ENTDECKUNG UND ERFORSCHUNG DES ALTARES
Ulrike Muss
DIE FUNDE AUS EPHESOS
Im Jahre 1900 wurde im November unter der Grabungsleitung von R. Heberdey, aus dem Pflaster der Theaterstraße gegenüber dem Nordflü-
gel des Theaters eine Reihe von Werkstücken geborgen, von denen einige in der Folge nach Wien gelangten, wo sie heute im Ephesos-Mu-
seum in der Neuen Hofburg zu sehen sind. Im folgenden seien die Aufzeichnungen aus dem Tagebuch von Richard Heberdey aus dem Jahre
1900, die Werkstücke des sog. Amazonenbaues bzw. den Artemisionaltar betreifen, angeführt.
Eintragung vom 5. November:
Aus dem Pflaster der „heiligen (Theater-)Straße“ gegenüber dem Nordflügel des Theaters einen Architrav ausgehoben, daneben liegend eine
Hängeplatte, beides feinste hellenistische Arbeit. Sie sind als Deckplatte der Cloake verwendet. Bei Untersuchung derselben werden noch
weitere sichtbar.
Eintragung vom 6. November:
Von den Decksteinen des Kanales noch eine hellenistische Wandquader und zweiten Architrav ausgehoben, Niemann nach Smyrna.
Eintragung vom 7. November:
Nachdem augenscheinlich zahlreiche Architekturstücke gleicher Art im Straßenpflaster stecken u. das Ganze offenbar vom hell. Proskenion
herrührt, systematische Aufdeckung desselben begonnen.
Es findet sich ein weiterer Architrav, mehrere Simastücke und ein eigentümlicher Pfeiler, der in die Wand eingreift - Zeichnung - ob von den
Pinakesstellungen? Dazu noch feine Fuß und Kopfgesimse mit Aufschnürungen, die diesen Pfeilern entsprechen, aber bis 5 einspringende
Rillen zeigen.
Eintragung vom 8. November:
Wandquader innen (durchgestrichen) einspringende Ecke, mit Oberteil e. polyklet. Amazone in Hochrelief, feine hellenistische Arbeit, sicher
gleichfalls vom Proscenium.
Eintragung vom io. November:
Zwei große Stücke eines in größeren Dimensionen gehaltenen Fußgesimses aus dem Pflaster gezogen, ob vom hell. Zuschauerraum?
??? mehrere Sitzstufen des hellenistischen Zuschauerraumes. Die Pfeiler im Theater an einer Stelle bis auf die Porosschicht freigelegt, Be-
fund noch nicht klar, doch sind deutlich Eingriffe (am Balken?) erkennbar.
Eintragung vom 12. November:
Aus dem Straßenpflaster mehrfach hochkantig gestellt gewesene Wandquadem. Auf dem Proscenium weitergearbeitet...
Eintragung vom 13. November:
Im Straßenpflaster Sitzstufen und gut gearbeitete Profile von größeren Dimensionen, als die Prosceniumsarchitektur zu vertragen scheint.
Vielleicht vom hellenistischen Zuschauerraum?
Eintragung vom 21. November:
An der Straße soweit Raum geschafft, daß allmählich mit dem Ausheben von Pflastersteinen begonnen werden kann. Ein Stück des erwähnten
großen Gesimses mit K (andere tragen KB) Buchstaben sind nachlässig und und wohl sicher spät. Prosceniumpfeiler bis unten freigelegt...
Eintragung vom 28.-29. November:
Aus dem Pflaster zwei weitere Steine mit Streifen, der eine hat derer 5 und weiter keine(?) Anschlußfläche, der andere an der Schmalseite 1,
an der Hauptseite scheinen die Streifen angearbeitet. Ansonsten ein ganzer und ein halb gebrochener Architrav der häufigsten Form.
Richard Heberdey hat sich selbst nie detailliert zu diesen Funden geäußert. Aus seinen Ausführungen im Tagebuch geht hervor, daß er die
Werkstücke aus der Straße beim Theater, die zum sog. Amazonenbau bzw. dem Artemisionaltar gehören, für ,hellenistisch4, also für Arbeiten
der griechischen Zeit hält. Er weist diese Werkstücke wohl auch wegen des Fundortes dem Proscenium des Theaters zu. Von großem Inter-
esse sind neben der Erwähnung ihres Fundortes auch seine Ausführungen zu den sog. Fußprofilen oder -gesimsen, deren Buchstabenzählung
Heberdey für ,nächlässig und sicher spät4 hält (s. hier S. 54ff).
In der Folge gelangte eine Reihe dieser Werkstücke nach Wien, aber nur das Relief der Amazone wurde in der Antikensammlung ausgestellt,
nachdem es vorher einmal im Theseustempel im Volksgarten gezeigt worden war5. Bei der Einrichtung des Ephesos-Museums in der Neuen
5 R. v. Schneider, Führer durch die Ausstellung von Fundstücken aus Ephesos im griechi-
schen Tempel im Volksgarten, Nr. 28.
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Ulrike Muss
DIE FUNDE AUS EPHESOS
Im Jahre 1900 wurde im November unter der Grabungsleitung von R. Heberdey, aus dem Pflaster der Theaterstraße gegenüber dem Nordflü-
gel des Theaters eine Reihe von Werkstücken geborgen, von denen einige in der Folge nach Wien gelangten, wo sie heute im Ephesos-Mu-
seum in der Neuen Hofburg zu sehen sind. Im folgenden seien die Aufzeichnungen aus dem Tagebuch von Richard Heberdey aus dem Jahre
1900, die Werkstücke des sog. Amazonenbaues bzw. den Artemisionaltar betreifen, angeführt.
Eintragung vom 5. November:
Aus dem Pflaster der „heiligen (Theater-)Straße“ gegenüber dem Nordflügel des Theaters einen Architrav ausgehoben, daneben liegend eine
Hängeplatte, beides feinste hellenistische Arbeit. Sie sind als Deckplatte der Cloake verwendet. Bei Untersuchung derselben werden noch
weitere sichtbar.
Eintragung vom 6. November:
Von den Decksteinen des Kanales noch eine hellenistische Wandquader und zweiten Architrav ausgehoben, Niemann nach Smyrna.
Eintragung vom 7. November:
Nachdem augenscheinlich zahlreiche Architekturstücke gleicher Art im Straßenpflaster stecken u. das Ganze offenbar vom hell. Proskenion
herrührt, systematische Aufdeckung desselben begonnen.
Es findet sich ein weiterer Architrav, mehrere Simastücke und ein eigentümlicher Pfeiler, der in die Wand eingreift - Zeichnung - ob von den
Pinakesstellungen? Dazu noch feine Fuß und Kopfgesimse mit Aufschnürungen, die diesen Pfeilern entsprechen, aber bis 5 einspringende
Rillen zeigen.
Eintragung vom 8. November:
Wandquader innen (durchgestrichen) einspringende Ecke, mit Oberteil e. polyklet. Amazone in Hochrelief, feine hellenistische Arbeit, sicher
gleichfalls vom Proscenium.
Eintragung vom io. November:
Zwei große Stücke eines in größeren Dimensionen gehaltenen Fußgesimses aus dem Pflaster gezogen, ob vom hell. Zuschauerraum?
??? mehrere Sitzstufen des hellenistischen Zuschauerraumes. Die Pfeiler im Theater an einer Stelle bis auf die Porosschicht freigelegt, Be-
fund noch nicht klar, doch sind deutlich Eingriffe (am Balken?) erkennbar.
Eintragung vom 12. November:
Aus dem Straßenpflaster mehrfach hochkantig gestellt gewesene Wandquadem. Auf dem Proscenium weitergearbeitet...
Eintragung vom 13. November:
Im Straßenpflaster Sitzstufen und gut gearbeitete Profile von größeren Dimensionen, als die Prosceniumsarchitektur zu vertragen scheint.
Vielleicht vom hellenistischen Zuschauerraum?
Eintragung vom 21. November:
An der Straße soweit Raum geschafft, daß allmählich mit dem Ausheben von Pflastersteinen begonnen werden kann. Ein Stück des erwähnten
großen Gesimses mit K (andere tragen KB) Buchstaben sind nachlässig und und wohl sicher spät. Prosceniumpfeiler bis unten freigelegt...
Eintragung vom 28.-29. November:
Aus dem Pflaster zwei weitere Steine mit Streifen, der eine hat derer 5 und weiter keine(?) Anschlußfläche, der andere an der Schmalseite 1,
an der Hauptseite scheinen die Streifen angearbeitet. Ansonsten ein ganzer und ein halb gebrochener Architrav der häufigsten Form.
Richard Heberdey hat sich selbst nie detailliert zu diesen Funden geäußert. Aus seinen Ausführungen im Tagebuch geht hervor, daß er die
Werkstücke aus der Straße beim Theater, die zum sog. Amazonenbau bzw. dem Artemisionaltar gehören, für ,hellenistisch4, also für Arbeiten
der griechischen Zeit hält. Er weist diese Werkstücke wohl auch wegen des Fundortes dem Proscenium des Theaters zu. Von großem Inter-
esse sind neben der Erwähnung ihres Fundortes auch seine Ausführungen zu den sog. Fußprofilen oder -gesimsen, deren Buchstabenzählung
Heberdey für ,nächlässig und sicher spät4 hält (s. hier S. 54ff).
In der Folge gelangte eine Reihe dieser Werkstücke nach Wien, aber nur das Relief der Amazone wurde in der Antikensammlung ausgestellt,
nachdem es vorher einmal im Theseustempel im Volksgarten gezeigt worden war5. Bei der Einrichtung des Ephesos-Museums in der Neuen
5 R. v. Schneider, Führer durch die Ausstellung von Fundstücken aus Ephesos im griechi-
schen Tempel im Volksgarten, Nr. 28.
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