Klebinder-Gauß, Gudrun; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 12,3): Bronzefunde aus dem Artemision von Ephesos — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2007

Page: 187
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XII. Varia

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Heraion von Samos1300, im Athena-Heiligtum von Lindos1301, im Delion von Paros1302, im Aphaia-Heiligtum
von Ägina1303, im Heiligtum der Hera Limenia in Perachora1304, im Enodia-Heiligtum von Pherai1305, im
Athena-Itonia-Heiligtum von Philia1306 und in Olympia1307. Welche konkrete Funktion die Raffeln im Heilig-
tum hatten, muss unentschieden bleiben. Sie konnten als Votivgaben der Gottheit dargebracht worden sein1308
oder eine praktische Verwendung im Kultbetrieb, etwa bei Kultmahlen, gehabt haben. Vereinzelt treten Raf-
feln dieser Art auch in Siedlungszusammenhängen auf309. Das Vorkommen in Gräbern zusammen mit Sym-
posionsgeschirr zeigt, dass es sich bei diesen Raffeln nicht einfach nur um im Haushalt benutzte Geräte
handelt, sondern dass sie auch eine gewisse Bedeutung bei Totenmahlzeremonien und bei Symposien
hatten1310.
XII. 11.2 Blätter (Kat. 947-949, Taf. 93)
Die Blätter Kat. 947 und 948 sind aus dünnem Blech ausgeschnitten, Einkerbungen an der Vorderseite geben die Äderung an.
Das vollständig erhaltene Blatt Kat. 947 läuft an seinem unteren Ende schmal zu; eine Vorrichtung zur Befestigung ist nicht vor-
handen. Das massive, blattförmige Blech Kat. 949 ist auf beiden Seiten unverziert und am unteren Ende gebrochen.
Blätter aus Bronzeblech kommen in griechischen Heiligtümern regelmäßig vor1311. Neben den Darstellungen
von Efeu-, Eichen- und Ahornblättern begegnen vor allem solche in der Art von Kat. 947-949, die in ihrer
schmal-länglichen Form an Lorbeerblätter erinnern. Die Blätter treten zumeist einzeln auf. Auch die Blätter
Kat. 947-949 wurden nicht in unmittelbarer Nähe zueinander gefunden. In Olympia und Dodona fanden sich
Blätter aus Bronze zusammen mit einem bronzenen Zweig, an dem sie mit einem Draht befestigt waren. Dies
lässt annehmen, dass die Blätter gewöhnlich nicht einzeln in das Heiligtum gebracht, sondern an echten oder
bronzenen Ästen oder Kränzen befestigt worden waren.
XII.11.3 Bleche unbestimmter Funktion (Kat. 950-962, Taf. 93-95)
Die aus dünnem Blech gefertigte, flach gewölbte Scheibe Kat. 950 ist entlang des Randes an drei Stellen rund durchlocht. Eine
vierte Durchlochung kann wohl an der Fehlstelle symmetrisch ergänzt werden. Soweit erhalten, ist das Blech unverziert.
Das flach gewölbte Blech Kat. 951 schließt auf einer Seite halbkreisförmig ab und verschmälert sich zur anderen, gebrochenen
Seite hin. An der Innenseite des Bleches ist am Rand mit zwei Nieten ein schmales, heute nur noch im Ansatz erhaltenes Band
befestigt. Wegen des schlechten Erhaltungszustandes ist diese Vorrichtung an der gegenüberliegenden Seite des Blechrundes nicht
mehr festzustellen, kann aber wohl symmetrisch ergänzt werden.
Das runde, sehr schlecht erhaltene Blech Kat. 952 ist in der Mitte omphalosartig gewölbt. Der deutlich abgesetzte Rand ist kon-
kav aufgebogen. Durchlochungen zur Befestigung oder Verzierungen sind nicht festzustellen.
Die aus relativ massivem Blech gefertigten Scheiben Kat. 953 und 954 sind sehr fragmentarisch erhalten; der ursprüngliche Rand
ist bei keinem der beiden Stücke mehr vorhanden. Die beiden Bleche stammen aus demselben Fundzusammenhang, weisen aber
13(10 Gehrig 1964. 9 f. Kat. 50-54; 97 f.; Brize 1989/90, 323 Abb. 3.
1301 Blinkenberg 1931, 215 Nr. 693 Taf. 29.
1302 Rubensohn 1962, 70 f. Nr. 32 Taf. 12, 18.
1303 Maass - Kilian-Dirlmeier 1998. 99 Nr. 140. 141 Abb. 18.
1304 Payne 1940, 182 Taf. 81. 11.
1305 Kilian 1975a, Taf. 94, 33.
1306 Kilian-Dirlmeier 2002, 16 Nr. 213 Taf. 11. 183.
1307 Furtwängler 1890. 197 Nr. 1272; Gehrig 1964. 98 Anm. 4 erwähnt sieben Fragmente im Magazin in Olympia.
13118 Nach Brize 1989/90, 323 könnte es sich um eine »typische Weihung einer bestimmten Berufsgruppe« handeln; vgl. auch Kilian-
Dirlmeier 2002. 202.
'■'"9 Robinson 1941, 191 ff. Nr. 600—608 Taf. 48 f. Nach Robinson gehören die Stücke vorwiegend der 1. Hälfte des 4. Jhs. v. Chr.
an.
131(1 z. B. Jacopi 1929, 192 Abb. 186; Jacopi (Anm. 1297) 158 Abb. 156; Jacobsthal (Anm. 1296) 2 ff. und Schindler 1998. 68 f. mit
Fundortangaben in Italien.
Bronzeblätter wurden u. a. in folgenden Heiligtümern gefunden: Samos, Ausstellung Museum Vathy. Lindos auf Rhodos: Blinken-
berg 1931, 391 Nr. 1560. 1561 aus den »premieres epoques archaiques«. Delos: Deonna 1938, 312 f. Abb. 379. Delphi: Perdrizet
1908, 122 Abb. 454—458bis. Enodia-Heiligtum von Pherai: Kilian 1975a, Taf. 88. 7—10. Olympia: Furtwängler 1890. 186 Inv.
4660 lat. 66, 1175. Dodona: C. Carapanos, Dodone et ses ruines (1878) Taf. 49, 6. 8. 12. 13. Nemea: S. G. Miller, Excavations
at Nemea 1976, I lesperia 46, 1977, 6 Taf. 3 c. Vgl. auch ein als Kopfschmuck interpretiertes Ensemble aus goldenen Lorbeer-
blättern und -beeren, die an einem gedrehten Silberdraht befestigt sind, aus dem Heiligtum der Artemis-Orthia in Sparta: Deppert-
Lippitz 1985, 91 Abb. 46.
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