Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Miller, Alexandra von; Kerschner, Michael; Betina, Lisa
Archaische Siedlungsbefunde in Ephesos: Stratigrafie, Bauphasen, Keramik und Kleinfunde aus den Grabungen unter der Tetragonos Agora : archaische Keramikfunde aus dem Theater und von den nordwestlichen Ausläufern des Panayirdağ (Band 13,3: Textband): Textband — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2019

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.51985#0252
License: Creative Commons - Attribution

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
l.C.l Metallfunde

251

l.C DIE KLEINFUNDE
Neben der Fülle an keramischem Material waren in den archaischen Siedlungsniveaus unter der
Tetragonos Agora auch einige wenige Kleinfunde aus Metall und Elfenbein vergesellschaftet.
Sie verteilen sich auf die Siedlungsphasen AG Phase II bis AG Phase IV
l.C.l Metallfunde
l.C. 1.1 Bronze
l.C. 1.1.1 Trachtbestandteile
l.C.l.1.1a Fibeln
Fibeln aus Bronze gehören mit zu den am häufigsten aufgefundenen Trachtbestandteilen in
archaischen Kontexten im westlichen Kleinasien. Besonders prominent sind dabei die Fibeln
phrygischen Typs vertreten959, denen auch Kat. 1836 angehört.
Die kleine Fibel Kat. 1836 zeichnet sich durch fünf am rundstabigen Bügel aufgeschobene
Kugelsegmente aus. Nur bei einem der seitlichen Segmente zeichnen sich die Spuren von einer
das Kugelsegment möglicherweise rahmenden Scheibe ab, doch könnte dieser Eindruck auch der
Korrosion geschuldet sein, was umso mehr wahrscheinlich ist, als nur eines der Kugelsegmente
betroffen ist. Der Nadelhalter ist verbrochen, die Nadel fehlt.
Der Verbreitungsschwerpunkt der phrygischen Fibeln dieser Variante des Typs XII. 14 nach
C. Blinkenberg960 liegt mit Gordion, Hattusa, Ali§ar, Karalar und Pazarh im anatolischen Kern-
gebiet des Phrygerreiches961, während das ephesische Artemision als bislang einziger Fund-
ort im Westen Anatoliens gilt962. Von der Westseite des sog. Kroisostempels stammt außerdem
eine annähernd vergleichbare Fibel aus Gold963. Mit Kat. 1836 ist die Variante in Ephesos nun
erstmals auch außerhalb des Artemisheiligtums nachgewiesen. Die engsten Vergleichsbeispiele
zu Kat. 1836 aus Gordion, Hattusa, Lindos und Ephesos werden zwischen dem ausgehenden
8. Jahrhundert und dem beginnenden 6. Jahrhundert datiert964; Kat. 1836 ist über seine Ver-
gesellschaftung in einem Bauhorizont der AG Phase IV spätestens am unteren Ende dieses
Zeitrahmens einzuordnen.
l.C.l.1.1b Nadeln
Neben den Fibeln stellen Nadeln einen wichtigen, den Fibeln in ihrer Funktion verwandten
Trachtbestandteil dar. Bei der Nadel Kat. 833 aus den archaischen Siedlungsbefunden scheint es
sich um ein bislang singuläres Stück zu handeln, das sich keinem kleinasiatischen oder festland-
griechischen Typus mit Bestimmtheit zuordnen lässt, dafür aber seinen nächsten Verwandten im

959 Zu den Fibeln phrygischen Typs s. Muscarella 1967; Boehmer 1972, 46-66; Caner 1983, 50-175; Klebinder-
Gauß 2007, 37-41; Vassileva 2012, 111-122. Speziell zu der Chronologie phrygischer Fibeln vgl. auch Sams
2011, 63 f. Zu Fibeln phrygischen Typs in ionischen Kontexten vgl. beispielsweise Hogarth 1908, 148 Nr. 1-11
Taf. 17; Lamb 1934/1935, 151 f. Nr. 1-30 Taf. 31; Boardman 1967, 205 f. 210 f. Nr. 206-225 Abb. 138.
960 Blinkenberg 1926, 223-225.
961 Vgl. dazu Muscarella 1967, 24 f; Boehmer 1972, 62 f; Caner 1983, 150-154.
962 Vgl. Caner 1983, 153 Nr. 1067 Taf. 60; Klebinder-Gauß 2007, 62 f. 236 Nr. 203 Taf. 15.
963 Diese wurde erstmals von Bammer 1984, Abb. 101 bekannt gemacht. Vgl. auch Bammer 1988, 4 Abb. 4. Eine
ausführliche Diskussion erfolgt bei Pülz 2009, 67. 228 f. Nr. 50 Taf. 12 Farbtaf. 8. Zum Einwirken phrygischen
Metallhandwerks auf die lydische Goldschmiedekunst vgl. außerdem zusammenfassend Kerschner 2003a, 132.
964 Blinkenberg 1931, 88 Nr. 110 Taf. 8; Muscarella 1967, Nr. 74 Taf. 13 (Typ XII.14); Boehmer 1972, 64 Nr. 150 Taf.
8 (Typ XII.14); Sapouna-Sakellarakis 1978, 128 f. Nr. 1679 Taf. 53 (Typ XII Ak); Caner 1983, 150 f. Nr. 1045.
1047 Taf. 60 (Typ K1.1); 152 f. Nr. 1059-1070 Taf. 60 (Typ K 1.2); Klebinder-Gauß 2007, 62 f. 236 Nr. 203 Taf 15.
 
Annotationen