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Die Zeichnungen
IV, 353, 382, 363, 364, 390, 397, 440, 444.
V, 451, 458.
Dürer hat oft auf eine Zeichnung nur die Jahreszahl gesetzt. In
vielen Fällen hat erst der spätere Besitzer das fehlende Zeichen hinzu-
gefügt. Als Beispiele nenne ich: L. I, 2, 31, 79. II, 100, 121, 160, 174
III, 249, 259, 294, 321, 330. IV, 334, 343, 363, 395. V, 490—492, 532,
549, 551—554, 559, 563, 569, 571. VI, 593, 719. VII, 796, 806, 832.
Man ist wohl allgemein der Ansicht, daß diese späteren Bezeich-
nungen von Dürer seihst herrühren. Ich habe schon wiederholt darauf
hingewiesen, daß dies Dürer nie getan hat. Immer spricht die Form
des Zeichens und seine Stellung zur Jahreszahl dagegen. Meist steht
das Zeichen auf diesen Blättern ganz gegen Dürers Gewohnheit rechts
dicht neben der Jahreszahl, obgleich unter ihr eine Menge Platz ist.
Es scheint, als gingen fast alle diese Zeichen, die den echten Jahres-
zahlen auf diese Weise hinzugefügt sind, auf dieselbe Hand zurück.
Aber es stehen, außer den unechten Zeichen, auch viele unechte
und sogar falsche Jahreszahlen auf Dürers Zeichnungen.
Unecht nenne ich eine Jahreszahl, wenn sie nicht von Dürer geschrie-
ben ist, falsch nenne ich sie, wenn sie nicht die Entstehungszeit be-
deutet. Die falschen Jahreszahlen sind immer zugleich unecht, die
unechten nicht immer falsch. Beide sind aber immer mit einem un-
echten Zeichen vereint.
Wenn ein Künstler ein Werk von sich mit einer Jahreszahl ver-
sieht, so will er damit die Zeit der Vollendung des Werkes bezeichnen.
Viele Jahreszahlen auf Diirerschen Zeichnungen bedeuten aber nicht
die Entstehungszeit. Ganz sicher ist dies in folgenden Fällen:
1. Das Blatt mit den drei Ansichten eines Stechhelms L. IV, 357
trägt die Jahreszahl 1514. Tatsache ist aber, daß der eine Helm für
einen Stich von 1503, das Wappen mit dem Totenkopf, der andere
Helm für einen noch viel früheren Stich, das Löwenwappen mit dem
Hahn, das ich ins Jahr 1500 setze, benützt worden ist. Die Zeichnung
muß also spätestens im Jahr 1500 vor dem Löwenwappen entstan-
den sein.
2. Der Papstmantel L. V, 494, eine der Studien zum Rosenkranz-
fest von 1506, trägt ebenfalls die Jahreszahl 1514.
3. Der Zimmermann L. VI, 664 mit der Jahreszahl 1518 muß min-
destens 21 Jahre früher gezeichnet sein, weil er für den Holzschnitt der
Marter der Zehntausend benützt worden ist, der 1497 anzusetzen ist.
Wie sind diese falschen Jahreszahlen zu erklären? Thausing
Die Zeichnungen
IV, 353, 382, 363, 364, 390, 397, 440, 444.
V, 451, 458.
Dürer hat oft auf eine Zeichnung nur die Jahreszahl gesetzt. In
vielen Fällen hat erst der spätere Besitzer das fehlende Zeichen hinzu-
gefügt. Als Beispiele nenne ich: L. I, 2, 31, 79. II, 100, 121, 160, 174
III, 249, 259, 294, 321, 330. IV, 334, 343, 363, 395. V, 490—492, 532,
549, 551—554, 559, 563, 569, 571. VI, 593, 719. VII, 796, 806, 832.
Man ist wohl allgemein der Ansicht, daß diese späteren Bezeich-
nungen von Dürer seihst herrühren. Ich habe schon wiederholt darauf
hingewiesen, daß dies Dürer nie getan hat. Immer spricht die Form
des Zeichens und seine Stellung zur Jahreszahl dagegen. Meist steht
das Zeichen auf diesen Blättern ganz gegen Dürers Gewohnheit rechts
dicht neben der Jahreszahl, obgleich unter ihr eine Menge Platz ist.
Es scheint, als gingen fast alle diese Zeichen, die den echten Jahres-
zahlen auf diese Weise hinzugefügt sind, auf dieselbe Hand zurück.
Aber es stehen, außer den unechten Zeichen, auch viele unechte
und sogar falsche Jahreszahlen auf Dürers Zeichnungen.
Unecht nenne ich eine Jahreszahl, wenn sie nicht von Dürer geschrie-
ben ist, falsch nenne ich sie, wenn sie nicht die Entstehungszeit be-
deutet. Die falschen Jahreszahlen sind immer zugleich unecht, die
unechten nicht immer falsch. Beide sind aber immer mit einem un-
echten Zeichen vereint.
Wenn ein Künstler ein Werk von sich mit einer Jahreszahl ver-
sieht, so will er damit die Zeit der Vollendung des Werkes bezeichnen.
Viele Jahreszahlen auf Diirerschen Zeichnungen bedeuten aber nicht
die Entstehungszeit. Ganz sicher ist dies in folgenden Fällen:
1. Das Blatt mit den drei Ansichten eines Stechhelms L. IV, 357
trägt die Jahreszahl 1514. Tatsache ist aber, daß der eine Helm für
einen Stich von 1503, das Wappen mit dem Totenkopf, der andere
Helm für einen noch viel früheren Stich, das Löwenwappen mit dem
Hahn, das ich ins Jahr 1500 setze, benützt worden ist. Die Zeichnung
muß also spätestens im Jahr 1500 vor dem Löwenwappen entstan-
den sein.
2. Der Papstmantel L. V, 494, eine der Studien zum Rosenkranz-
fest von 1506, trägt ebenfalls die Jahreszahl 1514.
3. Der Zimmermann L. VI, 664 mit der Jahreszahl 1518 muß min-
destens 21 Jahre früher gezeichnet sein, weil er für den Holzschnitt der
Marter der Zehntausend benützt worden ist, der 1497 anzusetzen ist.
Wie sind diese falschen Jahreszahlen zu erklären? Thausing



