L. 741—749
453
weiblichen Bildnisses ohne Jahr in Berlin, das in Venedig entstanden
sein muß (man vergl. 1. Bd., S. 408). Man darf vermuten, daß Dürer
die Zeichnung gleich nach dem Bildnis gemacht hat, vielleicht zum Ge-
schenk für diese Frau? Also noch in Venedig Anfang 1507.
L. VII, 748. Selbstbildnis in ganzer Gestalt, Peters-
burg, Eremitage. Eine Studie, jedenfalls von 1508, zum Mariähimmel-
fahrtsbild für Jak. Heller und das Original zu L. 23.
L. VII, 749. Kopf eines langgelockten Knaben von
1508, Donington Priory, G. M. Gathorne-Hardy. Sicher nicht Original,
sondern Kopie nach der sehr beschädigten Zeichnung in München
(Phot. Bruckmann). Das ergibt sich schon aus der Vergleichung der
Jahreszahl und des Zeichens auf beiden Blättern. Zunächst das
Zeichen. Das des Münchner Blattes macht denselben echten Eindruck,
wie z. B. das der Zeichnungen L. V, 468 Hase von 1502, VI, 708 Lan-
zenreiter von 1502, II, 173 Adam und Eva von 1504, VI, 717 Frau vom
Rücken von 1505. Dagegen macht das Zeichen auf dem Blatt von
Gathorne-Hardy, das leider unten abgeschnitten ist, den Eindruck
einer Nachahmung. Dann die Jahreszahl. Ihre Ziffern entsprechen
in München viel mehr der Art Dürers als bei Gathorne-Hardy. Sie muß
ursprünglich von Punkten in der Form von kleinen verschobenen
Rechtecken, von denen Schnörkel ausgehen, eingefaßt gewesen sein,
wie z. B. die Jahreszahl 1510 auf den beiden zusammengehörigen Blät-
tern in Berlin L. 24 und Wien L. V, 520, sowie auf dem Holzschnitt des
Büßers und die Jahreszahl 1515 auf der Ehrenpforte. Auf der vor-
liegenden Zeichnung sieht man nur hinter der Jahreszahl diese Schnör-
kel, ein Beweis, daß das Blatt links stark beschnitten worden ist. In
München fehlt nun zwar, wie bei Gathorne-Hardy, der Punkt, von
dem die Schnörkel nach unten und oben ausgegangen sind, aber hier
ist er durch Abreiben, wie so vieles auf dem Blatte, verloren gegangen,
während er auf dem wohlerhaltenen Blatte bei Gathorne-Hardy, wie
man sieht, nie vorhanden gewesen ist. Daraus folgt: das letztere
Blatt ist eine Kopie nach dem Münchener, zu einer Zeit gemacht,
wo dieses schon links so wie jetzt beschnitten war und wo das Mittel-
glied zwischen den Schnörkeln hinter der Jahreszahl schon fehlte.
Vergleichen wir nun, nachdem wir die äußere Beglaubigung unter-
sucht haben, die beiden Zeichnungen selbst. In München ist das ganze
Gesicht viel lieblicher, beseelter, bei Gathorne-Hardy wirkt es leerer
und der Ausdruck der Augen hat etwas Hartes, Starres. Auch die Tech-
nik ist hier, wie hei jeder derartigen Kopie, um einige Grade derber.
453
weiblichen Bildnisses ohne Jahr in Berlin, das in Venedig entstanden
sein muß (man vergl. 1. Bd., S. 408). Man darf vermuten, daß Dürer
die Zeichnung gleich nach dem Bildnis gemacht hat, vielleicht zum Ge-
schenk für diese Frau? Also noch in Venedig Anfang 1507.
L. VII, 748. Selbstbildnis in ganzer Gestalt, Peters-
burg, Eremitage. Eine Studie, jedenfalls von 1508, zum Mariähimmel-
fahrtsbild für Jak. Heller und das Original zu L. 23.
L. VII, 749. Kopf eines langgelockten Knaben von
1508, Donington Priory, G. M. Gathorne-Hardy. Sicher nicht Original,
sondern Kopie nach der sehr beschädigten Zeichnung in München
(Phot. Bruckmann). Das ergibt sich schon aus der Vergleichung der
Jahreszahl und des Zeichens auf beiden Blättern. Zunächst das
Zeichen. Das des Münchner Blattes macht denselben echten Eindruck,
wie z. B. das der Zeichnungen L. V, 468 Hase von 1502, VI, 708 Lan-
zenreiter von 1502, II, 173 Adam und Eva von 1504, VI, 717 Frau vom
Rücken von 1505. Dagegen macht das Zeichen auf dem Blatt von
Gathorne-Hardy, das leider unten abgeschnitten ist, den Eindruck
einer Nachahmung. Dann die Jahreszahl. Ihre Ziffern entsprechen
in München viel mehr der Art Dürers als bei Gathorne-Hardy. Sie muß
ursprünglich von Punkten in der Form von kleinen verschobenen
Rechtecken, von denen Schnörkel ausgehen, eingefaßt gewesen sein,
wie z. B. die Jahreszahl 1510 auf den beiden zusammengehörigen Blät-
tern in Berlin L. 24 und Wien L. V, 520, sowie auf dem Holzschnitt des
Büßers und die Jahreszahl 1515 auf der Ehrenpforte. Auf der vor-
liegenden Zeichnung sieht man nur hinter der Jahreszahl diese Schnör-
kel, ein Beweis, daß das Blatt links stark beschnitten worden ist. In
München fehlt nun zwar, wie bei Gathorne-Hardy, der Punkt, von
dem die Schnörkel nach unten und oben ausgegangen sind, aber hier
ist er durch Abreiben, wie so vieles auf dem Blatte, verloren gegangen,
während er auf dem wohlerhaltenen Blatte bei Gathorne-Hardy, wie
man sieht, nie vorhanden gewesen ist. Daraus folgt: das letztere
Blatt ist eine Kopie nach dem Münchener, zu einer Zeit gemacht,
wo dieses schon links so wie jetzt beschnitten war und wo das Mittel-
glied zwischen den Schnörkeln hinter der Jahreszahl schon fehlte.
Vergleichen wir nun, nachdem wir die äußere Beglaubigung unter-
sucht haben, die beiden Zeichnungen selbst. In München ist das ganze
Gesicht viel lieblicher, beseelter, bei Gathorne-Hardy wirkt es leerer
und der Ausdruck der Augen hat etwas Hartes, Starres. Auch die Tech-
nik ist hier, wie hei jeder derartigen Kopie, um einige Grade derber.



