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Muss, Ulrike; Bammer, Anton
Der Altar des Artemisions von Ephesos (Textband): Der Altar des Artemisions von Ephesos — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2001

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https://doi.org/10.11588/diglit.52040#0065
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DIE SÄULEN

Ulrike Muss
BASEN
(Kat.-Nr. 37-44, Tafelabb. 212-225)
In Buch III (5, 1-3) beschreibt Vitruv zwei Säulenbasen ionischer Ordnung, die von ihm die ionische und die attische genannt werden. Mit
der ionischen ist dabei die aus Kleinasien bekannte ephesische Basis gemeint, die gewöhnlich entweder als kleinasiatisch-ephesisch oder io-
nisch-ephesisch bezeichnet wird232. Bei einer der beiden während der Altargrabung gefundenen Basen handelt es sich um eine solche ionisch-
ephesische Basis mit 8,2 cm hoher, profilierter Plinthe mit aufrechter und reverser lesbischer Welle und einer darüber angearbeiteten 13,6 cm
hohen kleinasiatisch-ephesischen Spira, die aus drei Paaren von Rundstäben und zwei dazwischen liegenden Hohlkehlen besteht und deren
oberer Doppelwulst hier sekundär abgearbeitet wurde (Art. 65/20)233. Mit dem ebenfalls aus der Altargrabung stammenden, separat gearbei-
teten sechsrilligen Torus (Art. 66/49) - zu dem es ein paralleles, sehr gut erhaltenes Stück von der Johanneskirche (StJ 88/31) gibt-, ist diese
Basis 28,3 cm hoch.
A. Bammer hatte die Plinthenlänge anhand der Basis Art. 65/20 auf etwa 65 cm rekonstruiert; der untere Durchmesser für die Säulentrom-
meln wurde von ihm mit ca. 50 cm angegeben. Ein erneutes Aufträgen seiner Skizze234 ergab für den Mittelpunktabstand der Basis von der
Plinthenvorderkante ein Maß von 34,2 cm und damit eine Plinthenlänge von 68,4 cm. Der für die Rekonstruktion des unteren Säulendurch-
messers relevante Radius ist der - etwa entlang der Innenwand des obersten Trochilus - abgeschlagene Kreisrand mit 25,6 cm. Für den Ra-
dius des unteren Säulendurchmessers läßt sich 24,1 cm errechnen - abzüglich des angenommenen Maßes für die Apophyge von ca. 1,5 cm -
womit der untere Säulendurchmesser 48,2 cm beträgt. Zwei weitere Basen- eine aus der Altargrabung und eine aus dem Areal des Artemisi-
ons - belegen einen anderen Typus, dürften aber auf Grund ihres Durchmessers ebenfalls der Altararchitektur angehören. Dabei entspricht
die Basis aus der Altargrabung (Art. 67/16) einem Typus mit oberem und unterem ungegliedertem Torus und einer Hohlkehle, die beidseits
von einem Kantstab gesäumt ist. Anhand des erhaltenen oberen Auflagers läßt sich der uDm des Säulenschaftes mit etwa 52,0 cm errechnen.
Eine dritte Basis wurde 1987 beim Abräumen des alten Grabungsschuttes an der Nordseite des Grabungsgeländes gefunden (Art. 87/o. Nr. -
Kat.-Nr. 39). Ihr Profil entspricht dem der vorigen Basis, hier sind über der angearbeiteten Plinthe ein Rundstab mit Hohlkehle und als deren
oberer Abschluß ein etwas weiter auskragender Rundstab ausgebildet. Ihr nur geringer Unterschied in der Höhe zu Art. 65/20 sowie der re-
konstruierte Radius von 24,1 cm lassen auch hier eine Zuweisung zu den Basen des Altares möglich erscheinen.
Beide Werkstücke belegen, daß es am Artemisionaltar offenbar - neben den ionisch-ephesischen Basen - auch solche gab, die wie die atti-
schen Basen nur einen Trochilus anstatt von zwei aufweisen.
Die Form des Altares bietet große Möglichkeiten Basen zu variieren, sei es an den Außen- und Innenseiten, Haupt- oder Nebenfronten sowie
an den Stirnflächen (Risaliten). Sollten die hier vorgenommenen Zuweisungen richtig sein, so wären sie als ein frühes Zeugnis für die Aus-
einandersetzung mit attischer Architektur im Artemision zu werten.
Welche Implikationen allerdings speziell diesem Phänomen für das Artemision zugrundeliegen könnten, kann anhand der wenigen bekann-
ten Werkstücke nicht weiter untersucht werden235. Auffällig bleibt jedoch, daß bei gleichem oder in etwa gleichen Säulendurchmessem Höhe
und Form der Basis variieren.
Die für die Basen rekonstruierten Säulendurchmesser sind etwas größer als der gemessene untere Durchmesser der Säulentrommel aus dem
Artemision ohne Apophyge (Art./o. Nr. - Kat.-Nr. 46) mit 45,2 cm (s. u. S. 61).
Das Auflager der Säulenbasis von Art. 87/o. Nr. ist bis zu einer Tiefe von 4 cm glatt, die übrige Fläche wurde sekundär abgeschlagen. Die er-
haltene Basis ist 18,95 cm hoch, mit einem ergänzten Torus von 7,0 cm, wäre sie 25,8 cm hoch, und damit um etwa 4,5 cm niedriger als
Art. 65/20.
Auch das Verhältnis der Höhe von Plinthe zu Spira ist bei den beiden Basen aus dem Artemision verschieden: während bei Art. 87/o. Nr.
Plinthe und Spira in etwa gleich hoch sind, ist die Spira bei Art. 65/20 wesentlich höher als die Plinthe.
Ein ebenfalls etwa gleiches Verhältnis zwischen Plinthe (12,35 cm) und Spira (14,0 cm) findet sich bei einer gut erhaltenen ephesisch-ioni-
schen Basis (StJ90/o. Nr. - Kat.-Nr. 40), die vor dem Grabungshaus von Ayasoluk liegt. Der Durchmesser des oberen Wulstes der Spira be-
trägt 56,0 cm. Eine Zugehörigkeit zum Artemisionaltar ist bei dieser vollständig erhaltenen Basis sowohl wegen der angearbeiteten Plinthe
als auch wegen des unteren Durchmessers von 48,6 cm in Erwägung zu ziehen.
Ein separat gearbeitetes Spirafragment mit oberem und unterem Auflager, das sich ebenfalls nach dem ephesischen Schema ergänzen läßt, ist
mit StJ 84/52 erhalten. Hier beträgt der Radius bis zur auf der Oberseite erhaltenen Aufschnürung für den Torus 24,3 cm. Dieser ist etwa mit
dem Apophygenrand gleichzusetzen, so daß sich für den unteren Durchmesser des Säulenschaftes ein Maß von 48,6 cm ergibt. Die Höhe die-
ser Spira beträgt 11,8 cm und liegt damit etwas unter der rekonstruierten Höhe der Spira von Art. 65/20.

232 B. Wesenberg, Kapitelle und Basen (1971) 116ff.
233 Vgl. P. Hellström - Th. Thieme, Labraunda Vol. I Part 3, The Temple of Zeus (1982)
58 ff.
234 Vgl. ÖJh 1972 Sp. 29, 30 Abb. 14.
235 Wie U. Schädler (IstMitt 41, 1991, 265ff.) beschreibt, führte die Auseinandersetzung
mit den athenischen Bauten der Klassik, die in Kleinasien an der Wende zum 4. Jh.
v. Chr. einsetzte zur Übernahme attischer Architekturformen. Die attische Basis ver-
drängt die ionische dabei in der Folge völlig. Als frühestes Beispiel gilt bis heute ihr

Auftreten im 2. V. des 3. Jhs. v. Chr. am Demetertempel in Pergamon und dann gegen
Ende des Jahrhunderts am Artemisionaltar von Magnesia am Mäander. Eine Kombina-
tion von ionisch-ephesischen und attischen Basisformen findet sich beim Zeusaltar von
Pergamon, wo an den vorgelegten Pfeilern der Dreiviertelsäulen ausschließlich attische
Basen angebracht sind. Interessant ist hier auch, daß gerade beim Peigamonaltar Aufbau
und Gestalt der Architekturglieder von Bezügen auf die kleinasiatisch-ionische Archi-
tektur archaischer und spätklassischer Zeit geprägt sind. Schädler a. O. 69; A. Bammer,
FuB 16,1975,183 ff.

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