich wohl zu einem Heroon gehörige Block, der nur ganz allge-
mein in die Kaiserzeit datiert964, nennt die früh im Kindbett verstorbene Frau eines Glykon, dem
wahrscheinlich besondere Verdienste um das Artemision zuzuschreiben sind965. Diese Inschrift
stellt - zumindest bei der Annahme, dass der sekundär im Altar verbaute Block aus der Nähe
stammt - ein Indiz dafür dar, dass auch weibliche Angehörige prominenter Ephesier das Recht
auf ein Grab- oder Ehrenmal im Stadtgebiet hatten. Bei derzeitigem Stand der archäologischen

957 Berns 2003, 43.
958 Berns 2003, 43.
959 Berns 2003, 43. Dagegen Thür 2009, 13-15.
960 Ain Heroon finden sich zwar Reste einer Inschrift, die allerdings nicht schlüssig interpretiert werden können. Auch
für den Vorschlag von H. Thür, die die Inschrift versuchsweise als [KTETJHN rekonstruiert, gibt es letztlich
keinen Beweis. Berns 2003, 193 Arun. 95.
961 Es gab durchwegs auch für Bereiche wie Nahrungsmittel, Wasserversorgung und Sicherheit die Möglichkeit von
Euergesien. Es ist jedoch damit zu rechnen, »daß viele Maßnahmen in diesen wenig repräsentativen Bereichen
unerwähnt geblieben sind, wenn sich kein Euerget ein konkretes Verdienst an den entsprechenden Leistungen
zuschreiben konnte«: Cramme 2001, 27.
962 s. dazu Uiür 2009, 18-20; Plattner 2009.
963 Zu Frauen als Funktionsträgerinnen - allerdings im kaiserzeitlichen - Ephesos s. Soldan 1999; Kirbihler 2009,
67-92. Die erste Frau als Prytanis scheint erst gegen Ende des 1. Jhs. n. Chr. auf (IvE 508. 1012. 1016): Soldan
1999, 117; s. außerdem van Bremen 1996.
964 Merkelbach - Stäuber 1998, 345.
965 IvE 16, 2109M; Iplikfioglu - Knibbe 1981/1982, 94 Nr. 17; McCabe 1991, Nr. 2099; Marcovich 1984, 237 f;
Peek 1986/87; Merkelbach - Stäuber 1998, 345 03/ 03/ 64. Ephesos; Knibbe - Langmann 1993, 54. Glykon wird
in der Inschrift u. a. als Tempelbaumeister und Stratege sowie als Spender bezeichnet.
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