Fimmen, Diedrich
Die Kretisch-mykenische Kultur — Leipzig, 1921

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Kretisch-mykenische Keramik

außerdem noch eine grö-
ßere Anzahl dieser Vasen
aus Paläkastro, Zakro, Psy-
chro und Knossos. Die
Formen entsprechen de-
nen der übrigen natura-
listisch bemalten Vasen:
besonders häufig sind
trichterförmige Rhyta, Hen-
kelkannen, Amphoren und
pithosartige Henkelkrüge,
Becher und Pyxiden mit
Füßen. Die Muster sind
großzügig und meistens
in recht freiem und frischem
Stil gemalt: aufwachsende
Blumen und Gräser auf
welligem Gelände, Ran-
ken, Bänder von engge-
drehten Spiralen, der 'lau-
fende Hund', abwechselnd
Doppelbeil und Band-
schleife, deren Auge mit
einem Kreuz gefüllt ist;
den Grund füllen öfters
kleine Kreise und Spiral-
haken. Auch in der Orna-
mentik unterscheidet sich
diese Gruppe nicht von
den übrigen Vasen der
ersten spätminoischen Periode, die sie hier als Beispiel vertreten soll.

Der kretische Palaststil ist aus der Schematisierung des ersten spätminoischen Stils
entstanden, wie Reisinger, Kret. Vasenmalerei S. 18 ff. und 43 ff. gezeigt hat. Daß diese Ent-
wicklung auf Kreta selbst vor sich gegangen ist, kann angesichts des reichen Fundmaterials
nicht zweifelhaft sein. Vgl. Abb. 137—139. Ich nenne Beispiele aus
Knossos, Evans, P. T. 156 ff. Abb. 141—144.
H. Triada, Mem. Ist. Lomb. XXI Taf. VI 13.
Gurnia, Boyd, Gournia Taf. Q 1.
Pseira, Seager, Pseira 30 Abb. 11.
Mochlos, A. J. A. 1909, 288 Abb. 12.
Paläkastro, B. S. A. XI 280 Abb. 11.

Die Technik besteht immer in schwarzen Glasurmustern auf hellem Tongrund. Unter
den Formen wiegen 3—4henklige 'Amphoren' vor, daneben erscheinen häufig Pithoi, Kannen,
auch Bügelkannen und Trichter. In der Ornamentik werden die konventionellen Formen

Abb. 75.
Vase von Argos.
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