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Gasser, Anna; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 12,1): Die korinthische und attische Importkeramik vom Artemision in Ephesos — Wien: Schindler, 1990

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.52074#0011
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EINLEITUNG DES AUSGRÄBERS

Die österreichischen Grabungen im Artemision
begannen 1965, 70 Jahre nach dem fehlgeschlagenen
Versuch der Österrreicher, den Altar aufzufinden.
Damals, hatte Carl Humann 1895 im Auftrag von
Otto Benndorf an mehreren Stellen im Westen und
Norden Sondagen angelegt.
Während man in den ersten Grabungsjahren
weniger auf eine genaue Stratigraphie bedacht war,
erstens aus technischen Gründen, zweitens, weil das
8m hohe Alluvium stratigraphisch kaum von Belang
war, wurde ab 1970 von der Oberkante der erhalte-
nen Fundamente nach unten mit einer genauen Stra-
tigraphie gearbeitet. Die Erarbeitung dieser Strati-
graphie war wegen des hohen Grundwasserspiegels
sehr schwierig. Es wurde darauf Bedacht genommen,
sowohl alle Anlagen freizulegen, als auch die Schnit-
te jeweils so anzulegen, daß der stratigraphisch-
historische Befund optimal zugänglich wurde.
Das Erdmaterial wurde ab 1970 gesiebt, ab 1981
geschlämmt. Nur 1979 und 1980 konnten aus Geld-
und Arbeitcrmangel beide Techniken nicht durchge-
führt werden, was auch Folgen hatte.
Die stratigraphische Erforschung des Heiligtums
erfolgte im allgemeinen von Westen nach Osten.
Während in den Jahren 1969/71 vor allem auch im
Altarhof Sondagen angelegt wurden, wurde seit 1971
langsam damit begonnen, den Bereich östlich des
Altares systematisch zu untersuchen. Dabei wurde
als erstes der sogenannte Naiskos südlich des Hcka-
tompedos entdeckt. Viele Kampagnen wurden in die
systematische Ausgrabung des Hekatompedos inve-
stiert, welche erst 1982 als abgeschlossen bezeichnet
werden konnte. Bereits 1977 wurde die Westkante
des Kroisostempcls erreicht, der dann auch immer
mehr in die stratigraphische Erforschung miteinbe-
zogen wurde.
1985 wurde unter seiner Nordkante eine kleine
Kultbasis entdeckt1 und 1987 wurde mit einer Neu-
untersuchung der Zentralbasis begonnen, die
1904/05 von Hogarth entdeckt worden war.2
Bei der Datierung der Artemisionanlagen befin-
det man sich in einem Dilemma. Wir hatten gehofft,
daß die Probleme der Datierung mit Hilfe der Kera-
mik zu lösen seien, es stellte sich aber heraus, daß
die Vernetzung von Stratigraphie und Keramik zu
neuen Schwierigkeiten führt, die nur zur Folge hat-
ten, daß einige als einigermaßen gesichert geltende
Ergebnisse wieder in Frage gestellt worden sind. Da-
her soll vorerst einmal ausgeführt werden, welche
Anhaltspunkte für eine Datierung der Anlagen im
Altar- und westlichen Tempelbereich existieren
(absolute Chronologie):
1. die Intiironisierung des Kroisos und der Bau-
beginn des archaischen Dipteros aus Marmor — 560
v. Chr.
2. der Brand des archaischen Tempels 356
v. Chr., bzw. ein früherer Brand gegen 395 v. Chr.

3. die archaischen Buchstaben (insbesondere das
B) auf der sogenannten Kultstatuenbasis.
4. Architektur und Skulpturenfragmente aus
spätklassischer Zeit.
5. datierbare korinthische und attische Keramik.
6. die C14-Datierung der Kisten Art.69/K5
(Altarrampe) und 71/K73 (südlich des Hekatompe-
dos) um 350 v. Chr.
Eine der Hauptschwierigkeiten ist, daß im West-
bereich des Artemisions im Laufe der Jahrhunderte
sehr viel gebaut worden ist, alle diese Aktivitäten
haben ihre Spuren in der Stratigraphie hinterlassen.
Es ist für den Archäologen sehr schwer, diese anti-
ken Störungen als solche stratigraphisch zu erken-
nen, bzw. sie mit dem entsprechenden Keramikbe-
fund zu verbinden.
Für eine relative Chronologie gibt es Anhalts-
punkte aus dem Baumaterial der Anlagen. Im 8. und
7. Jh. v. Chr. war das bevorzugte Baumaterial ein
gelber Kalkmcrgel, der vor allem auf dem Igdelitepe,
einem Hügel in Richtung Pamugak abgebaut wurde.
Dieses Baumaterial, das in dünnen Spaltplatten ge-
wonnen wurde, ist als sichtbares Mauermaterial und
nicht nur als Fundamentmaterial bei der Zcntralbasis,
bei der nördlichen Kultbasis und als Mauer zwischen
den Marmorcckcn beim Naiskos des Kroisostempcls
verwendet worden, weiters als Fundamentmaterial
beim Hekatompedos und beim sogenannten Naiskos
südlich davon, sowie beim Apsidenbau.
Kristalliner Marmor wird zum ersten Mal beim
Aufbau des Hekatompedos verwendet, wo an einer
Stelle ein Marmorblock als Schwelle in situ erhalten
ist, dann beim Naiskos des Kroisostempcls, in der
Zentralbasis, sowie für Krepidoma und Stylobat des
Kroisostempcls. Kristalliner Kalk bzw. marmorähn-
licher Kalk kommt beim „Rampenaltar“, also bei
Rampe, Eschara und Kultbildbasis vor. Behauene
Grünschicfcrquadem sind als Spolien für den Sockel
des Kroisosnaiskos verwendet worden, stammen also
von einem älteren Bau, in situ vor allem für die Ba-
sen des geometrischen Peripteros, als unbehauene
Fundamentblöckc auch im Fundament des Kroiso-
stempels.
Für die Chronologie ergibt sich, daß in der Zeit
vom Ende des 7. Jhs. bis zur Kroisoszeit sowohl
Marmor als auch kristalliner und gelber Kalkmergel
sowie Grünschiefer verwendet wird. Danach wird
gelber Kalkmergel nicht mehr verwendet, vor dem
Ende des 7. Jhs. auch kein Marmor. Grünschiefer
scheint als architektonisch behauenes Material vor
allem auch im 8. Jh. und eventuell 7. Jh. verwendet
worden zu sein.
Als ein Datierungskriterium habe ich auch die
polygonal-trapezoide Steintechnik des Altarhofpfla-
sters und der Fundamente der Altarumfassung
(Thrinkos), bzw. des Pflasterfundamentes zwischen
Altar und Tempel des 4. Jhs. angesehen.

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