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Pülz, Andrea M.; Bühler, Birgit; Melcher, Michael; Schreiner, Manfred; Schwarcz, David Zsolt; Österreichische Akademie der Wissenschaften / Verlag [Contr.]
Byzantinische Kleinfunde aus Ephesos: ausgewählte Artefakte aus Metall, Bein und Glas (Band 18,1: Textband): Textband — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020

DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.51987#0010
License: Creative Commons - Attribution
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VORWORT DER GRABUNGSLEITUNG
Es ist der Generaldirektion für Altertümer in Ankara, dem Efes Müzesi in Selçuk und Mus-
tafa Büyükkolanci, Grabungsleiter in Ayasoluk, zu verdanken, dass die hier vorliegende Studie
zu byzantinischen Kleinfunden in Ephesos überhaupt entstehen konnte. Denn nur durch die
Genehmigung das gesamte, im Großraum von Ephesos zutage gekommene Fundspektrum zu
bearbeiten, war eine übergreifende kulturhistorische Analyse erst möglich geworden. Tn mehreren
Kampagnen hatten Andrea Pülz und ihr Team die Gelegenheit, Museums- und Ausgrabungsfunde
zu dokumentieren und materialkundlich zu analysieren. Dabei erwiesen sich die lange Zeitspanne
und die Heterogenität der Objekte als große Herausforderung. Hinzu kam deren unterschiedli-
che Herkunft: Während ein nicht unbeträchtlicher Teil aus gut dokumentierten archäologischen
Grabungen stammt, handelt es sich bei vielen anderen Objekten um Akquisitionen oder um
Oberflächenfunde, die ihren Weg in das Efes Müzesi fanden und deren ursprünglicher Kontext
nicht bekannt ist. In der Zusammenschau erwächst allerdings genau aufgrund dieser Diversität
ein verdichtetes Bild der materiellen Kultur byzantinischer Zeit in der Siedlungskammer von
Ephesos. Chronologische Lücken konnten geschlossen werden, und die lange als >Dark Ages<
bezeichnete Frühphase der mittelbyzantinischen Zeit bildet sich nun im Fundspektrum sehr
deutlich und sehr elaboriert ab. Die vielen Schmuckstücke und Trachtbestandteile, die hauswirt-
schaftlichen und handwerklichen Utensilien und Gerätschaften sind als Abbild einer lebendigen
Alltagskultur in einer noch stark vom Christentum geprägten Welt zu verstehen.
Die Vorlage dieses Materials ist umso bedeutender, als solche Studien gerade aus dem byzanti-
nischen Kernland nur spärlich vorhanden sind. Sie fügt sich aber auch in den großen Forschungs-
schwerpunkt, den die Grabung Ephesos in den letzten Jahren verfolgte. Aus unterschiedlichen
Perspektiven und unter Anwendung interdisziplinärer Forschungsansätze wurde das Augenmerk
auf die byzantinischen Siedlungsphasen gelegt, um ein klareres Bild der Transformation einer
antiken Großstadt zu einem urbanen Zentrum des frühosmanischen Reiches zu gewinnen. Die
Aufarbeitung byzantinischer Kleinfunde bildete dabei einen Kernpunkt für das Verständnis des
täglichen Lebens und des Selbstverständnisses ihrer Benutzerinnen und Benutzer.
Dass Arbeiten wie die vorliegende Studie überhaupt entstehen können, bedarf einer soli-
den Forschungsinfrastruktur, für deren Finanzierung ich der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften herzlich danke. Das Grabungshaus in Ephesos mit seinen Depots, Labors und
Arbeitsräumen und einer professionellen Administration bietet hervorragende Bedingungen für
Forschende. Für die meist im Hintergrund ablaufende reibungslose Bewältigung aller bürokra-
tischen Hürden sei Filiz Öztürk großer Dank ausgesprochen. Grundlegend waren auch Förde-
rungen des FWF sowohl für das Projekt als auch für die Buchproduktion. Die Aufnahme in
die Reihe »Forschungen in Ephesos« erfolgte durch die Publikationskommission der ÖAW,
wobei anonyme Gutachten wertvolle Hinweise zur Qualitätsoptimierung der Arbeit lieferten.
Barbara Beck-Brandt und ihr Team haben ein weiteres Mal hervorragende Arbeit geleistet und
durch die hohe Kunst unseres Fotografen Nicolas Gail wurden die Objekte in das rechte Licht
gerückt. Allen Verfallstheorien zum Trotz ist es Andrea Pülz durch eine akribische Bearbeitung
oft unscheinbarer Fundstücke gelungen, ein anschauliches Bild der byzantinischen Epoche in
Ephesos zu zeichnen und dazu sei ihr herzlich gratuliert!
Sabine Lädstätter
Stanford, Jänner 2019
 
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